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00:15 04.05.2015
Der Graf heizte die Stimmung in der Swiss Life Hall mächtig an.  Quelle: Christian Behrens
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Hannover

Das ist er also, der Abschied von Hannover. „Es ist Zeit für uns zu geh'n, wir danken euch für all die schönen Jahre”, singt der Graf im für ihn typischen schwarzen Anzug zwischen weißen Stumpenkerzen. Dazu düsteres Licht, hinter ihm eine Dampflok-Attrappe, die entfernt der Brockenbahn ähnelt. Es ist einer der seltenen Momente in der neueren Bandgeschichte von Unheilig, in der die gruftige Deko wieder passt. Doch Beerdigungsstimmung herrscht in der Swiss-Life-Hall nicht, auch wenn dieser Augenblick für die Fans wohl der Traurigste ist. Denn gleich wird Bernd Heinrich Graf, nur bekannt als Der Graf, den etwa 5000 Fans aus Hannover zuwinken und dann für immer die hannoversche Bühne verlassen. Zumindest als Unheilig. Das ist der Plan.

Doch so schnell lassen die Hannoveraner ihren Star am Freitagabend nicht gehen. Zwei Stunden lang lauschen sie den neuen Songs, klatschen, mimen den Backgroundchor. Dann kommt “Geboren um zu leben“, ein letztes Mal live in Hannover. Und alle singen lautstark mit.

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Noch einmal den Grafen sehen und singen hören: Die Band Unheilig verabschiedet sich auf ihrer Gipfelstürmer-Tournee bereits jetzt von den Hannoveranern. 

Angetreten war Unheilig vor 15 Jahren als Gothictrio mit düsterem Gesang und harten Gitarrenriffs. Wer die Band kannte, ging in seiner Freizeit headbangen und färbte sich die Haare tiefschwarz. Zwei Musiker stiegen später aus, der Graf machte allein weiter. Und dann kam „Geboren um zu leben”. Die Single schaffte es 2010 auf Platz zwei der Single-Charts, lief im Radio rauf und runter und machte den Mann mit der Glatze und dem schwarzen Anzug auch außerhalb der Szene bekannt. 23 Wochen stand das dazugehörige Album „Große Freiheit“ in den Charts, Tausende fühlten sich von den melancholisch-gefühligen Pop-Rockstücken berührt. Jetzt, fünf Jahre und zwei Alben später, soll Schluss sein mit Unheilig. Die neuste Platte „Gipfelstürmer“ wird das letzte Werk der Band sein, er wolle 2016 als Sänger aufhören, verkündete der Graf vergangenen Herbst.

„Wir sind die Gipfelstürmer”

Er geht auf dem Zenit seiner Karriere, das zeigt die ausverkaufte Halle in Hannover. Im Publikum sitzen wie schon bei den vorherigen Konzerten Großeltern mit ihren Enkeln, Ehepaare und Mütter mit Töchtern, auf deren Shirts das Foto ihres Idols und eine markige Textzeile prangen. Sie wippen im Takt, wiegen die Arme, singen: „Wir sind die Gipfelstürmer”.

Der Graf bemüht sich, die Stimmung noch weiter anzuheizen. Er flitzt über die Bühne, wedelt mit den Armen, schwingt die Hüften, der Schweiß rinnt ihm über den blanken Hinterkopf in den Hemdkragen. „Dankeschön!”, ruft er nach „Unter deiner Flagge” und das Publikum antwortet artig: „Bitteschön!”.

Und dann ist es soweit. Der Graf hebt die Hände, winkt, ein breites Lächeln im verschwitzten Gesicht. Die Fans gröhlen, klatschen. Minutenlang. Eine letzte Verbeugung, dann geht er von der Bühne, während draußen schon die ersten Fans auf den Merchandise-Stand zustürmen.

Isabel Christian

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