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Kultur Woher kommen eigentlich Ideen?
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00:15 25.08.2013
Von Ronald Meyer-Arlt
Einfälle hat man, wenn das Kontrollzentrum Ruhe gibt: Das Bild von Patrick Stewart als Professor Charles Xavier in dem Science-Fiction-Film „X-Men 2“ zeigt, wie ein Ideenfindungsstimulator aussehen könnte. Quelle: Archiv
Hannover

Weiß die Hirnforschung, wie Ideen im Kopf entstehen?
Die Frage nach Heureka-Effekten und Kreativität ist tatsächlich ein eher unterforschtes Gebiet der Neurowissenschaft. Das ist ein Phänomen, das mich und einige meiner Kollegen sehr erstaunt, zumal Kreativität ja eine Eigenschaft ist, die wir allgemein hoch schätzen. Dass es so wenig Forschung darüber gibt, liegt auch daran, dass Ideen und Kreativität nur schwer in den Rahmen einer Untersuchung zu zwingen sind.

Heute kann man dem Gehirn doch beim Denken zuschauen. Da könnte man doch sehen, was passiert, wenn jemand einen guten Einfall hat.
Das macht man auch. Kreativität, also das Finden neuer Aspekte auf der Basis bereits gelernter Informationen, wird in der Tat heute neurowissenschaftlich untersucht. Man kann durchaus erkennen, was bei kreativen Akten passiert. Unser Gedächtnisspeicher wird angezapft, während der präfrontale Cortex, also das Kontrollzentrum im Stirnhirn, ruhig ist. Einfach gesagt: Der präfrontale Cortex lässt zu, dass sich die im Gedächtnissystem gespeicherten Informationen frei und neu kombinieren können. In einer normalen Denksituation ist dieses Kontrollzentrum derart stark aktiviert, dass es die neuen, ungewöhnlichen Kombinationen bereits gespeicherter Informationen einfach nicht zulässt.

Die Zeitung der Ideen

Am Sonnabend beginnt in Hannover die IdeenExpo. Wir nehmen die Veranstaltung zum Anlass, Geschichten über Menschen zu erzählen, die mit einer Idee Erfolg hatten – oder grandios gescheitert sind. Zu erkenen an dem Logo der "Zeitung der Ideen".

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Bedeutet das, dass eine Art von Ruhe nötig ist, damit es zu Einfällen kommen kann?
So ist es. In jeder Situation, in der Kontrollprozesse nötig sind, um das Leben zu meistern, ist der präfrontale Cortex stark aktiviert. Er führt uns und leitet unsere Aufmerksamkeit. Damit sich aber die gespeicherten Wissensinformationen frei und auf ungewöhnliche Art entfalten können, darf das Kontrollsystem  nicht hemmend und strukturierend eingreifen.

Und ohne gespeichertes Wissen scheint es dann wohl auch keine Einfälle zu geben.
Exakt. Um es mit einer Metapher zu beschreiben: Stricken ohne Wolle geht nicht.

Gibt es auch das Problem, dass man zu viel Wissen gespeichert hat?
Das gibt es auch. Es ist wie bei einem Jongleur. Mit drei oder vier Bällen kann er noch ganz gut arbeiten, bei mehr als zehn Bällen ist es unmöglich. Zu viele Informationen können sich gegenseitig stören. Das bedeutet aber nicht, dass ein kreativer Akt immer nur wenig Informationen braucht. Wer über Mathematik nichts weiß, wird nie eine kreative Lösung für ein mathematisches Problem finden. Für Kreative ist das manchmal ein Schock. Viele denken, dass sie nichts wissen müssen, um kreativ zu sein, aber das stimmt einfach nicht.

Was kann man tun, um mehr und bessere Ideen zu haben? Manche Schriftsteller sagen, sie hätten unter der Dusche die besten Ideen. Tritt da so eine meditative Ruhe ein?
Meditative Ruhe bedeutet, dass unser Kontrollzentrum nicht so stark aktiv ist. Kontrolle und Zwang werden zurückgefahren. Entspannung hilft dabei. Die Neukombination von Ideenfetzen wird dann nicht mehr von oben gehemmt. Deshalb ist es für Kreative immer gut, sich aus Denkzwängen herauszubewegen.

Was ist mit dem Brainstorming im Kollegenkreis? Ideenfindung kann doch auch ein sozialer Akt sein.
Jedes Mittel, das dabei hilft, aus den Gedankenzwängen herauszukommen, ist gut. Allerdings hilft es nichts, wenn sich beim Brainstorming fünf Leute zusammensetzen, die seit Jahren schon das Gleiche tun. Fünf Leute, die aus jeweils anderen Disziplinen zusammenkommen, können schon kreativer sein.

Gibt es noch Möglichkeiten, die Kreativität zu steigern?
Neurowissenschaftlich wissen wir, dass man die Kreativität fördern kann, indem man den präfrontalen Cortex hemmt. Das funktioniert mit transkranieller Magnetstimulation oder transkranieller Gleichstromstimulation.

Das hört sich nach Frankenstein an.
Ist es aber nicht. Es sind heute Standardtechniken. Mit Magnetfeldern hoher Intensität oder auch mit Gleichstrom kann man die Aktivität des Kontrollzentrums hemmen. In einer solchen Situation sind die Probanden deutlich kreativer.

Lutz Jäncke ist seit 2002 Professor für kognitive Neurowissenschaft und Neuropsychologie an der Universität Zürich. Der 56-Jährige beschäftigt sich besonders mit der Plastizität des menschlichen Gehirns. Ein Steckenpferd des Hirnforschers ist die Untersuchung der Gehirne von Profimusikern, die besonders früh mit dem Training ihres Gehirns beginnen. Er hat mehrere Bücher (einige davon zusammen mit Eckart Altenmüller) über das Gehirn und die Musik geschrieben. Quelle: privat

Kann man Kreativität lernen?
Ja, das kann man. Das haben schon die Gestaltpsychologen in den zwanziger Jahren gezeigt, die Versuchspersonen aufgefordert haben, Probleme ganz bewusst aus anderen Perspektiven zu betrachten. Die Personen waren in der Lage, Probleme anders und besser zu lösen. Man kann trainieren, die Kontrollinstanz weniger aktiv werden zu lassen.

Wird es in ein paar Jahren die Tablette für Kreativität geben?
Wahrscheinlich nicht. Ich glaube, dass unsere Gesellschaft mit wirklich kreativen Menschen nicht gut zurechtkommt. Jede Abweichung vom Mittelwert wird von unserer Gesellschaft mit Misstrauen betrachtet. Wir lieben meist eher die Menschen, die uns ähnlich sind. Insofern bin ich sicher, dass Kreativität kein Massenphänomen werden wird. Außerdem sind unsere Ausbildungssysteme nicht dazu geeignet, Kreativität zu fördern. Sie sind im Wesentlichen auf Reproduktion angelegt. Studenten heute haben kaum Zeit, sich auszuprobieren und über den Tellerrand zu schauen.

Andererseits hofft man doch auf kreative Menschen, die in Zukunft einige unserer Probleme lösen werden.
Man bewundert sie. Ich setze auf die Statistik. Es wird einige wenige Menschen geben, die trotz des Schulsystems kreativ werden und kreativ bleiben. Die werden die großen Erneuerungen bringen.

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