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Kultur "Zeit"-Kritiker Hanno Rauterberg zu Gast im Kunstverein Hannover
Nachrichten Kultur "Zeit"-Kritiker Hanno Rauterberg zu Gast im Kunstverein Hannover
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15:23 16.04.2010
Von Johanna Di Blasi
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„Hören Sie mich, oder muss ich das Mikrofon verschlucken?“, fragte ein gut gelaunter Hanno Rauterberg zu Beginn seines Vortrags am Mittwochabend im Kunstverein Hannover. Mit rund 180 Besuchern war der Oberlichtsaal des Kunstvereins, in dem derzeit großformatige Alleebilder des Leipziger Malers David Schnell hängen, brechend voll. Rauterberg, bekannt vor allem als Kunst- und Architekturkritiker der „Zeit“, ist einer der profiliertesten Feuilletonisten in Deutschland und ein eloquenter Vortragender.

Ins Zentrum seiner Ausführungen rückte der 1967 in Celle geborene Kulturjournalist, der sich mutig im Hemd mit roten Karos (großkariert) vor Schnells flirrende Farbexzesse stellte, die Frage: „Warum sind manche Künstler erfolgreich – und andere nicht?“ Rauterberg sucht die Gründe weniger im Kunstimmanenten, sondern in unseren Projektionen auf Künstler. Früher wollte man in ihnen Helden und Genies sehen. Heute dürfen sie auf dem Boden bleiben. Man bewundert an ihnen Wagemut und Dynamik (zum Beispiel als Unternehmer und Networker; „Das Mobiltelefon ist das wichtigste künstlerische Werkzeug“), die freiheitliche Existenzform („der Künstler als aus sich selbst schöpfende Ich-AG“) sowie authentisches Auftreten („der Künstler als oberster Selbstverwirklicher“).

Der Künstler werde heute nicht mehr als der ganz andere gesehen, so Rauterberg, sondern als das bessere Ich. Künstlerkult sei Egokult. Und Kunst werde als Teil des Lifestyles und Unterhaltungsprogramms wahrgenommen. Damit könnten sich nicht nur Hedgefonds-Milliardäre identifizieren, Kunst sei ein regelrechtes Massenphänomen geworden. Besonders erfolgreich sind nach Rauterberg jene Künstler, die unseren Projektionen am besten entsprechen.

Der große Boom des Kunstmarktes, so Rauterberg, sei allerdings vorbei. „Die Blase ist geplatzt.“ Damit hat der Typ des unternehmerisch-strategischen Künstlers (Damien Hirst, Jeff Koons) an Glanz eingebüßt, und es ist schwerer denn je, sich mit Kunst über Wasser zu halten. Schon während der Boomphase konnten 95 Prozent der Akademieabsolventen nicht von ihrer Kunst leben.

Gründe für Erfolglosigkeit, das wurde an dem Abend auch deutlich, sind aber schwerer zu benennen als für Erfolg.

Transformation des Romantischen ist der nächste Vortrag am 28. April betitelt. Referent ist der Karlsruher Kunstwissenschaftler Martin Schulz.

Stefan Arndt 16.04.2010
16.04.2010