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20:26 11.05.2015
Von Uwe Janssen
Gläserne Heimat: Kinder vom Grundschulalter an machen sich Gedanken über ihr Zuhause.  Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Kunstunterricht? „Rumsitzen“, „Bilder auf Zetteln“. Viel mehr fällt Leoni, Anna und Vanessa erst mal nicht ein. Das hier ist viel spannender.

Beim Kunstprojekt "Alle unter einem Dach" arbeiten Kinder und Jugendliche zusammen in Workshops in der Atelierwerkstatt.

Schon der Ort: eine riesige Atelierwerkstatt, etwas versteckt liegend an der Schulenburger Landstraße. In einer entkernten, ehemaligen Büroetage arbeiten über drei Monate rund 500 Kinder und Jugendliche an dem Workshopprojekt „Unter meinem Dach ...“, in dem sie sich kreativ mit den Themen Zuhause und Heimat auseinandersetzen. Den Abschluss bildet eine Ausstellung an prominenter Stelle. Die Art Gallery der Nord/LB zeigt die Ergebnisse vom 10. Juli an, in der Aegidienkirche wird eine Klanginstallation zu hören sein. „Dass sie selbst Teil einer richtigen Ausstellung sind, fasziniert viele Jugendliche am meisten“, sagt Christian Donner vom Verein Kunst und Warum, der das Projekt auf die Beine gestellt hat.

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An diesem Montag sind Leonie, Anna und Vanessa, alle 13, mit ihren Mitschülern der Südstädter Montessori-Schule da. Rumsitzen müssen sie hier auch, aber nur ein bisschen. Dafür raucht der Kopf. „Was macht mein Zuhause aus, was vermittelt mir Sicherheit und Geborgenheit?“ lautet die zentrale Aufgabenstellung. Zusatzschwierigkeit: Das Ergebnis muss in ein Gurkenglas passen. Da ist es mit Bildern auf Zetteln nicht getan. Da braucht man Fantasie. Und um die freizusetzen, braucht man einen wie Edin Bajric.

Der 35-jährige Künstler weiß, wie es ist, ein Zuhause zurückzulassen, er floh Mitte der Neunzigerjahre aus seiner bosnischen Heimat. Schon einmal hat er diese Flucht mit Jugendlichen in Kunst umgesetzt. In Hameln ließ er 200 Schüler in dem soziokulturellen Projekt „Meine Arche“ entscheiden, was sie Immaterielles mitnehmen würden auf eine Reise, also Erinnerungen, Gefühle, Gerüche, Geräusche. Die Arche ist angekommen, nun wird ein Haus gebaut.

Eines aus Holz, es wird bei der Ausstellung schließlich die eingeglasten Ideen der Schüler beherbergen. Ein kleines Haus ist schon in der Atelierwerkstatt aufgebaut, in den Regalen stehen Gläser mit Quietscheenten, Botschaften, Puppen. Das Ziel? „Sie sollen keine Angst vor der Berührung mit Kunst haben.“

„Irgendwas mit Holz“ will Leoni in ihr Glas legen, „wir wohnen in einem alten Fachwerkhaus, daran soll es mich erinnern.“ Anna würde gern vertraute Geräusche verarbeiten, von Amseln oder einem Windspiel. Vanessa denkt an Schmuckstücke, „aber eigentlich will ich meine Mutter mitnehmen“. Die passt nur nicht ins Glas, also muss sie die Idee anders umsetzen. Vielleicht eben doch mit Bildern auf Zetteln wie im Kunstunterricht, aber das ist für Vanessa nicht vergleichbar, denn „hier ist alles viel intensiver“. Und man lernt was. Zum Beispiel Lichtmalerei mithilfe einer Taschenlampe und einer langzeitbelich- teten Kameraaufnahme. Oder wie man diese klobigen Dinger aus einer anderen Zeit bedient, die dort zum Schreiben von ganz analogen Nachrichten bereitstehen: echte Schreibmaschinen.

Werkstatt-Einblicke für jedermann - an den nächsten vier Sonntagen von 12 bis 18 Uhr, Schulenburger Landstraße 150.

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