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Kultur Wechselt Museumsleiter aus Gotha zum Landesmuseum nach Hannover?
Nachrichten Kultur Wechselt Museumsleiter aus Gotha zum Landesmuseum nach Hannover?
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10:08 15.10.2010
Von Johanna Di Blasi
Martin Eberle, zurzeit Direktor der Stiftung Schloss Friedenstein in Gotha, bekundet Interesse an einem Wechsel an das Landesmuseum Hannover. Quelle: dpa
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Seit einer Woche läuft die Ausschreibung für die Direktorenstelle im hannoverschen Landesmuseum. Sie ist ungewöhnlich detailliert. Neben guten internationalen Kontakten erwartet das Kulturministerium vom künftigen Direktor einen engen Schulterschluss mit den Landesmuseen in Braunschweig und Oldenburg. Ganz konkret wird auch auf die für 2014 geplante große Landesausstellung „Hannovers Herrscher auf Englands Thron. 1714–1837“ hingewiesen, die der neue Leiter realisieren soll.

Als Kandidat wurde schon früh Martin Eberle genannt, der Direktor der Stiftung Schloss Friedenstein in Gotha. Eberle, der bis 2007 das Städtische Museum Braunschweig leitete, bekannte jetzt gegenüber der „Ostthüringer Zeitung“, ein Wechsel nach Hannover wäre eine „verlockende Herausforderung“. Gegenüber der HAZ sagte der 42-jährige Museumsmann, der Kunstgeschichte und Geschichte studiert hat, gestern: „Es gibt Kontakte, beworben habe ich mich aber bislang nicht.“ Im ­Ministerium will man sich nicht äußern: Die Ausschreibung läuft noch bis zum 4.  November.

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Zu den Vertracktheiten von Besetzungsprozeduren gehört es, dass Interessenten, die früh publik werden, ihre Chancen oft schon verloren haben. Bei Eberle, der in Thüringen als kreativer Museumsmanager gilt, wäre das schade. Gerade zeigt er im Schlossmuseum Gotha eine Querschnittsausstellung, wie man sie sich auch für Hannover wünschen würde: „Anatomie – Gotha geht unter die Haut“ setzt Exponate aus Kunst und Naturkunde in Beziehung. Die „Ostthüringer Zeitung“ zeichnet unterdessen das Schreckensbild eines thüringischen Kulturexodus. Nach dem Präsident der Stiftung Weimarer Klassik, Hellmut Seemann, gehe jetzt womöglich auch Eberle – weil Hannover einfach mehr zu bieten habe.

Einen Monat, nachdem der bisherige Museumsdirektor Jaap Brakke hier überstürzt das Handtuch geworfen hatte, kursieren freilich noch weitere Spekulationen darüber, wer ihn beerben könnte. Traditionell hatten oft Kunsthistoriker den Posten besetzt. Der ausdrückliche Hinweis auf die Ausstellung „1714“ könnte die Stelle jetzt aber auch für Historiker interessant machen – möglicherweise auch für Cecilie Hollberg, die Anfang des Jahres als Direktorin ans Städtische Museum Braunschweig gegangen war. Mit „1714“ ist sie bestens vertraut: Sie hatte vor ihrem Wechsel in Hannover für die Koordination der Großausstellung gesorgt. Im Gespräch ist auch Friedrich Scheele, der in Oldenburg das Stadtmuseum leitet. Dem Kulturministerium dürfte seine Kompetenz nicht verborgen geblieben sein: Scheeles Chef ist Oberbürgermeister Gerd Schwandner, der Ehemann von Annette Schwandner, die im Ministerium für Museen zuständig ist.

Mit Blick auf „1714“ wäre es auch vorstellbar, dass Thomas Schwark, der versierte Direktor des Historischen Museums in Hannover, für einige Jahre das nahe Landesmuseum mit übernähme. Sein Haus hat nicht nur wertvolle Exponate zum Thema, sondern auch die größte Kompetenz in Sachen Landesgeschichte zu bieten. Es spielt jedoch bei der Vorbereitung der Großausstellung kaum eine Rolle. Dabei könnte Schwark gut als Brückenbauer fungieren. Auf eine HAZ-Anfrage reagierte er gestern eher reserviert: „Wir haben im Historischen Museum große Aufgaben.“ Zum Beispiel müssten Teile des künftigen Schlosses in Herrenhausen als Museum eingerichtet werden. Schwarks Chancen wären wohl auch eher gering: Sein Haus ist ein städtisches Museum, und das Verhältnis zwischen Kulturministerium und Stadt ist nicht eben von Harmonie geprägt. Eine einvernehmliche, kreative Lösung ist da nicht sehr wahrscheinlich.