Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur „Wolverine“ kehrt zurück: Silbereisen im Mutantenstadl
Nachrichten Kultur „Wolverine“ kehrt zurück: Silbereisen im Mutantenstadl
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:31 30.04.2009
Von Stefan Stosch
Der Schlitzer aus dem Stahlbad: Hugh Jackman, just zum „sexiest man alive“ gewählt, in der Rolle des Mutanten Wolverine. Quelle: 20th Century Fox
Anzeige

Darin versenkt er seine Probanden, lässt es tüchtig brodeln und injiziert ihnen mit riesigen Nadeln das Metall Adamantium direkt in die Knochen. Das Ganze wird überwacht von Computeraufnahmen, die jeden Hypochonder in die Flucht schlagen dürften.

Überleben die Versuchskaninchen die Prozedur, sind sie quasi unkaputtbar. Zunächst überlebt nur einer. Er heißt Logan – besser bekannt unter seinem Kampfnamen Wolverine, der Mutant mit den messerscharfen Metallklauen. Von der Werdung des Wolfsmenschen erzählt „X-Men Origins: Wolverine“, der vierte Teil der „X-Men“-Reihe. Die Frankenstein-Szene ist eine der originelleren in diesem Film.

Anzeige

Titelheld Hugh Jackman, just zum „sexiest man alive“ gekürt, hat sich das Werk auf den muskulösen Leib schreiben lassen und sogar das Drehbuch mitgestaltet. In den vorigen drei Filmen war er nur ein Sonderling unter vielen. Doch dann erklärten ihn Millionen Fans zum attraktivsten Mutanten überhaupt, zum Silbereisen im Mutantenstadl. Und nun geht er mit einem eigenen Actionspektakel an den Start.

Wolverine“ ist chronologisch vor den ersten dreien angesiedelt. In Hollywood ist die Rückschau auf die Vergangenheit beinahe zur Masche geworden. Zu den wenigen, die diesen Coup überzeugend hingekriegt haben, gehört George Lucas. Allerdings trug er die „Star Wars“-Trilogie auch ein paar Jahrzehnte lang im Kopf mit sich herum, und sie war von vornherein geplant.

Regisseur bei „Wolverine“ ist der Südafrikaner Gavin Hood. Hood ist alles andere als ein Actionfachmann. Mit dem Sozialdrama „Tsotsi“ über einen Township-Jugendlichen gewann er 2005 den Oscar. Nun musste er eine 150 Millionen Dollar teure Produktion beherrschen, die von Spektakel und Spezialeffekten lebt. Hood scheint überfordert gewesen zu sein.

Er stückelt seinen Film in der ersten Hälfte wie ein unbeholfener Frankenstein-Filmer zusammen. In Rückblicken zappt er sich von den Schützengräben des Ersten Weltkrieges bis zu den Dschungelkämpfen in Vietnam und will damit irgendwie Logans Vorgeschichte erzählen. Er macht einen Ausflug nach Afrika, um eine geheime Mutantenelitetruppe im Dienste der US-Armee einzuführen – und dann erst beginnt die eigentliche Handlung: Striker will aus verschiedenen Mutanten eine ultimative Kampfmaschine erschaffen.

Für eingefleischte Fans dürfte das interessant sein, treffen sie doch auf einen ganzen Mutantenmodellpark. Der eine Mutant kann Strom erzeugen, der andere sich unsichtbar machen, der dritte mit bloßer Willenskraft Dinge in explosive Waffen verwandeln. Auf alle anderen Zuschauer dürften die Sonderlinge nur einen kurzzeitigen Reiz ausüben. Die Actionszenen sind ordentlich, vor allem ordentlich brutal.

Was bleibt, ist ein ansehnlicher Hauptdarsteller, der sich mit dem schon sattsam bekannten Mutanten-Problem herumschlägt: Ist es nun eine Gabe oder doch eher eine Krankheit, wenn man anders als die anderen ist? Jackman gibt seinem „Wolverine“ in den besten Momenten ein wenig tragische Tiefe mit. Aber man muss schon große Begeisterung mitbringen, um der kruden Geschichte über die gesamte Distanz zu folgen.

Die ruhigen Filmabschnitte sind die stärksten: Zwischendurch sagt Jackman alias Wolverine dem Mutantenleben Adieu und geht in Kanada Holzfällen. Wenn er mit kariertem Hemd und Motorsäge über der Schulter durch die Wälder zieht, dann scheint der Mutant endlich seinen Traumjob gefunden zu haben.

Noch mehr Mutanten: Müde Fortsetzung der Actionreihe. Im Cinemaxx Raschplatz und Nikolaistraße, CineStar, Utopia.