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Kultur Zum 150. Geburtstag des Schriftstellers Sir Arthur Conan Doyle
Nachrichten Kultur Zum 150. Geburtstag des Schriftstellers Sir Arthur Conan Doyle
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10:20 20.05.2009
Hans Albers als Sherlock Holmes und Heinz Rühmann als Dr. Watson in „Der Mann, der Sherlock Holmes war“. Quelle: Archiv
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Phantasie besaß er zur Genüge, und an Stoff mangelte es ihm schon gar nicht, schließlich war er bereits weit in der Welt herumgekommen: Am 22. Mai 1859 in Edinburgh geboren, hatte er in seiner Heimatstadt Medizin studiert und sich danach als Schiffsarzt auf einem Walfänger, später noch auf einem Frachter verdingt. Seine Seefahrts-Mysterien fanden denn auch Anklang bei den Lesern, und Arthur Conan Doyle (inzwischen Dr. med.) erlangte mit der Zeit einen gewissen Bekanntheitsgrad als handfester Geschichtenerzähler.

Dann kam das Jahr 1887, und das sollte seine Literatenkarriere grundlegend, um nicht zu sagen „elementar“, verändern. Zum Weihnachtsfest brachte er unter dem malerischen Titel „Eine Studie in Scharlachrot“ die „Erinnerungen“ eines gewissen Dr. Watson heraus, eines vormaligen Militärarztes, der im Afghanistankrieg schwer verwundet worden war und nun in London von seiner kargen Pension lebte. In der Baker Street No. 221B, im Haus einer Mrs. Hudson, hatte er eine möblierte Wohnung gemietet, die er mit einem ebenso genialen wie exzentrischen Gefährten teilte – mit ebenjenem jungen Mann, der dann auch im Zentrum dieses „Erinnerungs“-Bandes stand. Seine Profession: beratender Detektiv. Sein Name: Sherlock Holmes. Arthur Conan Doyle hatte eine neue Epoche der Kriminalliteratur eröffnet.

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Zwar weckte diese initiale „Study in Scarlet“ noch kein übermäßiges Leserinteresse, und auch der folgende Roman „Das Zeichen der Vier“ war kein sonderlicher Renner, obwohl Dr. Watson (der zum Finale die hübsche Klientin des Falles ehelicht) darin eine Reihe apartester Details über Sherlock Holmes mitteilt – über dessen Deduktionskünste, freilich auch über dessen Kokainsucht: Eine siebenprozentige Lösung, gespritzt, war die übliche Ration des Meisters, zugeführt zur Aufhellung der deprimierenden Trübnis in Zeiten der (Un-)tatenlosigkeit. Doch 1891 kam der große Durchbruch, als Conan Doyle, der seinen Arztberuf mittlerweile an den Nagel gehängt hatte, in der neugegründeten Zeitschrift „Strand Magazine“ die erste Serie mit kürzeren Fallstudien des Baker-Street-Detektivs publizierte. Die Leser zeigten sich begeistert von diesen Stories, wozu fraglos auch die faszinierenden Illustrationen Sidney Pagets beitrugen, der dem Helden das charakteristische raubvogelhafte Profil verpasste, Sherlock Holmes & Dr. Watson waren Kult.

Merkwürdigerweise passte das aber ausgerechnet ihrem Schöpfer nicht: Der fand nämlich, dass ihn die Zwei von ernsthafteren Buchprojekten abhielten. So stellte er wahnhafte Honorarforderungen, um die Verleger abzuschrecken. Allein, die Verleger zahlten, weshalb Doyle auf eine mortale Lösung sann. Und als er 1893 bei einem Kuraufenthalt in der Schweiz die Reichenbach-Fälle besuchte, stand sein Plan fest, der da hieß: „Das finale Problem“. Geklammert an seinen kriminellen Antipoden Prof. Moriarty, den „Napoleon des Verbrechens“, stürzt Sherlock Holmes da in den verhängnisvollen Schlund, und der erschütterte Dr. Watson konnte der gleichfalls erschütterten Lesewelt nurmehr den Tod seines Freundes verkünden. Arthur Conan Doyle dagegen notierte unerschüttert in sein Tagebuch: „Killed Holmes“; fügte freilich später hinzu: „Es war mir klar, dass ich damit auch mein Bankkonto in dem Wasserfall versenkte.“

Wie auch immer: Die Leser waren entsetzt. „Sie Bestie!“ schrieb ihm eine Sherlock-Verehrerin. Doch nun tat Doyle das, was er schon längst hatte tun wollen: Er schrieb einen Roman über den Box-Sport und mehrere historische Romanzen. Im Jahr 1900, während des zweiten Burenkriegs, ging er nach Südafrika – als Militärarzt, wie einst sein Dr. Watson in Afghanistan. Über den Burenkrieg und Britanniens Rolle darin verfasste er anschließend eine groß angelegte Studie: sein erfolgreichstes Buch überhaupt, für das er, als Patriot, auf jegliches Honorar verzichtete.

Umso höher waren freilich die Honorarangebote, die man ihm für neue Sherlockiana unterbreitete. Die Leser wollten ihren Lieblingsdetektiv einfach nicht vergessen. Und schließlich gab Doyle nach: Im August 1901 kam Holmes wieder zutage, wenn auch, vorderhand, nur mit einem rückdatierten Fall, dafür mit einem Fall vom Feinsten – dem „Hund der Baskervilles“, der um das Jahr 1887 spielt, also deutlich vor dem Abflug des Meisters. Doch 1903 war’s dann so weit: Sherlock Holmes erschien leibhaftig wieder auf der Bildfläche, war auch, wie er seinem Adlatus Dr. Watson versicherte, nie tot gewesen, nur untergetaucht, wenngleich nicht in der Reichenbach-Schlucht. In die war Prof. Moriarty allein gesegelt, bezwungen durch einen fernöstlichen Kampftrick seines Gegners.

Und nun blieb er präsent, bis er sich, londonmüde, in den Ruhestand verabschiedete und sein Cottage in den South Downs von Sussex bezog, um sich dort der Bienenzucht zu widmen. Doch auch seine älteren Fälle lieferten noch Material genug für neue Bücher: Am Ende brachte es Conan Doyles Baker-Street-Saga auf sechzig (zumeist vom wackeren Dr. Watson dargelegte) Fallberichte in neun stattlichen Bänden, deren letzter im Jahr 1927 erschien. Interessanterweise hat sich aber auch der Autor selber, seit 1902 „Sir Arthur“, gelegentlich als Detektiv betätigt und mit den berühmten „Methoden“ seines Protagonisten mehrere unschuldig Verdächtigte vorm Galgen gerettet. In seinen späteren Jahren wandte er sich stärker dem Spiritismus zu, über den er mehrere Bücher schrieb. Er brachte auch noch eine zweite literarische Serienfigur hervor, die bis heute ihre Fans findet – Prof. Challenger, den Entdecker der „Verlorenen Welt“. Am 7. Juli 1930 ist Sir Arthur Conan Doyle in seinem Landhaus Windlesham gestorben, der Mann, der Sherlock Holmes erschuf.

von Heiko Postma

Von unserem Autor stammt das Buch „,Exzellent!’ rief ich. ,Elementar’, sagte er. Über Sherlock Holmes & Doktor Watson. Nebst einigen Beobachtungen zu Sir Arthur Conan Doyle, sowie einem Anhang mit drei Holmes-Episoden außerhalb des Kanons.“ Es ist im jmb-Verlag erschienen, hat 76 Seiten und kostet 9,80 Euro.