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Kultur „Der Name der Rose“ im Theater am Aegi
Nachrichten Kultur „Der Name der Rose“ im Theater am Aegi
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14:15 03.05.2019
Das Ensemble des Kriminaltheaters Berlin bringt „Die Name der Rose“ von Umberto Eco auf die Bühne des Theaters am Aegi. Quelle: Villegas
Hannover

Eine mysteriöse Mordserie in einem Benediktinerkloster im Jahr 1327, Gift, Gewalt, Gelüste und Intrigen: Umberto Ecos „Der Name der Rose“ bietet inhaltlich viel, das Spannung verspricht. Und doch: Das daraus entstandene Stück, das das Ensemble des Kriminaltheaters Berlin seit Donnerstag als Gastspiel auf die Bühne des Theaters Am Aegi bringt, ist es nicht. Enttäuschend und mit vielen Längen plätschert die Inszenierung mehr als zwei Stunden dahin.

Rund 700 Seiten umfasst der 1980 veröffentlichte Debütroman des italienischen Schriftstellers. „Der Name der Rose“ gilt inzwischen als Klassiker des postmodernen Romans. Nicht zuletzt, weil der Epos auf mehreren Ebenen agiert, sich zwischen Kriminalroman, Liebesgeschichte, philosophischem Essay und Epochenporträt des späten Mittelalters bewegt. Literaturwissenschaftler haben ihre Freude daran, all die intertextuellen Verweise Ecos zu entschlüsseln. Es geht um mehr als eine Mordermittlung unter Mönchen. Große philosophische Fragen nach den Grenzen des Glaubens und dem Recht auf individuelle Freiheit stehen im Raum. Spätestens mit der Verfilmung 1986 samt Sean Connery in der Hauptrolle wurde der Stoff weltbekannt.

Inszenierung bleibt an der Oberfläche

Wer so einen Epos auf die Theaterbühne bringen will, braucht wohl den Mut zu reduzieren. Den Mut, bestimmte Handlungsstränge, einzelne Charaktere hervorzuheben und auf andere zu verzichten. Die Inszenierung von Wolfgang Rumpf traut sich das nicht. Im Eiltempo versucht das Stück, nahezu die komplette Handlung des Romans nachzuerzählen und verbleibt so zwangsweise und durchweg an der Oberfläche. Die zarte Liebesgeschichte des Novizen Adson von Melks mit einem armen Bauernmädchen bleibt hier bloß eine sündige Nacht. Skurril und verfehlt wirken zudem Arrangements, die Mönch William von Baskerville und seinen Gehilfen nach fast jeder Szene in bester Sherlock Holmes und Dr. Watson-Manier das Erlebte und Ermittelte zusammenfassen lassen. Für das dramatische Finale, in dem Baskervilles Gegenspieler Jorge von Burgos den zweiten Teil der Poetik Aristoteles’ und die komplette Bibliothek des Klosters abbrennt, um den Glauben vor der Forschung zu schützen, bleiben im Theater am Aegi nur noch vier Minuten Spielzeit übrig. Wer Buch und Film nicht kennt, geht spätestens jetzt verloren.

Sparsamer Applaus nach schwerfälligem Stück

Und das ist schade. Denn nicht zuletzt Matti Wien und Gert Welzer setzen Glanzpunkte in ihren Rollen als William von Baskerville und Jorge von Burgos. Es bleiben im engen Handlungskorsett wenig Möglichkeiten, die einzelnen Charaktere zu entfalten und zu zelebrieren, doch wenn das Stück sie einmal lässt, weiß jeder der zwölf Schauspieler, wie das geht. So schwerfällig die Szenen 135 Minuten lang dahin ziehen, so sparsam fällt am Ende auch der Applaus aus. „Wirklich frei ist nur der, der niemanden anbetet“, mahnt William von Baskerville ganz zuletzt seinen Novizen. Das gilt wohl auch für einen Regisseur und seine Buchvorlage.

„Der Name der Rose“ ist im Theater am Aegi noch am Sonnabend, 27. April, um 16 und um 20 Uhr zu sehen.

Von Carina Bahl

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