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Kultur Wohltemperiert fliegen
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08:54 03.06.2015
Von Uwe Janssen
Alles Bach: Die Flying Steps mit Anna Holmström (links).
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Hannover

Auf der Bühne und im Publikum, das morgen und Freitag im ehrwürdigen Kuppelsaal sitzen wird - unter den Sponsorenflügeln des Brauseherstellers.

Ausgedacht hat sich das der Choreograf Vartan Bassil mit seinen Flying Steps, einer international enorm erfolgreichen Breakdance-Formation aus Berlin, deren Karriere zweimal in Hannover entscheidend Schwung aufnahm. 1995 gewann die Truppe hier den deutschen Vorentscheid zum „Battle of the Year“, einer Art Hip-Hop-WM. Fünf Jahre später wurde sie auf der Expo sogar Weltmeister. Red Bull, für Spektakel aller Art gern als Geldgeber zu haben, stieg ein und ist fester Partner und Förderer der Tänzer.

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Bassil, optisch gelangweilt von Klassikkonzerten, suchte nach neuen Formen - und fand sie bei den Flying Steps - und der schwedischen Tänzerin Anna Holmström. Für die Breakdancer war es zunächst ein kleiner Kulturschock. „Wir wussten erst gar nicht, wo wir ansetzen sollen“, sagt Michael „Mikel“ Rosemann, „also brauchten wir jemanden aus dem klassischen Bereich, der genau so verrückt ist wie wir.“ Sie kamen „durch ein bisschen Googeln und ein bisschen Rumfragen“ schnell auf den Opernregisseur Christoph Hagel, der sich durch Musiktheater an ungewöhnlichen Orten einen Namen gemacht hatte.

Nach und nach freundeten sich die Hip-Hopper so mit dem „Wohltemperierten Klavier“ an - und entwickelten eine Körpersprache für Bach. Der Prozess des Zusammenwachsens begann. „Es sind natürlich Unterschiede da“, sagt Tänzerin Holmström, „doch wir können deshalb auch viel voneinander lernen.“ Tänzer Niranh „Lil Rock“ Chanthabouasy hat das Klavierspielen begonnen. Noten lesen könne er nicht, aber er mache gute Fortschritte, sagt er. Einen pädagogischen Effekt hat Rosemann auch erkannt: „Kürzlich berichtete eins der Kids, dass er seinem Musiklehrer erzählt habe, wie cool Bach ist.“

Mittwoch und Freitag um 20 Uhr im Kuppelsaal. Karten in den HAZ-Shops.

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