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Kultur Vokalensemble singt Ellingtons „Sacred Concerts“
Nachrichten Kultur Vokalensemble singt Ellingtons „Sacred Concerts“
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08:20 16.01.2018
„Appell für Freiheit und Frömmigkeit“: Die Fette Hupe und das Junge Vokalensemble in Aktion.
„Appell für Freiheit und Frömmigkeit“: Die Fette Hupe und das Junge Vokalensemble in Aktion. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

 Fetter Bigbandsound, groovender Chorgesang, jazzige Vokalsoli und zwei Dirigenten, die ihr Handwerk verstehen: Das waren die Elemente, aus denen sich ein mitreissender Konzertabend im Pavillon zusammenfügte. Das Junge Vokalsensemble Hannover hatte sich zum Abschluss seines 35-jährigen Chorjubiläums mit dem Jazzorchester Fette Hupe zusammengetan, um die „Sacred Concerts“ von Duke Ellington aufzuführen. 

Gemeinsam für Duke Ellington: Solisten, Chor und Bigband auf der Bühne.

Die drei geistlichen Konzerte entstanden in den letzten Lebensjahren eines der wichtigsten Musikers der Jazzgeschichte. In dieser Zeit musste Ellington den Tod seiner Frau und zwei seiner Freunde erleben. Schließlich wurde er auch noch mit seiner eigenen Krebserkrankung konfrontiert. Es entstanden Texte und Musik, in der sich allgemeine Spiritualität und anrührende persönliche Frömmigkeit zu einem Gesamtkunstwerk vereinen – und das zum großen Teil als handfester Jazz. 

Das ist eine Vorlage, die viel verlangt für einen Chor, der sich eher mit klassischem Repertoire profiliert hat. Aber die 60 Sänger meisterten ihre Aufgabe mit bestem Jazzchor-Sound. Bei klangschönen a-capella-Passagen übernahm dabei Chorleiter Klaus-Jürgen Etzold die Leitung. Da hörte man weich schwingendes Piano und blitzsaubere Jazzharmonien. Und wenn dann Bandleader Jörn Marcussen-Wulff in gleitendem Übergang wieder als Hauptdirigent übernahm, wurde der Chor zum schlagkräftigen vokalen Register des Jazzorchesters. Teilweise auch mit swingendem Sprechgesang. 

Marcussen-Wulff ist ein Vollblut-Musiker, der seine Band zu strahlenden oder auch zickig-scharfen Bläsereinsätzen animieren kann. Dann aber lässt er los und gibt große Freiheiten für Improvisationen. Und hier glänzten die Instrumentalisten mit prächtigen Soli, wobei der Trompeter Gary Winters den virtuosen Höhepunkt lieferte. Der Amerikaner, der als Jugendlicher Duke Ellington noch persönlich kennengelernt hat, erwies sich darüber hinaus bei den kleinen Melodramen des Werkes als einfühlsamer Rezitator. Und Saxofonist Felix Petry begeisterte durch einen überraschenden Rollenwechsel: mit cooler Lässigkeit trat er als Steptänzer auf. Die beiden Vokalsolisten Claudia Burghard und Joachim Rust gaben ihren Songs Tiefe und, wo notwendig, leidenschaftlichen Ausdruck. 

Insgesamt erlebte man eine Aufführung, die erfüllt war vom spirituellen Geist dieser außergewöhnlichen Komposition. „Die Texte und die Musik sind ein Appell für Freiheit und Frömmigkeit,“ sagte Jörn Marcussen-Wulffam Schluss. Und dann ging es mit dem swingenden und groovenden Song „Prais God and Dance“ nochmal richtig zu Sache. Beifallsstürme und Zugabe beendeten einen fulminanten Abend.

Von Claus-Ulrich Heinke

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