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Kultur Die Geschichte einer Befreiung
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23:15 26.01.2019
"Unorthodox" nach dem Roman von Deborah Feldman. Szene mit Susana Fernandes Genebra und Lena Sophie Vix. Quelle: Katrin Ribbe
Hannover

Deborah Feldman hat die Geschichte einer Befreiung geschrieben: ihrer eigenen. Sie ist in der chassidischen Satmar-Gemeinde in Williamsburg, New York, aufgewachsen. Das Leben in dieser ultraorthodoxen Gemeinde ist von vielerlei religiösen Regeln geprägt. Auf Außenstehende wirken die meisten dieser Regeln absurd (was ist schlimm daran, etwas aus Wolle Gestricktes auf der Haut zu tragen? Was stört an der Farbe Rot? Warum müssen Frauen Röcke tragen?) und man kann sich fragen, wieso ein Leben unter Zwängen, die sehr stark den privatesten Bereich betreffen, für manche Menschen so attraktiv ist, dass sie es heute noch so führen.

Deborah Feldman ist es gelungen zusammen mit ihrem Sohn die religiöse Gruppe zu verlassen. Das ist nicht die Regel, meist müssen Mütter bei solchen Trennungen ihre Kinder in der Gemeinde zurücklassen. „Unothodox“ heißt das Buch, das Deborah Feldman über ihr Leben geschrieben hat. In den USA wurde es ein Bestseller. Jetzt ist die Theaterversion auf der Cumberlandschen Bühne zu sehen.

Zwei Schauspielerinnen spielen die Autobiographie: Susana Fernandes Genebra und Lena Sophie Vix sind in der Inszenierung von Swantje Möller als Erzählerinnen und Spielerinnen zu sehen, oft treten sie miteinander auch in einen Dialog, was nicht falsch ist, schließlich kann so eine Lebenserinnerung ja zuweilen auch ein Dialog mit einem alten Ich sein. Manchmal schlüpfen sie auch in die Rolle von Nebenfiguren (die wie etwa die Lehrerin Miss Mandelbaum dann auch mal schnell zu Karikaturen werden), manchmal kichern sie als junge Mädchen miteinander.

Als es ans Erwachsenwerden geht und die Heiratsvermittlerin den zukünftigen Mann gefunden hat, ändert sich das Bühnenbild. Am Ende der korridorartigen Spielfläche (die Zuschauer sitzen rechts und links davon), wird ein großes Stahlrad enthüllt. Es ist drehbar und begehbar und wirkt ganz schön dahingeprotzt. Lena Sophie Vix klettert hinein und gerät ziemlich ins Rotieren. Ein deutlicheres Bild für die Zwänge, denen sich die junge Frau ausgesetzt fühlt, wäre kaum möglich gewesen. Während sich das Mühlrad-Bild ganz leicht erschließt, bleibt der fortwährende Einsatz von Bühnennebel rätselhaft. Das hier ist eine ganz realistische Geschichte aus der Gegenwart – warum müssen da die ganze Zeit Nebelschwaden durch den Raum ziehen?

Zumal eine wunderbare atmosphärische Begleitung ja bereits vorhanden ist. Die Musikerin Martina Lenzin steht die ganze Zeit (anderthalb Stunden dauert das Stück) auf der Bühne und begleitet ausgewählte Szenen ganz wunderbar mit Klängen, Geräuschen und Gesängen. Ihre kleinen Wortfetzen aus der Loop-Maschine schaffen ganz eigene, ganz fremde Welten. Ihr gelingt etwas Fremdes, Filigranes, was die Regisseurin vielleicht auch gesucht hat.

Von Ronald Meyer-Arlt

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