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Kultur Wunderkind Helene Hegemann hat abgeschrieben
Nachrichten Kultur Wunderkind Helene Hegemann hat abgeschrieben
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13:12 09.02.2010
Helene Hegemann Quelle: dpa
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Erst am 19. Februar wird Helene Hegemanns vor zweieinhalb Wochen erschienener Roman „Axolotl Roadkill“ offiziell präsentiert – doch die 17-Jährige hat es schon jetzt zu einiger Berühmtheit gebracht. Erst galt sie als Wunderkind und jetzt als Diebin. Denn Hegemann hat, wie sie selbst zugibt, Teile ihres Buches abgeschrieben, mit dem sie im Moment auf Platz 5 der „Spiegel“-Bestenliste steht.

„Axolotl Roadkill“ handelt von einem jungen Mädchen, das sich in einer chaotischen Welt zu orientieren versucht: eine krasse Geschichte in einer krassen Sprache. Noch krasser: Hegemann hat Teile ihres Buches von einem Autor, der sich Airen nennt, wortwörtlich übernommen. Im vergangenen Jahr hat Airen einen Roman mit dem Titel „Strobo“ veröffentlicht; Passagen seines Buches, in dem es um das wilde Leben der Berliner Szene geht, sind im Internet zugänglich.

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Dort hat sich Hegemann bedient, ohne auf das Original hinzuweisen. In einer Stellungnahme nennt sie ihr Vorgehen „total gedankenlos und egoistisch“. Doch beharrt sie in der kindlich-flapsig klingenden Erklärung darauf, dass es heutzutage normal sei, sich bei anderen Künstlern und vor allem im Internet zu bedienen. „Originalität gibt es sowieso nicht, nur Echtheit“, schreibt sie, „ich bin nur Untermieter in meinem eigenen Kopf.“

Wie auch immer das dortige Mietverhältnis aussehen mag: Hegemanns Verlag Ullstein ist entsetzt. Verlegerin Siv Bublitz erklärt ihrerseits, es sei selbstverständlich, dass Quellen genannt und vom Urheber genehmigt werden müssten. Von einem lockeren Umgang mit dem Urheberrecht hält man bei Ullstein nichts. Der Verlag will nachträglich die Rechte für die Airen-Passagen einholen. Ist das Ganze ein Generationenkonflikt zwischen den Jungen, die fröhlich im Internet surfen und sich dort bedienen, und den Alten?

Nein, der szenige Verlag Sukultur, der Airens „Strobo“ herausgebracht und bislang rund 200 Exemplare verkauft hat, hält Hegemanns Vorgehen schlicht für illegal. Geschäftsführer Frank Maleu sagt, dass man genau prüfen werde, welche Passagen Hegemann übernommen habe. Der Fall löst aber auch Häme aus. Im Internet mokieren sich Kommentatoren über den Ullstein Verlag, der „Axolotl Roadkill“ nicht auf Verwendung fremder Texte überprüft habe. Und vielen, denen der Hype um Helene Hegemann, Tochter eines bekannten Berliner Dramaturgen, aufstößt, freuen sich über den Dämpfer für das Wunderkind. Der „Vip-Tochter mit dem Vip-Namen“ geschehe das nur recht.

Martina Sulner

07.02.2010
Karl-Ludwig Baader 05.02.2010