Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Theaterkollektiv Frl. Wunder AG inszeniert Stück am Staatstheater
Nachrichten Kultur

Uraufführung: Theaterkollektiv Frl. Wunder AG inszeniert Stück am Staatstheater

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
21:27 07.01.2020
Verena Lobert (von links), Svenja Wolff und Marleen Wolter von der Frl.-Wunder-AG inszenieren zusammen im Theaterkollektiv das Stück „Furien des Erinnerns“. Quelle: Irving Villegas
Anzeige
Hannover

Sie werden zu Furien. Furien, die sich rächen. Rächen an dem Vergessen. Die Mitglieder des Theaterkollektivs Frl. Wunder AG wollen in ihrem neuen Stück „Furien des Erinnerns“ nahezu unbekannte Frauen der Kulturszene in die Erinnerung der Zuschauer zurückrufen. Es geht um historische Persönlichkeiten wie Dadaistin Elsa von Freytag-Loringhoven, Schauspielerin Katharina Schratt oder Tänzerin Loïe Fuller, die auf der Bühne dargestellt werden. Das Stück setzt sich mit dem Thema Erinnerungen auseinander.

„Wir nennen sie liebevoll unsere geistigen Urgroßmütter“, sagt Marleen Wolter, die zusammen mit vier weiteren Mitgliedern der AG bei dem Stück Regie führt und auch selbst mitspielt. „Ein Ausgangspunkt der Inszenierung war, sich zu fragen, wie man als Schauspielerin so geworden ist, wie man geworden ist“, sagt Wolter. „Da kamen wir schnell darauf, dass uns nicht nur Arbeitsbedingungen prägen, sondern auch Künstler und Künstlerinnen.“

Doch als das Theaterkollektiv in der Anfangsphase des Projekts versucht habe, weibliche Vorbilder aus der Kunstszene aufzuzählen, seien ihm nur wenige eingefallen. „Das war ein richtiger Schockmoment“, sagt Verena Lobert, die das Stück mit inszeniert und darin auftritt. Und ihre Kollegin Svenja Wolff ergänzt: „Das hat uns erst mit den Leerstellen konfrontiert.“

„Erinnerung wird durch Männer geprägt“

Also beschäftigten sich die Mitglieder der Frl. Wunder AG mit dem Thema feministische Erinnerungskultur. Warum erinnert sich eine Gesellschaft an bestimmte (oft männliche) Persönlichkeiten? Warum fallen einige (vor allem weibliche) Künstler hinten runter? Wie können sie es schaffen, prägende Frauen der Geschichte in die Erinnerung der Gesellschaft zurückzuholen? Auf der Suche nach Antworten durchstöberten sie Archive, befragten eine Kunsthistorikerin und lasen Biografien, Manifeste und Doktorarbeiten. Die Antwort auf die Fragen habe viel mit dem System zu tun, sagt Lobert. „Im sogenannte Patriarchat hat es eine lange Tradition, dass Männer aneinander erinnern. Frauen entwickeln das gerade erst.“

„Das war ein richtiger Schockmoment“: Verena Lobert vom Theaterkollektiv Frl. Wunder AG. Quelle: Irving Villegas

Bis man sich an Frauen genauso erinnert wie an Männer, sei es noch ein langer Prozess, finden die drei Schauspielerinnen. „Wir haben mit Frauen in der Theaterszene gesprochen, und dort ist es immer noch so, dass Frauen es schwerer haben, die Karriereleiter hochzuklettern“, sagt Wolff. „Solange die Verhältnisse patriarchalisch sind, wird sich das auch in der Geschichtsschreibung niederschlagen.“ Man müsse immer wieder „Momente der Sichtbarkeit“ generieren, um dieses „unausgesprochene System“ zu durchbrechen, ergänzt Lobert. Mit ihrem Stück „Furien des Erinnerns“ wollen sie dazu beitragen.

„Für Frauen ist es schwerer, die Karriereleiter hochzuklettern“: Svenja Wolff vom Theaterkollektiv Frl. Wunter AG. Quelle: Irving Villegas

Inszenierung wird im Ballhof aufgeführt

Dass Frl. Wunder die Inszenierung im Ballhof Zwei des Staatstheaters aufführt, ist eine Premiere – und etwas Besonderes, denn das Theaterkollektiv ist ein Freies Theater. Bei dem Stück werden zwei Schauspielerinnen des Staatstheaters mitspielen.

Die Frl. Wunder AG ist vor allem für ihre experimentellen Inszenierungen und Aktionen bekannt, die auch gern das Publikum aktiv mit einbeziehen. Häufig treten sie im Pavillon auf. „Die Zuschauer im Ballhof werden wir nicht ganz so sehr einbeziehen wie unser übliches Publikum“, sagt Lobert. „Für die, die die Stücke im Ballhof sonst schon als sehr experimentell ansehen, wäre das vielleicht etwas viel verlangt.“

Das Stück „Furien des Erinnerns“ der Frl. Wunder AG hat am Sonnabend, 11. Januar, um 19.30 Uhr im Ballhof Zwei Premiere.

Lesen Sie auch

Von Lisa Neugebauer

Daniela Kriens Roman „Die Liebe im Ernstfall“ erzählt von fünf Frauen, die die große Liebe, aber auch ihre Freiheit suchen. Wie schwierig beides zu vereinbaren ist, macht das Buch deutlich. Die Autorin kommt am Donnerstag, 9. Januar, für eine Lesung nach Hannover.

03.01.2020

Der weltberühmte hannoversche Künstler Igor Levit sieht sich Morddrohungen und antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt. Unterstützung erhält er jetzt von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble und Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay. „Wir müssen wachsam sein“, fordert auch Michael Fürst, Vorsitzender des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen.

29.12.2019

2020 geht das Kleine Fest in Hannover in die 35. Runde – und der langjährige Festchef Harald Böhlmann bleibt als Mann mit dem Zylinder mindestens noch ein weiteres Jahr dabei. Im HAZ-Interview erklärt er, wie er Künstler aus aller Welt verpflichtet, dem Wetter trotzt und Las Vegas Konkurrenz macht.

30.12.2019