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Kultur „Von den Beinen zu kurz“ siegt beim Stückewettbewerb
Nachrichten Kultur „Von den Beinen zu kurz“ siegt beim Stückewettbewerb
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00:15 02.06.2013
Von Ronald Meyer-Arlt
Foto: Katja Brunner legte ein „bemerkenswertes Debüt“ hin, so die Jury.
Katja Brunner legte ein „bemerkenswertes Debüt“ hin, so die Jury. Quelle: dpa
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Mülheim an der Ruhr/Hannover

„Katja Brunner“, so stand es im Januar in dieser Zeitung, „ist auf jeden Fall eine Autorin, die neugierig macht. Ihre Sprache hat etwas gleichermaßen Insistierendes und traumverloren Lakonisches, sie pflegt einen angenehm falschen Klang, den man fast als Wortjazz nehmen könnte. Sie hat das Zeug zu einer großen Schriftstellerin - wenn sie es sich nicht zu einfach macht.“

Dass sie das Zeug zu einer großen Schriftstellerin hat, finden auch andere. Die Autorin hat mit ihrem Stück „Von den Beinen zu kurz“, das im Schauspiel Hannover im Januar Premiere hatte, den mit 15.000 Euro dotierten Mülheimer Dramatikerpreis gewonnen. „Von den Beinen zu kurz“, ist Brunners Theaterdebut. in Zürich wurde es uraufgeführt, Hannover brachte es als deutsche Erstaufführung heraus. Brunner erzählt in ihrem Stück vom Kindesmissbrauch. Verstörenderweise lässt sie die Tochter, die missbraucht wurde, das übergroße Begehren des Vaters auch noch verteidigen. Sie sagt Sätze wie: „Ich habe doch als Menschenwesen das Recht zu lieben, wen ich will“. Bei der Premiere in Hannover war das Publikum über weite Strecken vom Stück gefesselt. Am Ende entlud sich die Anspannung in begeistertem Applaus.

Die Mülheimer Jury, der die Kritiker Tobias Becker und Jürgen Berger, die Dramaturgin Sabina Dhein und die Schauspieler Milan Peschel und Wiebke Puls angehören nannte das Stück ein „bemerkenswertes Debüt“. Besonders beeindruckt zeigte sich die Juroren von Brunners sehr eigener, rabiater, schamloser Sprache, die nicht nur unbändig sei, sondern zugleich zu beschreiben wisse. Die Autorin überschreite Tabus, ohne dabei je reißerisch zu sein. Indem Brunner mit ihrem Stück eine Moral aufs Spiel setze, tue sie genau das, was Theater stark macht.

Drei Juroren votierten für Katja Brunner. Je eine Stimme ging an Elfriede Jelinek und Nis-Momme Stockmann. Stockmann war mit dem Stück „Tod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in mir“ in Mülheim vertreten. Auch diese Produktion kam vom hannoverschen Schauspiel. Mit der Inszenierung von Lars-Ole Walburg wurden die 38. Mülheimer Theatertage eröffnet. Darüber hinaus wurde mit „Monster“ von David Greig eine dritte Produktion des Schauspiel Hannover im Rahmenprogramm des Festivals gezeigt.

Gestern Abend gab es im Schauspiel Hannover die letzte Aufführung des Gewinnerstückes in dieser Spielzeit. Von September an wird „Von den Beinen zu kurz“ wieder auf dem Spielplan stehen. „Tod und Wiederauferstehung ...“ läuft am Sonntag, 2. Juni, um 17.00 Uhr zum letzten Mal in dieser Spielzeit.