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17:15 10.03.2014
Der Direktor der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, Georg Ruppelt, mit dem Goldenen Brief. Quelle: Nigel Treblin
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Hannover

Lange hatte das kostbare Dokument unbeachtet in der Leibniz Bibliothek gelegen. Vor einigen Jahren begann man es eingehend zu erforschen. Und dann war klar, dass es sich bei diesem Brief um ein sensationelles Schriftstück handelt. Anfang 2011 wurde der „Goldene Brief“, den der birmanische König Alaungphaya am 7. Mai 1756 an den englischen König Georg II. geschrieben hatte, der Öffentlichkeit vorgestellt. Es war ein großes Ereignis, Tausende wollten das Dokument sehen. Der Wert des 55 mal 12 Zentimeter großen Schriftstücks ist immens. Nicht nur, weil es aus purem Gold und mit 24 Rubinen besetzt ist, sondern vor allem, weil der Goldene Brief der letzte seiner Art ist. Sieben weitere Goldene Briefe sollen von Myanmar nach China gegangen sein - dort wurden sie eingeschmolzen.

Die Leibniz Bibliothek will den Goldenen Brief zum Unesco-Welterbe erklären lassen. Die Chancen, dass das Schreiben in die Dokumentenerbeliste „Memory of the World“ aufgenommen wird, stehen nicht gerade schlecht. Würde die Bewerbung Erfolg haben, stünde der Brief dann auf einer Stufe mit Beethovens Notenhandschriften oder der Gutenberg-Bibel.

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Doch nun hat eine Aussage von Cornelia Pieper, Staatsministerin im Auswärtigen Amt, zu einer gewissen Aufregung in Hannover geführt. Bei einem Besuch in Birma sagte Pieper, sie hoffe, dass der Brief im Original oder als Kopie dem neuen Museum in der Hauptstadt Naypyidaw übergeben werden könne. Allerdings schränkte sie ihre Aussage gleich wieder ein: Die Entscheidung müssten aber die niedersächsische Landesregierung und die Leibniz Bibliothek in Hannover treffen, wo das wertvolle Schriftstück lagert.

Dort ist man entschieden der Ansicht, dass der Brief in der Leibniz Bibliothek verbleiben sollte. Georg Ruppelt, Direktor der Leibniz Bibliothek, verweist darauf, dass der Brief seit Dezember im Verzeichnis des national wertvollen Kulturgutes aufgenommen wurde. Rechtlich gesehen sei es also kaum möglich, das Original nach Myanmar zurückzugeben. Außerdem bestehe auch gar kein Anlass für eine Rückgabe. Denn der Brief, so Ruppelt, sei „völlig unbelastet“. Es handelt sich bei dem Schreiben nicht um Kolonialgut oder um Raubgut.

Der Brief, in dem König Alaungphaya dem englischen König das Angebot unterbreitet, dem Vereinigten Königreich eine Station an der Küste anzubieten, um so die dauerhaften Partnerschaften zwischen den beiden Königreichen zu stützen, gelangte nicht unrechtmäßig in den Besitz der Bibliothek. Der Empfänger des Briefes, König Georg II., übergab ihn im Jahr 1758 seiner hannoverschen Bibliothek, der heutigen Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, zur Verwahrung. Und das hat sie getan.

„Der Brief ist freiwillig abgeschickt worden. Wer einen Brief schreibt und den an einen Empfänger verschickt, geht davon aus, dass der Brief in das Eigentum des Empfängers übergeht“, sagt der heutige Bibliotheksdirektor. Außerdem, so Georg Ruppelt, würde der Brief in Hannover viel bessere Werbung für Myanmar machen, als wenn er in Myanmar selbst ausgestellt werden würde. Hier sei er einzigartig, dort wäre er eines unter vielen goldenen Artefakten. „Dieser Brief ist der beste Botschafter für Myanmar im Ausland.“

Auch Gabriele Heinen-Kljajic, Niedersachsens Ministerin für Wissenschaft und Kultur, wies gestern darauf hin, dass es keine Rechtsgrundlage für die Rückgabe des Briefes gebe. Der HAZ sagte sie: „Es wäre aber durchaus denkbar, dass wir eine detailgenaue Replik anfertigen. Dann könnten sich die Menschen in Myanmar ein eigenes Bild über dieses singuläre Zeugnis ihrer reichen Kultur machen.“

Zurzeit ist man in der Leibniz Bibliothek dabei, mit erheblichem Aufwand eine virtuelle dreidimensionale Kopie des Briefes anzufertigen. Die Scan-Arbeiten haben die 3-D-Spezialisten der Hamelner Firma Scanbull vor Kurzem abgeschlossen. Nun laufen dort die Rechner. In wenigen Wochen soll die virtuelle Kopie des Briefes fertiggestellt sein. Dieses 3-D-Modell sollte im Frühjahr 2014 in Myanmar übergeben werden. Die 3-D-Kopie wird recht dynamisch sein: Man wird den Brief in alle Richtungen drehen und wenden können, es soll sogar möglich sein, den etwas faltigen Brief virtuell zu glätten.

Das Scannen des Briefes wurde vom Auswärtigen Amt initiiert und mit immerhin 50.000 Euro unterstützt - nun wundert sich Ruppelt, dass Vertreter des Auswärtigen Amtes von einer möglichen Weitergabe des Briefes nach Myanmar sprechen.

Gerade ist Ruppelt zusammen mit Vertretern Großbritanniens und Myanmars dabei, den Brief für das Weltdokumentenerbe der Unesco einzureichen. Im Oktober sollen alle dafür erforderlichen Dokumente abgegeben worden sein. Ein Empfehlungsschreiben aus Großbritannien ist bereits in der Leibniz Bibliothek eingegangen, mit dem Schreiben aus Myanmar, das den Antrag zur Aufnahme ins Dokumentenerbe befördert, rechnet Ruppelt in den nächsten Tagen.

Zurzeit befindet sich der Goldene Brief im Tresor der Leibniz Bibliothek in Hannover. Im kommenden Jahr wird er im Landesmuseum ausgestellt werden - er wird eines der Prunkstücke von „Als die Royals aus Hannover kamen“ sein, der großen Landesausstellung zur Personalunion.

Im Januar 2015 - sofern die Renovierungsarbeiten der Bibliothek im Zeitplan bleiben - wird der Goldene Brief dann seinen Platz in der neuen Dauerausstellung der Kostbarkeiten der hannoverschen Bibliothek finden. Wahrscheinlich ganz in enger Nachbarschaft zu Leibniz’ Rechenmaschine.

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