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Nachrichten Kultur Wer ist die Nummer 1 im Pop?
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07:25 12.05.2015
Von Sonja Fröhlich
Wo zählt die Musik? Die Charts von Media Control (links) bemessen sich nach Verkaufszahlen, die von der GfK nach Umsatz. Quelle: iStock
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Hannover

Wer ist die aktuelle Nummer eins im Pop? Das kommt neuerdings darauf an, wen man fragt. In dieser Woche ist der Unterschied besonders frappierend: Während Gangsta-Rapper Xatar mit dem Album „Baba aller Babas“ aus dem Stand die Hitliste der sogenannten „Offiziellen Deutschen Charts“ gestürmt hat, führt das Sammelalbum „Bravo Hits 89“ die „Mega Charts“ an. Auch bei den weiteren Platzierungen gibt es Unterschiede. Popfans sind verwirrt: Mittlerweile gibt es zwei konkurrierende Top-100-Listen.

Auf der Suche nach den Lieblingshits der Deutschen ist zwischen der GfK Entertainment („Offizielle Deutsche Charts“) und deren früherem Partner Media Control („Mega Charts“) ein Gerangel um die Vorherrschaft entbrannt. Erst 2013 getrennt, nehmen die Marktforschungshäuser jeweils in Anspruch, die einzig wahren Listen zu veröffentlichen - und das quasi Tür an Tür in Baden-Baden.

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Der Kampf um die Nummer 1 nimmt dabei skurrile Züge an. Ende April gab Media Control als Erste bekannt, ihre „Mega Charts“ künftig eine Woche früher zu veröffentlichen. Nun erscheinen sie immer freitags, wenige Stunden nach Erhebungsschluss. Damit rühmte sich Media Control als „schnellster Chartermittler Deutschlands“. Dabei blieb es nicht lange. Die GfK, die die Hitlisten im Auftrag des Verbandes der Musikindustrie (BVMI) erhebt, zog zwei Wochen später nach und präsentiert ihre Ergebnisse jetzt ebenfalls freitags nach der Zählung. Bisher veröffentlichten beide Unternehmen ihre Charts erst eine Woche nach der Erhebung. Die Charts beeinflussen den Erfolg der Musikindustrie immer noch maßgeblich: Wer drin ist, verkauft mehr und rutscht in der Wertung noch höher.

Rekorde der deutschen Charts

  • Andrea Bergs Best-of-Album platzierte sich ab 2001 ganze 347 Wochen lang.
  • Peter Maffay war bisher 1072-mal in den deutschen Charts vertreten.
  • AC/DC verkaufte im Dezember 2014 das Album „Rock or Bust“ 250 000- mal innerhalb einer Woche.
  • Lena Meyer-Landrut war 2010 mit „Satellite“, „Bee“ und „Love me“  gleichzeitig in den Top 5.
  • Helene Fischers Album „Farbenspiel“ errichte 2013 und 2014 Platz eins.
  • Lady Gaga stürmte 2011 mit „Born this Way“ die Charts – nur mit Downloads.

Die GfK bestreitet, dem Mitbewerber nachgeeifert zu haben. Die Veränderungen seien kein Schnellschuss, sondern gingen mit einem umfangreichen Markenrelaunch einher. Dazu zählen die Umbenennung in den ungeschützten Begriff „Offizielle deutsche Charts“ und ein neuer Internetauftritt (offiziellecharts.de statt vorher officialcharts.de). Im Dschungel diverser Charts brauche es etwas „Offizielles“, sagte BVMI-Chef Florian Drücke mit Blick auf den Konkurrenten Media Control und unzähligen weiteren Rankings im Netz. „Deshalb werden wir die ,Offiziellen Deutschen Charts‘ als Leuchtturm für das Geschäft mit Musik weiter festigen.“ GfK-Geschäftsführer Mathias Giloth schwärmt: „Keine Nummer eins ist so wertvoll wie die offizielle Nummer eins. Deshalb machen wir sie mit der neuen Marke jetzt noch schneller, besser, tranparenter.“ Media-Control-Chefin Ulrike Altig verweist indes auf die Unabhängigkeit von der Musikindustrie und auf die lange Tradition der „Kernmarke“.

Wurden nach dem Krieg noch Jukebox-Zahlen für die ersten Hitlisten zusammengezählt, startete Media Control im Jahr 1977 mit der Ermittlung der Zahlen der Schallplattenverkäufe. 2003 ging man, zumindest was die Charts angeht, ein Joint Venture mit der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ein. Erst vor zwei Jahren trennten sich die Partner - und werben fortan jeder für sich um Musikmagazine, Radio- und TV-Sender, die die Charts kaufen und veröffentlichen. Längst schon fließen bei beiden Anbietern neben dem Verkauf von CDs und Platten auch Downloads und Streamingdienste in die Zählungen ein. Allerdings gibt es zwischen den Wettbewerbern einen Unterschied: Die Wertung für die „Offiziellen Deutschen Charts“ der GfK richtet sich nach dem Umsatz, der mit einem Titel oder Album gemacht wird. Media Control zählt für ihre „Mega Charts“ gleichermaßen jeden verkauften Titel - also auch Produkte zu Schleuderpreisen.

Immerhin: Auf den Musikfan wirkt sich der Kokurrenzkampf positiv aus. Die GfK hat mit ihrer Neuaufstellung auch ihre leidigen Abos abgeschafft, die man kaufen musste, um sich die Top 100 im Internet ansehen zu dürfen. Immerhin gibt es diese künftig immer mittwochs komplett kostenlos zu sehen. Auch das hatte Media Control schon vorgemacht.

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