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Kultur Durch wilde Bilderwelten
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20:55 09.08.2013
Von Daniel Alexander Schacht
Winnetou von Michael Sowa (1992).
Hannover

So öffne deine Ohren und vernimm in Ehrfurcht meinen Namen. Ich heiße Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawud al-Gossarah. Ist dein Name auch so lang und schön?“

Sonst noch Fragen? Außer Frage steht wohl, dass es dem Autor dieser Zeilen zwar zeitweilig an Welterfahrung, nie aber an der nötigen Wortgewalt gebrach, um trotzdem von der großen, weiten Welt zu erzählen. Und keine Frage ist es auch, dass die Bücher dieses Schriftstellers die Fantasie seiner Leser beflügelten. Fantasien vom „wilden Kurdistan“ bis zum „Wilden Westen“, über Old Shatterhand und Winnetou, den „roten Gentleman“.

Wie sehr Karl May (1842–1912) überdies die Bilderwelten von Zeichnern und Illustratoren, Bildhauern und Kostümbildnern, Spiele- und Filmemachern geprägt hat – das ist jetzt im „Deutschen Museum für Karikatur- und Zeichenkunst“, also dem Wilhelm-Busch-Museum, in einer neuen Ausstellung zu sehen. Sie startet heute gleichzeitig mit der Cartoon-Schau „british humour“ im Obergeschoss des Gebäudes – eine Kombination, der sich durchaus ein wenig Reiz abgewinnen lässt.

„Mit Karl May um die Welt“ ist diese Ausstellung gut 100 Jahre nach dem Tode des Mannes betitelt, der wie kein anderer Generationen von Deutschen in exotische Welten entführt hat. Und in seinen Imaginationen ist der Sachse ja, außer in Australien, tatsächlich auf allen Kontinenten unterwegs gewesen. Die von Kai Gurski kuratierte Ausstellung zeigt diese Expeditionen medial und zeitlich weit ausgreifend. Sie dokumentiert damit auch den Zeitgeist, dem Karl Mays Figuren jeweils dienstbar gemacht wurden: Winnetou ist in den Erstausgaben, als die Deutschen noch naiv vom Kolonialreich träumten, schlicht der „edle Wilde“. Um 1900 posiert Old Surehand, ganz im Geist der Lebensreformbewegung, als muskulöser, halbnackter Recke mit Engelsflügeln und Jugendstil-Bordüre. In den prüden fünfziger Jahren wird Winnetou im Ganzkörper-Fransenkostüm zum Coverboy. Und später, nachdem alle großen Geschichten erzählt sind, lässt ihn Michael Sowa als postmodernen Melancholiker über den Titel der Taschenbuch-Neuausgabe schlurfen. 

Das Wilhelm Busch Museum in Hannover öffnet vom 11.August bis zum 13.Oktober 2013 seine Türen zu einer neuen Ausstellung. Die Besucher haben die Möglichkeit den Spuren von Karl May zu folgen. Die Ausstellung bietet ihren Besuchern neben originalen Filmplakaten auch Kostümentwurfzeichnungen und vieles mehr.

Die meisten Exponate stammen vom Karl-May-Museum in Radebeul oder dem Karl-May-Verlag in Bamberg. Aber die Ausstellungsmacher haben auch Leihgaben aus privaten Sammlungen und zahlreiche Objekte aus dem Deutschen Institut für Filmkunde in Frankfurt mobilisiert. Denn schließlich haben Karl Mays Werke ab 1963, als die Urheberrechtsschutzfrist endete, ein multimediales Comeback erlebt: Außer in neuen Buchausgaben wurden seine Geschichten und Figuren auch in Comics, Brettspielen, als Spielfiguren und nicht zuletzt in Spielfilmen ausgewertet. All das wird in dieser Ausstellung zumindest in Auszügen dokumentiert. Und wer bewegte Bilder den teils durchaus bewegenden Zeichnungen vorzieht, kann im Vorraum auf Regiestühlen mit den Aufschriften „Lex Barker“, „Pierre Brice“, „Karin Dor“, „Stewart Granger“ oder „Götz George“ Platz nehmen und „Der Schatz im Silbersee“ sehen. Komplett.

Außer über Karl Mays Geschichten ist hier auch einiges über die Geschichte ihrer Weitergabe zu erfahren. Etwa dass Karl May mangels klaren Klassenstandpunkts in der DDR lange Zeit so verpönt war, dass weder der sächsische Vorkriegs-Festspielort Rathen noch Karl Mays Wohnort Radebeul gepflegt wurden – bis dann in den achtziger Jahren auch in Ostkinos die alten westdeutschen Karl-May-Filme Publikumserfolge feiern durften. „Denn“, so erläutert Museumsdirektorin Gisela Vetter-Liebenow, „da hatte man Karl May dann als Botschafter von Toleranz, Frieden und Völkerverständigung ideologisch eingemeindet.“

Und wie passt diese Ausstellung mit der im Obergeschoss zusammen, die erstmals zwei Größen der britischen Cartoon-Kunst zusammen in Deutschland präsentiert? „Die beiden Ausstellungen haben nichts miteinander zu tun“, lautet die kurze Antwort von Gisela Vetter-Liebenow. Wer aber will, kann durchaus Bezüge entdecken. Denn viele dieser Zeichnungen stammen aus denselben Jahrzehnten wie die Karl-May-Editionen ein Stockwerk tiefer und dokumentieren damit die britische Seite des damaligen Zeitgeists. Da gießt Henry Mayo Bateman (1887–1970) mit feinem Strich seinen Spott über die Spleens der britischen Upper Class aus. Da nimmt sich William Heath Robinson (1872–1944) die Tücken des Alltags vor, erfreut seine Betrachter mit bizarren Maschinen und begegnet der Angst vor deutschen Tieffliegern mit skurrilen Tarnvorschlägen.

Doch ansonsten kommt „der Kontinent“ der europäischen Nachbarn kaum vor, und der Rest der Welt scheint im Wesentlichen aus dem Commonwealth zu bestehen. Dabei waren die Briten als Mandatsmacht im Irak ganz direkt konfrontiert mit dem Freiheitswillen der „edlen Wilden“ aus jenem ölreichen Kurdistan, das die meisten Deutschen nur aus Karl Mays wilden Erzählfantasien kannten.

Diese Ausstellung wirft damit nicht nur ein Schlaglicht auf ein bloß scheinbar noch in seinem eigenen Imperium ruhenden Königreich, sie ist auch ein Brückenschlag zwischen Hannover und London. Denn die meisten Exponate stammen aus dem dortigen Cartoon Museum. „Wir haben zwar wichtige britische Künstler in unserer Sammlung“, sagt Museumsdirektorin Vetter-Liebenow, „aber nichts von Bateman und Robinson – und wir freuen uns, diese wichtigen britischen Karikaturisten in Hannover zu präsentieren.“ Für die Wahrnehmung dieses deutsch-britischen Brückenschlags gibt es an diesem Wochenende übrigens auch nach der Eröffnung noch einen besonderen Anlass: das Museumsfest am Sonntag.

„Mit Karl May um die Welt“ und „british humour“ bis 13. Oktober im Wilhelm-Busch-Museum, Georgengarten. Zur Eröffnung am Sonnabend um 19 Uhr singt nach einem Einführungsgespräch der hannoversche Oratorienchor ein von Karl May komponiertes „Ave Maria“. Beim Museumsfest am Sonntag sind ab 11 Uhr auch Indianeraktionen, Sonderführungen und ein Kinderprogramm geplant.

Das war dem sozialen Netzwerk dann doch zu heikel: Wer den Trailer zum Film "Feuchtgebiete" auf seinem Facebook-Profil teilen will, hat Pech gehabt. Facebook sperrte das Video, weil es zu freizügig ist.

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