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Kultur „Wir machen keine Abstriche“
Nachrichten Kultur „Wir machen keine Abstriche“
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19:31 07.01.2015
Von Stefanie Gollasch
Foto: Achim Frenz (57), Leiter des Museums Caricatura in Frankfurt und „Titanic“-Mitherausgeber.
Achim Frenz (57), Leiter des Museums Caricatura in Frankfurt und „Titanic“-Mitherausgeber. Quelle: Britta Frenz
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Frankfurt

Herr Frenz, islamkritische Zeichnungen wurden auch bei Ihnen schon gezeigt - wird die Caricatura jetzt besonders gesichert?
Meinen Sie, ob wir jetzt das Museum schließen? Nein, tun wir nicht. Wir haben tatsächlich darüber nachgedacht, Sicherheitspersonal zu engagieren, halten es jedoch nicht für nötig. Noch nicht. Die Kollegen der „Titanic“-Redaktion sind jetzt viel eher gefährdet.

Hatten Sie schon Probleme mit Anfeindungen mit extremistischem Hintergrund?
Allerdings, und zwar 2008 wegen eines Mohammed-Ähnlichkeitswettbewerbs, den wir zur Buchmesse gemeinsam mit der „Titanic“ ausgelobt hatten. Die Türkei war damals Partnerland der Messe, und die Sache machte eine Riesenwelle in türkischen Medien. Die Abschlusslesung dazu, die bei uns im Museum stattfinden sollte, wurde schließlich von Frankfurts Oberbürgermeisterin abgesagt - wegen Umtrieben in der Islamistenszene, die Staatsschutz und LKA ausgemacht haben wollten.

Wenn Sie direkt mit Gewalt bedroht würden, würden Sie dann auf das Zeigen der betreffenden Karikatur verzichten?
Wir sind ein satirisches Museum und treten für ­Meinungsfreiheit ein, da machen wir auch keine Abstriche. Allerdings provozieren wir nicht um des Provozierens willen, sondern aus inhaltlichen Gründen. Wenn wir uns für ein umstrittenes Motiv entscheiden, haben wir das vorher im Team diskutiert und gemeinsam beschlossen, dass wir es zeigen wollen. In den 30 Jahren, die ich jetzt in diesem Metier bin, habe ich noch nie ein Bild wieder abgehängt, weil es Proteste gab. Und die gibt es oft. Dennoch ist das alles nicht im Entferntesten vergleichbar mit dem, was in ­Paris bei Charlie Hebdo passiert ist. Das ist grauenhaft, und der Redaktion gilt ­unser Mitgefühl und unsere Solidarität.

Interview: Stefanie Gollasch

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