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Kultur Wissenschaftler analysieren James Bond
Nachrichten Kultur Wissenschaftler analysieren James Bond
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14:14 06.06.2009
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Judi Dench als M und Daniel Craig als James Bond in "Ein Quantum Trost" Quelle: Sony Pictures/ddp
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Bis Sonntag beschäftigen sich auf einer internationalen James-Bond-Konferenz an Universität Saarbrücken Forscher aus Deutschland, den USA, Großbritannien und den Niederlanden mit dem Phänomen des Geheimagenten 007.

In Vorträgen und Workshops gehen die Kultur- und Literaturwissenschaftler bei der Konferenz mit dem Titel „The Cultures of James Bond“ den verschiedenen Aspekten des 1962 erstmals in Szene gesetzten Agenten nach. Einer der Organisatoren der 007-Konferenz ist Joachim Frenk, Professor für britische Literatur und Kultur an der Universität Saarbrücken. Fasziniert ist der Akademiker von der globalen Präsenz des britischen Agenten: „Die Kunstfigur Bond ist unheimlich ergiebig und besitzt eine enorme kulturelle Reichweite“, sagt Frenk zum Konferenzauftakt am Freitag.

Die Bond-Filme hätten stets perfekt auf der Leinwand die Fantasien der Zuschauer bedient, sagt Frenk. „Früher galt das im Westen. Heute gilt das auf der ganzen Welt.“

Bei der Konferenz wird die Wandlung der Filmfigur untersucht: Vom britischen Gentleman-Agenten bis hin zum ausgekochten Detektiv, der ebenso niederträchtig wie seine Feinde sein kann. „Is James Bond a Serial Killer?“, lautet beispielsweise der provokante Titel des Vortrags, den Anthony Metievier von der Uni Saarbrücken hält.

Die im Kino zelebrierte Promiskuität des Doppel-Null-Agenten wird ebenfalls beleuchtet. Die Forscherin Abigail De Kosnik vom Berkley Center in den USA diagnostiziert eine frühkindliche Prägung, die letztendlich zur Beziehungsunfähigkeit des Filmhelden geführt habe. Undenkbar also, dass James Bond dauerhaft eine Frau an seiner Seite hat. Seine einzige Loyalität gehört dem berüchtigten Geheimdienst seiner Majestät: Mit dem M16 verbinde der Agent - zumindest nach Freudscher Leseart - ein romantisches Familienideal, argumentiert De Kosnik.

Dass auch reale politische und gesellschaftliche Veränderungen, wie etwa der Ost-West-Konflikt, die Anschläge vom 11. September 2001 oder die gesellschaftliche Rolle der Frau einen Einfluss auf die Kunstfigur Bond haben, steht für die Wissenschaftler außer Frage. „Das Spannende an James Bond ist aber auch, dass er in jedem Film frei und scheinbar ohne direkte Vergangenheit erscheint“, sagt James Chapman, Professor für Filmstudien an der University of Leicester. So habe Daniel Craig, der Bond-Darsteller dieses Jahrhunderts, absolut nichts mit älteren Episoden wie „Dr. No“ oder „Goldfinger“ zu tun. Die berühmten Feinde des klassischen Bond-Darstellers Sean Connery spielten heute schlicht keine Rolle mehr.

„Bond erscheint uns in jedem Film quasi als Mann, der im Hier und Jetzt agiert. Das empfinden wohl viele Zuschauern als verlockend“, vermutet Chapman, der 1999 mit „Licence To Thrill: A Cultural History of the James Bond Films“ ein Standardwerk über 007 veröffentlicht hat.

Die Forscher nehmen auf dem Saarbrücker Campus aber nicht nur die 22 Kinofilme unter die Lupe, die seit 1962 erschienen sind, sondern auch die Texte von Bond-Erfinder Ian Fleming. Der britische Autor lieferte mit seinen damals populären Romanen und Kurzgeschichten die Vorlagen für die Filme. Obwohl Fleming bereits 1964 starb, dienen seine Erzählungen bis heute als Vorlage, wenn auch in immer freierer Form.

Wie bei jeder Ikone der Popkultur gehören auch zu James Bond die gewissen Attribute: Ob schnelle Autos, raffinierte Geheimwaffen oder die Filmmusik - zu Bond gibt es ein wahres Sammelsurium individueller Erkennungsmerkmale. „Ohne das berühmte Musikthema funktioniert kein Bond-Film“, sagt der Literaturwissenschaftler André Nimtz von der TU Chemnitz. Die berühmte Melodie repräsentiere sowohl als Handy-Klingelton oder in Werbetrailern ein globales Erkennungsprinzip, das wesentlich zum Erfolg des Filmagenten beitrage.

ddp

Johanna Di Blasi 06.06.2009