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Kultur Yoko Ono präsentiert Friedenskunst in Berlin
Nachrichten Kultur Yoko Ono präsentiert Friedenskunst in Berlin
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17:15 10.09.2010
Yoko Ono in Berlin.
Yoko Ono in Berlin. Quelle: afp
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Einst setzten sich Yoko Ono und John Lennon mit Schlafanzügen ins Bett und erklärten ihre Flitterwochen zu einem „Bed-In“ für den Weltfrieden. Für den Frieden kämpft die heute 77- jährige Beatles-Witwe und US-Konzeptkünstlerin noch immer. In der Berliner Galerie Haunch of Venison zeigt sie bis November ihre neue Installation „Das Gift“.

„Ich will auf die Gewalt hinweisen, die überall in der Welt passiert“, sagt Yoko Ono bei der Präsentation der Ausstellung am Freitag. „Ich bitte die Menschen, ein Zeugnis ihrer eigenen Gewalterfahrung mitzubringen. Wenn wir diese Erfahrungen teilen und nicht verdrängen, können wir eine friedliche Welt schaffen.“

Klein und zerbrechlich, aber sprühend vor Energie steht die 77- Jährige vor einer riesigen Leinwand in der Galerie. Es ist dunkel im Raum, aus dem Lautsprecher dringt das klagende Geschrei von Möwen. Mit einem Teppichmesser schneidet Yoko Ono scharfe Risse in den Stoff. Die Besucher sind später aufgefordert, sie zu flicken. „Denken Sie, Sie heilen sich selbst und die Welt, wenn Sie die Schnitte heilen“, heißt es in ihrem Begleittext.

Kernstück der Ausstellung ist die Arbeit „A Hole“ (Ein Loch). Eine große Glasscheibe mit einem Einschussloch in der Mitte beherrscht den Raum, am unteren Rand fordert eine Schrift den Betrachter auf, auch auf die andere Seite zu gehen und durch das Loch zu blicken: Dem Besucher sollen beide Perspektiven deutlich werden - die des Opfers und die des Täters.

Sie habe die Installation für Berlin geschaffen und diese sei auch nur in Berlin möglich, sagte Yoko Ono. „Berlin ist eine der friedlichsten und kreativsten Städte der Welt. Ich weiß einfach, dass ich mit den Menschen hier in gewisser Weise dieselbe Sprache spreche.“ Den Titel „Das Gift“ hat sie bewusst nicht ins Englische übersetzt - er soll doppeldeutig bleiben mit den englischen Bedeutungen „gift“ (Geschenk) und „poison“ (Gift).

In den 60er Jahren, lange vor dem gewaltsamen Tod ihres späteren Mannes John Lennon, hatte Yoko Ono mit ihren Werken für Schlagzeilen gesorgt. So schlug sie bei „Wall Piece for Orchestra“ zu Musik mit ihrem Kopf rhythmisch auf den Bühnenboden. Bei „Cut Piece“ durfte das Publikum Stücke ihrer Kleidung, Haare und Fingernägel abschneiden. „Das Gift“ soll die Besucher weniger spektakulär, aber nachhaltig zu einer Auseinandersetzung mit Gewalt bringen.

Wie groß für sie selbst die Angst vor Gewalt sei, will ein Journalist mit Hinweis auf den großen Trupp von Sicherheitsleuten wissen, mit dem die Künstlerin sich umgibt. „Ich kann nicht sagen, dass die Gewalt, die mir begegnet ist, schlimmer war als andere Gewalt“, sagt sie, „aber für mich war sie schwer zu ertragen. Es gab eine Zeit, wo ich untergehen konnte oder überleben. Ich habe mich fürs Überleben entschieden.“

dpa

Dirk Kirchberg 10.09.2010
Martina Sulner 10.09.2010