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Kultur Wahrheitssucher im Irak: Matt Damon in der „Green Zone“
Nachrichten Kultur Wahrheitssucher im Irak: Matt Damon in der „Green Zone“
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03:01 19.03.2010
Wo bitte geht’s zu den Massenvernichtungswaffen? Amy Ryan und Matt Damon im Irak.
Wo bitte geht’s zu den Massenvernichtungswaffen? Amy Ryan und Matt Damon im Irak. Quelle: Universal
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Filme über den Krieg im Irak sind beim amerikanischen Publikum nicht beliebt. Kathryn Bigelows mit Oscars überschütteter „The Hurt Locker – Tödliches Kommando“ spielte an den US-Kinokassen mit 14,7 Millionen Dollar nur wenig mehr als seine Produktionskosten ein. Paul Greengrass’ „Green Zone“ ließ der Verleih nach Fertigstellung erst einmal ein paar Monate im Regal schmoren. Dabei zielt dieser politische Actionthriller, anders als Bigelows Film, aufs breite Publikum.

Matt Damon spielt den US-Offizier Roy Miller, der im Jahr 2003 ein Spezialkommando leitet. Miller soll nach dem Einmarsch im Irak jene Massenvernichtungswaffen suchen, die der Bush-Administration als Vorwand für die Invasion dienten. Ein Gelände nach dem anderen erstürmt der Trupp und orientiert sich dabei an Geheimdienstberichten. Doch nirgendwo finden sich ABC-Waffen, die Saddam Hussein in seinem Land gehortet haben soll.

Miller beginnt, unangenehme Fragen zu stellen. Er will herausfinden, wo die offensichtlich falschen Geheimdienstinformationen herkommen. Der Sonderbeauftragte des Pentagons Clark Poundstone (Greg Kinnear) will ihn zurückpfeifen, während der örtliche CIA-Chef Martin Brown (Brendan Gleeson) ihn bei der Suche nach der Wahrheit unterstützt. Als ein Iraker (Khalid Abdalla) Miller und seine Mannen darüber informiert, dass sich ein paar Häuser weiter untergetauchte Funktionäre von Saddams Baath-Partei treffen, führt die Jagd nach einem irakischen General ihn immer tiefer hinein in die chaotischen Zustände im besetzten Irak und in die Intrigenwelt hinter den Militärkulissen.

Ähnlich wie „The Hurt Locker“ nimmt also auch „Green Zone“ die Erzählposition des militärischen Bodenpersonals ein. Aber anders als in Bigelows eher apolitischem Kriegsdrama legt Greengrass den Finger in die Wunde. Dem kaltblütigen Zynismus, mit dem George W. Bush und sein Helfershelfer Tony Blair aufgrund von offensichtlich falschen, möglicherweise sogar gefälschten Geheimdienstinformationen ihre Armeen in einen fatalen Krieg schickten, wird die moralische Integrität des US-Soldaten gegenübergestellt, der – statt sich weiter verheizen zu lassen – selbst auf Wahrheitssuche auf vermintem Gelände geht.

Es ist ein altes, schlichtes, aber wirksames Konzept, mit dem Greengrass ein aufrichtiges Individuum gegen die Intriganten der Macht antreten lässt. Dabei stellt „Green Zone“ noch einmal jene grundsätzliche Vertrauensfrage, über die in der politischen Wirklichkeit schnell das Gras der Geschichte gewachsen ist.

Am 18. März startet der Actionthriller „Green Zone“ mit Matt Damon in der Hauptrolle in den deutschen Kinos.

Dass Kriege mit fingierten Legitimationen angezettelt werden, ist in der Weltgeschichte kein neues Phänomen. „Green Zone“ ist ein popkulturelles Plädoyer gegen die Alzheimerisierung der amerikanischen Öffentlichkeit, die den Krieg im Irak aus ihrem Alltag verdrängt hat. Denn anders als der Vietnamkrieg, von dem die Gesellschaft durch die Wehrpflicht direkt betroffen war, werden die Kriege im Irak und Afghanistan von einer Berufsarmee ausgefochten und finden für den US-Normalbürger nur in den Nachrichtenbildern auf CNN statt. Insofern sind „The Hurt Locker“ und „Green Zone“ mit ihrem Bekenntnis zur Soldatenperspektive ein Verweis auf die gesellschaftliche Ignoranz, aber auch eine Geste der Versöhnung des liberalen Hollywood, das es sich mit pazifistischen Distanzierungen oftmals auch ein wenig leicht gemacht hat.

Abgesehen von seinen politischen Implikationen ist „Green Zone“ aber auch ein virtuos inszenierter Actionthriller, der mit flinker Handkamera über die Leinwand fegt. Der irische Regisseur hat bereits in den „Bourne“-Filmen – ebenfalls mit Matt Damon in der Hauptrolle – sein Gespür fürs Actionkino bewiesen. Zuvor hatte Greengrass in den Dokudramen „Bloody Sunday“ über die nordirische Bürgerrechtsbewegung und „Flug 93“ über die Entführung eines der am 11. September 2001 gekaperten Flugzeuge schon einen cineastisch geschärften Blick für politische Stoffe entwickelt. Sein Handwerk als politischer Berichterstatter hat er einst im britischen Fernsehen erlernt. In „Green Zone“ verbindet sich nun beides zu einem spannenden, geradlinigen, politischen Popcorn-Movie.

Die Wahrheit auf vermintem Gelände:
 Rasante Unterhaltung.
 Cinemaxx Raschplatz, Cinemaxx
 Nikolaistraße, Utopia, CineStar.

Martin Schwickert

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