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Kultur Wilhelm-Busch-Museum feiert 75-jähriges Jubiläum
Nachrichten Kultur Wilhelm-Busch-Museum feiert 75-jähriges Jubiläum
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06:15 01.10.2012
Von Simon Benne
DAs Wilhelm-Busch-Museum zeigt Originalzeichnungen des Mangas "Barfuß durch Hiroshima" von Kiji Nakazawa. Quelle: dpa
Hannover

So ist das bei Geburtstagen: Man trifft lauter alte Bekannte wieder. Das ist beim „Wilhelm Busch Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst“ nicht anders. Das Haus im hannoverschen Georgengarten feiert sein 75-jähriges Bestehen jetzt mit einer Art „Best of“-Ausstellung. Es ist eine Leistungsschau in eigener Sache, denn das Museum zeigt, welch beeindruckende Schätze es über die Jahre in seinen Bestand aufnehmen konnte. Und in diesem Parforceritt durch 400 Jahre Karikaturgeschichte begegnen treue Besucher vielen altvertrauten Künstlern wieder.

Da erinnern die Bilder von Annibale Carracci, entstanden um 1600, an die Geburt der Karikatur aus dem Geist der Groteske. Da sind englische Gesellschaftssatiren aus dem 18. Jahrhundert, deren Anspielungen heute kaum noch ein Mensch versteht. Da ist Thomas Theodor Heine, der 1901 im „Simplicissimus“ zeigte, wie Max und Moritz am Kaiserthron sägen, während ein diensteifriger Soldat schon herbeieilt: „Um die Monarchie zu retten, / Sticht man mit den Bajonetten“. Und in Karl Arndts „Heil Preußen!“ von 1932 lugt hinter Hitler blass Friedrich der Große hervor.

Deix und Haderer, Ronald Searle und Paul Flora sind ebenso vertreten wie ein „Peanuts“-Comicstrip von Charles M. Schulz. Eine Karikatur aus der Feder von Volker Ernsting erinnert daran, dass Helmut Schmidt 1975 schon genauso schneidig war wie heute. Loriots Bundesadler mit Knollennasengesicht von 1963 ist dabei und F. K. Waechters „Adele zeigt ihren Brüsten die Männer“.

Das Busch-Museum feiert sein 75-Jähriges mit einer „Best of“-Ausstellung – und zeigt in einer großen Schau die Welt japanischer Mangas.

Jüngst bescherte die Sempé-Ausstellung dem Busch-Museum rund 26000 Gäste. Schon jetzt ist damit der Besucherstand des (schwachen) Vorjahres erreicht. Die opulente Jubiläumsschau hätte noch einmal so viele Besucher verdient. Doch Geburtstage bieten ja nicht nur Gelegenheit zum Resümee der bisherigen Lebensleistung. Wie vital ein Jubilar ist, bemisst man an seiner Fähigkeit, sich auf Neues einzulassen. Und da betritt das Museum auf geradezu großartige Weise Neuland. Zum ersten Mal in seiner Geschichte wendet es den Blick nach Ostasien - und taucht mit einer zweiten Ausstellung tief in die Welt japanischer Mangas ein.

Highlight sind 30 Originalzeichnungen des autobiografischen Comics „Barfuß durch Hiroshima“ von Keiji Nakazawa, der als Sechsjähriger den Abwurf der Atombombe überlebte. Es sei „nicht ganz einfach“ gewesen, die Leihgaben aus dem Hiroshima Peace Memorial Museum zu bekommen, sagt Museumsdirektorin Gisela Vetter-Liebenow diplomatisch. Die Seiten werden in Japan wie ein nationaler Kulturschatz gehütet und kaum verliehen; nur für Hiroshimas Partnerstadt Hannover machte man eine Ausnahme.

Dabei war die beklemmende Geschichte ein Tabubruch, als sie 1973 erschien: Atomopfer waren stigmatisiert, der Bombenabwurf war in Japan ein viel beschwiegenes Thema. Das hat sich nicht zuletzt durch diesen Comic geändert, der 1982 in Deutschland als erstes Manga auf den Markt kam. Die berührende Geschichte eines Jungen, der die Katastrophe überlebt, ebnete wie nur wenige andere Werke dem Genre Comic den Weg zur Anerkennung als Kulturgut.

Auf imposante Art führt die Ausstellung vor, in welcher Erzähltradition moderne Mangas stehen. Eine Bilderrolle aus dem 17. Jahrhundert zeigt Szenen eines Dichterwettstreits - auf rund 14 Metern Länge. Später schuf der Künstler Hokusai Katsushika (1760-1849) nicht nur seine berühmte „Große Welle vor Kanagawa“ und grandiose Landschaftsbilder des Fuji-Berges, in denen sich der Betrachter verlieren kann. In farbenprächtigen, satirischen Holzschnitten hielt er auch der Gesellschaft ironisch den Spiegel vor. Hokusai war es, der den Begriff Manga („ungezügeltes Bild“) popularisierte. Er hatte in der niederländischen Niederlassung von Nagasaki die Fluchtpunktperspektive der europäischen Kunst kennengelernt. Das war bemerkenswert, denn erst in den Jahren nach seinem Tod öffnete sich Japan, das bislang in selbst gewählter Isolation gelebt hatte, dem Westen.

Um 1900 orientierten sich Japans politische Karikaturisten gerne an deutschen oder englischen Vorbildern - und sie stellten ihre Kunst in den Dienst der Propaganda. Während des Krieges gegen China 1894/95 (der zur Vorgeschichte des aktuellen Streits um die Senkaku-Inseln gehört) verhöhnten Schmähzeichnungen die Truppen des Feindes. Und in einer Karikatur aus dem japanisch-russischen Krieg von 1904/05 stellt sich ein japanischer Soldat schützend vor Frauen und Kinder - und tritt einem Russen heldenhaft in den Hintern. Auch die Zeitschrift „Manga“ nahm in den vierziger Jahren bevorzugt Kriegsgegner wie Churchill und Roosevelt aufs Korn. Zu den Gefahren der politischen Kunst gehört eben immer auch die Nähe zur Macht. Das ist in Japan nicht anders als im Rest der Welt.

Die Doppelausstellung eröffnet am Sonntag: Von 11 bis 18 Uhr steigt zum Jubiläum ein großes Familienfest mit Kimono-Modenschau und Kalligrafie. Die Mangas sind bis zum 6. Januar zu sehen. Infos unter (0511) 16999911.

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