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Kultur „Go away!“
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00:15 07.04.2014
Von Uwe Janssen
Weit weg von den Menschen: Kurt Cobain im September 1993 in Los Angeles. Quelle: dpa
Seattle

„Der am Donnerstag geplante Auftritt der Band Nirvana aus Seattle muss verschoben werden“, notierte die Hannoversche Allgemeine Zeitung am 15. März 1994, einem Dienstag. Sänger Kurt Cobain war kurz zuvor zusammengebrochen, Überanstrengung, eine Grippe und Alkoholkonsum hätten ihm zu schaffen gemacht. Er sei zwar auf dem Weg der Besserung, die Ärzte hätten ihm jedoch noch Ruhe verordnet, ließ der Konzertveranstalter mitteilen. Einen Tag später wurde ein neuer Termin in der hannoverschen Music Hall auf dem Hanomag-Gelände bekannt gegeben. Am 6. Mai sollte es nun soweit sein, es gebe auch noch Karten.

Knapp drei Wochen später meldete die HAZ: „Nirvana wird nicht in Hannover spielen.“ Die Meldung erschien am 5. April 1994. Es war der Tag, an dem Cobain sich in seiner Heimatstadt Seattle eine Schrotflinte an den Kopf hielt und abdrückte. Erst zwei Tage später wurde er gefunden.

Es war das Ende des Rockmusikers und der Beginn der Rocklegende Kurt Cobain. Er war 27, als er starb, wie Hendrix, Joplin, Morrison. Sein Abschiedsbrief, der mit dem Neil-Young-Zitat „It’s better to burn out than to fade away“ endet, ist berühmter als mancher Nirvana-Song. Er hatte gerade mal drei Studioalben und bis heute eines der besten „unplugged“-Alben in New York aufgenommen. Neben der wütenden Hymne „Smells like Teen Spirit“ vom Generationenalbum „Nevermind“ war es vor allem Cobains fassadenloses Hadern mit sich und der Welt, das Nirvana zu einem der wichtigsten Kapitel des Rock ’n’ Roll werden ließ. Mit seiner schonungslosen Hoffnungslosigkeit gab Cobain vielen Jugendlichen Halt – Kraft den Kraftlosen. Er artikulierte die Gefühlswelt vieler Jugendlicher in den Neunzigern, die zu einer Lost Generation, zu einer neuen Generation X stilisiert wurde. In Cobain hatten sie einen gefunden, der die Welt wissen ließ, dass sie am Leben waren.

Wer Cobain und seine Band am Rande wahrnahm, konnte diesem Sumpf, aus dem Cobain sang, misstrauen, es für Koketterie und Masche halten, wie er sein Popstarsein verfluchte. So konnte kein Mensch wirklich drauf sein und trotzdem noch Songs schreiben und auf die Bühne gehen.

Doch es war eher umgekehrt. Noch im Januar 1994 hatte Cobain im Interview mit dieser Zeitung nicht die Sätze gesagt, die man so gewohnt ist von Rockstars, sondern all seine Zweifel an seiner neuen Rolle zu Protokoll gegeben: „Aus irgendeinem Grund stellen uns die Leute auf ein Podest, doch das ist völliger Unsinn“, hatte er geschimpft, „es gehört nicht viel dazu, auf die Bühne zu gehen und Gitarre zu spielen, das kann jeder. Wir wollen nicht als Halbgötter verehrt werden.“

Angesprochen auf den Song „Scentless Apprentice“ vom letzten Studioalbum „In Utero“, der sich auf Patrick Süskinds Roman „Parfüm“ bezieht, sagte Cobain: „Ich lese das Buch immer wieder. Selten hat mich ein Buch so berührt. Ich fühle genau wie der Charakter in dem Buch, manchmal wünsche ich mir, so weit weg von Menschen zu sein wie nur möglich.“ In dem Lied, einer wilden, am Ende infernalischen Gitarren- und Schreiorgie, kann man Cobain kaum verstehen, doch die Worte im Refrain versteht man doch: „Go away!“, brüllt der Sänger immer und immer wieder, „go away!“ In seinem Abschiedsbrief drückt er es so aus: „Ich habe es gut, sehr gut, und ich bin dankbar dafür, aber seit ich sieben bin, hasse ich alle Menschen.“

Am Ende schreibt er: „Ich habe nicht mehr das Feuer, und deshalb denkt dran: Es ist besser, auszubrennen als zu verblassen.“

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