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21:57 03.06.2015
Andreas Urban, Gisela Hahne und Thomas Schwark hinter Papsts „Schaukelplastik“. Quelle: Michael Wallmueller
Hannover

Die weiße Kunststoffbank ist so stabil, dass sogar Bären auf ihr sitzen können. „Fünf dicke Männer darauf zu setzen, fand die Werbeabteilung doof“, sagt Gisela Hahne von der Büromöbelfirma Wilkhahn. „Also wurden die Bänke für Werbeaufnahmen in das Braunbärengehege des Ulmer Zoos gestellt.“ Die Bank hat der Designer Walter Papst (1924-2008) für die Firma entworfen, deren Produkte jetzt im Kestner-Museum zu sehen sind - unter dem leicht kalauernden Ausstellungstitel „Sitzen beim Papst“.

Gezeigt werden Möbel aus dem Wilkhahn-Fundus und private Fotos, Skizzen und Einrichtungsgegenstände aus dem Haus des 2008 in Köln verstorbenen Designers. Außer für die 1961 entworfene sogenannte „Bärenbank“ ist Papst für seine dreibeinigen Holzstühle bekannt, die er Anfang der Fünfzigerjahre entwarf. Das fast zeitgleich vom dänischen Designer Arne Jacobsen entworfene Stuhlmodell „Ameise“ ist vergleichsweise filigran, Papsts Stühle wirken dagegen massiver. Seine Vision war es, Klassenzimmer damit auszustatten. Der Stuhl setzte sich allerdings nicht durch. Ende der Fünfzigerjahre Jahre stellte Wilkhahn die Produktion ein.

Papst arbeitete mit Materialien wie Polyester oder glasfaserverstärktem Kunststoff. Er verwendete sie für runde und farbkräftige Kinderstühle und für seine „Schaukelplastik“. Außerdem entwarf er Strandkörbe aus Polyester. „Mitte der Siebzigerjahre war Papst frustriert“, sagt Hahne. Ihn störte, dass die Firmen viel an seinen Entwürfen veränderten, um sie gewinnbringend zu verkaufen. Fortan beschäftigte er sich mit skurrilen Thesen, nach denen die Menschen von Göttern abstammen, die vom Saturn auf die Erde gekommen sind. Papsts Skizzen von den dafür genutzten Fluggeräten sind auch in der Ausstellung zu sehen.

von Sarah Franke

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