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19:10 15.01.2012
Foto: Thomas Quasthoff spricht bei einer Lesung aus seinem Buch „Die Stimme“ über die Gründe, nicht mehr singen zu wollen.
Thomas Quasthoff spricht bei einer Lesung aus seinem Buch „Die Stimme“ über die Gründe, nicht mehr singen zu wollen. Quelle: dpa
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Kleinmachnow

Im dortigen „Kult-Raum“ war er zu einer Lesung aus seiner  Autobiografie „Die Stimme“ eingeladen, nebenher äußerte er sich aber auch zu seinem Rückzug aus dem Musikgeschäft. Diese Entscheidung, so der 52-Jährige, der es trotz einer Contergan-Schädigung zum Weltstar gebracht hat, hänge auch mit dem Tod seines Bruders Michael im Jahr 2010 zusammen, dem er eng verbunden war. Ein solcher Einschnitt sei  Anlass, „das eigene Leben zu überdenken“.

Zudem habe er nach einer Stimmbanderkrankung im vergangenen Jahr festgestellt, dass er seinen Beruf als Sänger nicht mehr in der Qualität ausüben könne, „die ich selbst von mir verlange“. Deshalb sei der Entschluss gereift, sich ganz vom Singen zu verabschieden. Er wolle nicht in die Situation kommen, dass man von ihm sagt: Den hättest du aber mal vor vier Jahren hören sollen! Und kommentierte den Entschluss mit dem für ihn typischen Witz: „Ich wollte dem Heesters-Syndrom entgehen.“

Im Übrigen hänge er sehr an seinem  Beruf als Professor an der Berliner Musikhochschule „Hanns Eisler“. Und er brauche endlich etwas mehr Zeit für Privates. „Wenn man sich überlegt, dass ich jährlich 80 bis 90 Konzerte gegeben habe, dann müssen Sie noch die An- und Abreise mal drei dazurechnen, dann sehen Sie, was das für ein Pensum war.“ Und während die Stimme mit einem selbst altere, wird man als Lehrer mit den Jahren immer besser. Die Arbeit mit den Studenten mache ihm wirklich sehr viel Spaß.

Außerdem gebe es ausreichend Angebote und Projekte, für die bislang überhaupt keine Zeit war. So sei er mit Katharina Thalbach über einen Film im Gespräch, und er denke über einen Hanns-Dieter-Hüsch-Abend nach. Anfragen wegen Hörbüchern und CDs für Kinder hätte er aus Zeitmangel bisher immer ablehnen müssen.

Dass es zu dieser Begegnung ausgerechnet im märkischen Kleinmachnow kam, hat eine lange Vorgeschichte. Thomas Quasthoff ist seit mehr als 30 Jahren mit der in Hannover geborenen Sängerin Christiane Heinke befreundet. Ihr erstes Zusammentreffen war in Quasthoffs Geburtsstadt Hildesheim bei einer bachschen „Johannispassion“.

Christiane Heinke kümmert sich heute mit Gleichgesinnten in dem Keinmachnower Verein „Kult-Raum“ um das bislang nicht eben üppige Kulturleben in dem Berliner Promi-Vorort. Mehrmals im Monat lädt man zu Veranstaltungen ein. Quasthoff, der nicht nur las, sondern auch mit seinen Entertainerqualitäten glänzte, war von der Atmosphäre sichtlich angetan. Er verabschiedete sich mit dem Versprechen, demnächst wiederzukommen. Er macht also Ernst damit, wenn er sagt, er sei für die Bühne noch nicht verloren.

Frank Starke