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Kultur Zwölfte A-cappella-Woche ein voller Erfolg
Nachrichten Kultur Zwölfte A-cappella-Woche ein voller Erfolg
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19:34 13.05.2012
Von Manuel Becker
Fulminantes Stimmengewitter: The Real Group im Beethovensaal. Quelle: Steiner
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Hannover

Bei A-cappella-Musik denken viele an eine kleine Sängergruppe, die mit ein bisschen Witz „dum-di-dum“ als Begleitung zu einer Melodie singt. Und das ganz ohne Instrumente. Für das hannoversche Publikum ist A-cappella längst mehr. Die Stadt hat mit Maybebop eines der besten A-cappella-Ensembles des Landes und daneben Gruppen wie Juicebox, Str8Voices und Vocaldente, was Hannover schon lange zu einer Hochburg der Gesangsmusik ohne Orchester macht.

Am Wochenende ist hier die zwölfte A-cappella-Woche zu Ende gegangen, die die große Vielfalt dieser Musikrichtung gezeigt hat. Gruppen aus Deutschland, Großbritannien, Schweden, Estland und Spanien sangen Renaissancemusik, Poppiges und Jazziges, Musik aus dem 15. Jahrhundert, kamen mit gregorianischen Klängen, modernen Arrangements und spanischem Temperament in die Stadt. Das kam an. Sieben von 13 Konzerten waren am Ende ausverkauft.

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Mit The Real Group gab es jetzt am Wochenende kurz vor Schluss noch einmal einen Höhepunkt. Und wenn jemand, wie die fünf Schweden, für sich in Anspruch nimmt, der oder das Wahre zu sein, dann darf er schon mal damit kokettieren, schlecht zu sein. Schließlich hatte „The Real Group“ vor der Zugabe von Michael Jacksons „Bad“ eindrucksvoll bewiesen, wie gut sie auch nach fast drei Jahrzehnten immer noch ist. Das Gesangsquintett wurde im fast ausverkauften Beethovensaal von einem ebenso fachkundigen wie begeisterten Publikum entsprechend gefeiert.

Zu Beginn hatten die Schweden allerdings die Bühne noch dem Chor Essenzen überlassen - einem von vier Ensembles, mit denen sie tagsüber in einem Workshop gearbeitet hatten. Die Essenzen demonstrierten mit ihrer Kluft, dass Schwarz-Gelb doch ein Erfolg sein kann und wie man sich mit einem vokalen Wetterbericht ganz und gar nicht nass macht: Ihr Stimmengewitter hatte es in sich.

Wenig später hatte es aufgeklart: The Real Group ließ die Hummel los: „Bumble Bee“ gehört ebenso zu den Hits der Gruppe wie die philosophische Erkenntnis „A lifetime takes a lifetime to fulfill“. Sie beließ es dann aber doch bei reichlich zwei Stunden. Und schlug den Bogen von Mozart bis Nat King Cole. Ein „Splatter Country Song“ gab Kerstin Lundin, die als Schwangerschaftsvertretung von Emma Lisdotter mit dabei war, die bravourös genutzte Chance, als Schwedens Antwort auf Dolly Parton zu glänzen. Bass Anders Jalkéus machte sich über den Tenor als Typus lustig (dabei ist sein Bandkollege Anders Edenroth doch ein Altus). Morten Vinther war der Bariton-Charmeur vom Dienst, und Katarine Henryson bewies, dass man zwar mehrfach den Familiennamen wechseln, sich aber doch treu bleiben kann. Und spätestens mit dem Count-Basie-Medley zeigten die fünf, dass man mit vollen Backen jeden Bläserset ersetzen kann und dass sie nichts an Swing und an Schwung verloren haben.

Am Sonntagvormittag demonstrierten dann zwei Chöre und zwei A-cappella-Ensembles, was sie zuvor beim Meisterkurs von den Schweden gelernt hatten - und auch, was sie zuvor schon konnten. Den Anfang machten wieder die Essenzen mit modernen Arrangements deutscher und englischer Popsongs. Dabei wirbelten die 18 Sänger munter über die Bühne, und der Spaß, den die Truppe beim Singen hatte, übertrug sich sofort auf das Publikum im nahezu ausverkauften Pavillon. Str8Voices aus Hannover kamen mit schön gecoverten englischen Popsongs, von denen vor allem das „Run Run Run“ im Ohr blieb. Nach der Pause begannen die Sänger des Jazzchores clazz den zweiten Teil des gemeinsamen Konzerts. Auch für die etwas braven Arrangements gab es viel Applaus.

Den Schlusspunkt des Sonntagvormittags setzte Juicebox. Die zwei Frauen und vier Männer beeindruckten mit eigenwilligen Songs, teilweise außergewöhnlich arrangierten Liedern, die sich immer weiter entwickeln. Der Klang war dabei groß und voluminös. Juicebox klingt wie eine Mischung aus feinem Elektrokonzert ohne Strom und einem Jazzabend im Kellerklub. Eigenwillige Lieder wie „Return to Iceland“ oder der finale Regentanz bekamen den größten Applaus, und man wünschte sich, das Sextett häufiger zu hören.

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