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Kultur Vortragsreihe „Leibniz Original“ startet
Nachrichten Kultur Vortragsreihe „Leibniz Original“ startet
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10:44 05.08.2010
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Es gibt auch Irrtümer, die man sich gern eingesteht: So hatte die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek das Interesse an der neuen Vortragsreihe „Leibniz Original“ völlig unterschätzt, versorgte aber am Ende doch alle Besucher mit Sitzgelegenheiten im dicht besetzten Konferenzraum. Im Rahmen des Leibniz Sommers 2010 will sie interessierten Laien Originale näherbringen – Urkunden, Briefe und Manuskripte mit Randnotizen des Meisterdenkers werden jeweils passend zum Thema aus den Archiven geholt. Man darf am Pergament schnuppern, sich die Originale auch genau ansehen, aber nicht anfassen. Damit man sie aber begreifen kann, werden sie von einem Mitarbeiter der Bibliothek in einer kleinen Einführung erläutert.

Gedacht ist dabei eher an lockere Werkstattgespräche mit Laien, nicht bis ins Letzte ausformulierte wissenschaftliche Referate. Der erste Vortrag, gehalten von Bibliotheksreferendar Björn Schreier, widmete sich dem Thema „Leibniz und Russland“. Gezeigt wurde unter anderem die Urkunde, in der Leibniz zum Geheimen Justizrat ernannt wurde und die von Zar Peter (dem sogenannten Großen) unterzeichnet wurde. Leibniz war nicht nur an Russland, sondern auch an einer lukrativeren Anstellung interessiert – das versprochene Geld kam aber nie an. Auch seine Vorschläge, etwa zur Reform des russischen Justizwesens im Geist der Aufklärung, fanden nicht allzu viel Resonanz. Er stellte sich Russland als „Tabula rasa“ vor, als Neuland, in dem die Vernunft auf keinen Widerstand von kleinkarierten, irrationalen Denkgewohnheiten stößt. Ein Irrtum, aber immerhin beweist die Errichtung der von ihm angeregten Akademie der Wissenschaften nach seinem Tod, dass seine Anstrengungen nicht ganz ohne praktische Folgen für Russland blieben.

Seine Interessen gingen weit darüber hinaus, thematisch wie geografisch. Unter anderem war er an einem sicheren Landweg von Europa nach Asien (unter Umgehung der Türken) interessiert: Die Verbindung zu China, von dessen Kultur Leibniz weit mehr fasziniert war als vom rückständigen Zarenreich, war ihm ein besonderes Anliegen. Sein Verhältnis zum Reich der Mitte wird im vierten Vortrag der Reihe (am 30. August) erläutert.

In den nächsten vier Wochen folgen weitere Veranstaltungen, in der andere Originale vorgestellt und erläutert werden, jeweils montags um 15 Uhr in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek. Am 9.  August spricht Nina Otto über „Leibniz im Dialog“.