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Kultur Werkstattbesuch bei Keramikkünstler Guido Kratz
Nachrichten Kultur Werkstattbesuch bei Keramikkünstler Guido Kratz
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15:23 08.08.2015
Von Daniel Alexander Schacht
Gefäße von Keramikkünstler Guido Kratz. Quelle: Guido Kratz
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Hannover

Dicke Farbwülste sind von tiefen Einschnitten durchbrochen, die darunterliegende Farbschichten sichtbar machen. Dünne Striche heben Konturen hervor. Und schmale Schraffuren geben den Blick auf den Untergrund frei – der diese Malerei von anderen abhebt.

Denn sie stammt von Guido Kratz. Der arbeitet wie andere Künstler mit Pinsel und Farbe, Spachtel und Abdecktechnik. Doch Kratz malt auf der zu Flächen ausgewalzten Tonware, aus der er auch seine sonstigen Objekte herstellt. Die haptischen Reize dieses Werkstoffs – seine irdene Schwere und Kühle, die Wandlung der Farbe beim Brennen, die Widerspenstigkeit des Tons, der sich in der Hitze noch verformt – zeichnen all seine Kunstwerke aus.

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Von der Kunst zum Gebrauch

Kunstwerke? „Keramikarbeiten werden meist nur als Kunsthandwerk eingestuft“, sagt Kratz, „egal, wie viel künstlerische Intuition und Kreativität an ihrer Entstehung beteiligt ist.“ Dabei zählen Keramikobjekte zu den ersten menschlichen Überlieferungen, und zuallererst ging es da um Kultfiguren – Keramik zu Gebrauchszwecken kam erst später.

Für Guido Kratz kam die Keramik nach dem Abi in einer Künstlerkommune bei Frankfurt. Da hat er an der Drehscheibe Geschirrkeramik – Becher, Schalen, Teller – gefertigt. Im anthroposophischen „Hof“ in Niederursel, wo er Keramikermeister wurde, ist Baukeramik dazugekommen – Fliesen, Bordüren, Becken.

Keramikplatten machten ihn bekannt

All das kann man besichtigen in seiner Werkstatt in der List, die er seit fast 20 Jahren betreibt. Doch bekannt geworden ist Kratz in Hannover durch seine Netzwerkbilder, die eine Gruppe auf mehrere kombinierte Keramikplatten malt. „Diese Bilder stehen für Zusammenhalt“, sagt Kratz. Sie entstehen oft im Auftrag von Firmen oder Verbänden, um die Teambildung zu fördern. Bis zu 300 Leute hat Kratz schon zum Miteinander geführt – für VW Coaching oder die Glockseeschule, für Lufthansa in Frankfurt oder den Reiseveranstalter Vamos in Hannover.

Zurück zu den Anfängen

Weniger bekannt ist, dass Kratz bei seiner Arbeit jetzt die Rückreise in die dritte Dimension angetreten hat. Nicht nur mit den Tanzskulpturen des passionierten Tangotänzers. Sondern auch mit seinen neuartigen „Gefäßen“, die teils auf der Drehscheibe entstehen – und die er dann zu neuen Formen zusammenführt. Zu achsensymmetrischen Kombinationen, in denen man noch Topf oder Schale erkennen kann. Oder zu ganz eigenständigen Schwellformen.

„Für mich ist das eine Rückkehr zu den Anfängen – denn Geschirr zu drehen gehörte ja zu meinen ersten Erfahrungen als Keramiker.“ Und auch das darin eingeritzte Sgraffito, mit dem er den tönernen Untergrund wie auf den Bildern freilegt, hat der Keramiker wiederentdeckt. „Gerade weil die Gefäße keine Gebrauchsfunktion haben“, sagt er, „tritt die sinnliche Qualität des Materials besonders reizvoll hervor.“

Guido Kratz: Keramik – Workshops – Kunst“.

Goebenstraße 4, Besuch nach Vereinbarung.

Details unter www.guido-kratz.de.

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