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18:50 26.06.2014
Von Jutta Rinas
Ein Schauspieler der Sforaris Theatre Company aus Athen bei den Kunstfestspielen.
Ein Schauspieler der Sforaris Theatre Company aus Athen bei den Kunstfestspielen. Quelle: Krückeberg
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Hannover

Während Stadtkämmerer Marc Hansmann mit seinen Spar- ideen eine Diskussion über die Zukunft der Kunstfestspiele Herrenhausen entfachte, war die Stadt zeitgleich bereits auf der Suche nach einem neuen Festspielintendanten. „Es laufen erste Gespräche“, bestätigte Stadtsprecher Andreas Möser gestern gegenüber dieser Zeitung. Der neue Intendant werde rechtzeitig für 2016 bestellt. Möser stellte auch klar, dass die Stadt eine Finanzierung der Kunstfestspiele 2015 „im geplanten Rahmen“ sicherstelle. Gleichzeitig zeigten sich gestern zahlreiche Kulturschaffende verärgert darüber, dass die Zukunft der Kunstfestspiele durch die Äußerungen Hansmanns in Zweifel gezogen worden war. Oberbürgermeister Stefan Schostok will sich heute äußern.

Für die Kunstfestspiele 2015 bleibe die scheidende Intendantin Elisabeth Schweeger „voll in der Verantwortung“, hieß es gestern weiter. Schweeger tritt zum 1. September eine Stelle als Leiterin der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg in Ludwigsburg an. Zugleich werde sie weiter zuständig für die „Programmgestaltung, Organisation, und Präsentation der Kunstfestspiele 2015 sein. Dies sei in Schweegers Auflösungsvertrag festgehalten und von seiten der Landeshauptstadt Bedingung für ihr vorzeitiges Ausscheiden aus dem Vertrag mit den Kunstfestspielen gewesen.

Offen ist jedoch noch, welche Kompetenzen der neue Intendant in Herrenhausen bekommen soll. Soll er lediglich die Kunstfestspiele Herrenhausen leiten? Im Gespräch war zwischenzeitlich immer wieder auch ein Festspielintendant, der als Koordinator die gesamten künstlerischen Aktivitäten in Herrenhausen bündelt. In einem Konzeptpapier, das Elisabeth Schweeger 2013 für die Stadt erstellte, heißt es, die Kunstfestspiele sollten nicht nur über einen Zeitraum von drei Wochen veranstaltet werden, sondern sich künftig über die gesamten Sommermonate hinweg erstrecken. Sie sollten pro Jahr ein Thema vorgeben, die eigenständigen „Player vor Ort“, die Universität, die Museen, der Garten, die VW-Stiftung, aber auch Festivals wie die Niedersächsischen Musiktage, das Philosophiefestival oder das Chorfestival sollten daran angedockt werden.

Vorstellbar wäre auch eine Zwischenlösung, bei der die Kunstfestspiele als Name und Dach für die Veranstaltungen in Herrenhausen fungieren, der Intendant aber als ein Akteur unter vielen mit den anderen „Playern“ zusammenarbeitet. Bei der Stadt hieß es gestern dazu nur: Die Kunstfestspiele hätten sich mittlerweile über die Grenzen Hannovers hinweg etabliert. Auf dieser Basis würden sie „mit einer neuen Leitung weiterentwickelt“.

Freunde und Förderer der Kunstfestspiele reagierten gestern unterdessen verärgert auf die Äußerungen Marc Hansmanns. Der Stadtkämmerer hatte in der HAZ in den vergangenen Tagen im Zusammenhang mit Einsparmöglichkeiten der Stadt bei einem drohenden Haushaltsloch von 90 Millionen Euro im kommenden Jahr die Kunstfestspiele als eine Sparoption genannt. Sie sei „ziemlich irritiert“ von diesem Vorstoß, sagte Sabine Schormann von der Sparkassenstiftung. Die Niedersächsische Sparkassenfinanzgruppe - dazu gehören die Niedersächsische Sparkassenstiftung, die Nord/LB, die Sparkasse Hannover und die VGH - habe schon im ersten Jahr der Kunstfestspiele 600 000 Euro zur Verfügung gestellt, damit diese sich zu einem Festival von großer Strahlkraft entwickeln könnten. Danach habe man zwei Jahre lang jeweils 100 000 Euro gegeben und in diesem Jahr die Uraufführung der Oper „George“ und einen Liederabend mit William Kentridge gefördert. Man habe dies im Vertrauen darauf getan, dass die Kunstfestspiele eine wichtige, in die Zukunft weisende Sache seien. und von der Stadt - auch finanziell - entsprechend unterstützt würden. Man sei bereit, die Kunstfestspiele auch über 2014 zu fördern. Jetzt erwarte man aber ein „klares Zeichen“, wie es weitergehen soll.

„Außerst kontraproduktiv“ - vor allem im Zusammenhang mit der Suche nach einem neuen Intendanten - nannte gestern der Vorsitzende der Freunde der Kunstfestspiele, Wolfgang Schneider, die Äußerungen Hansmanns. Man könne nicht den Eindruck erwecken, man zerschlage ein Festival und zugleich eine geeignete Persönlichkeit suchen, die es weiterführen solle. Schneider, zugleich Präsident der Architektenkammer Hannover, hat dem Oberbürgermeister der Stadt deshalb sogar einen Brief geschickt. Die Äußerungen des Kämmerers schadeten nicht nur der Stadt, sie verunsicherten auch Freunde und Förderer der Kunstfestspiele. „Die Etablierung der Marke Herrenhausen wird durch derartige Manöver zunichte gemacht.“

Marc Hansmann ruderte unterdessen teilweise zurück. Er habe die Kunstfestspiele als ein Beispiel für Einsparmöglichkeiten bei den freiwilligen Leistungen der Stadt genannt, sagte er. Dass sie „vollständig aufgegeben werden“, halte er für „unrealistisch“. Man müsse in Zeiten knapper Kassen aber die Frage stellen dürfen, wie viel die Stadt für ein Festival ausgeben dürfe und wie viel Geld über Sponsoren und Eintrittspreise hereinkommen müsse. Der Etat der Kunstfestspiele 2015 liegt derzeit bei 1,2 Millionen Euro, 800 000 Euro trägt die Stadt. „Ich habe nicht die Kunstfestspiele, sondern deren Kostendeckungsgrade auf dem Kieker“, sagte er gestern. „Es wird eine Herausforderung für 2015 sein, für sie Sponsoren zu suchen.“

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