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Kultur Musica Alta Ripa spielt in der Christuskirche
Nachrichten Kultur Musica Alta Ripa spielt in der Christuskirche
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00:16 01.08.2018
Keine Angst vor Klanggrenzen: Musica Alta Ripa in der Christuskirche.
Keine Angst vor Klanggrenzen: Musica Alta Ripa in der Christuskirche. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Vivaldi geht immer. Seine Kompositionen treffen einen Nerv; selbst bei notorischen Klassikhassern. Und mit Vivaldi lassen sich neue Horizonte entdecken – das hat nun das Ensemble Musica Alta Ripa unter Leitung von Danya Segal gezeigt: Vivaldi goes Orient. Mit ihrer Produktion „Mutter“ aus dem letzten Jahr zündeten die Barock-Botschafter bereits den Funken zwischen den Musikkulturen aus Orient und Okzident. Nun ging es mit dem Programm „Verwandlung“ und den Musikern Meran Younes (Buzuq) und Hogir Göregen (Percussion) in der Christuskirche darum, barocke und orientalische Klangwelten zu verweben.

In Vivaldis „La Notte“ umspielt Percussionist Gören (der den Abend mit einer Handtrommel aus dem Zuschauerraum kommend, beginnt) virtuos Vivaldis kompositorische Muster, ohne zunächst mit dem Ensemble zu einer Einheit zu wachsen. Das ändert sich in „La Folia“: Mit den beiden Geigerinnen Anne Röhrig und Ulla Bundies schafft er eine Intensität, die einen glauben machen kann, Vivaldi wäre tatsächlich nicht in Venedig, sondern in Al Hassaka im Norden Syriens kreativ gewesen.

Aus jener Stadt stammt Komponist und Buzuq-Spieler Younes. Seine beiden Kompositionen „Dengvedan wan“ und „Remembrance“ sind die Herzstücke des Abends. Mit Vivaldi hat dies wenig zu tun, dafür aber umso mehr mit einer musikalischen Vision des Zusammenlebens der Kulturen. Die Musik des 2015 aus Syrien geflüchteten Musikers vermittelt zwischen wilden Läufen auf dem Saiteninstrument Buzuq, spannungsgeladenen Dialogen mit dem Ensemble und irrwitzigen Kadenzen ebenso Lebensfreude wie Melancholie.

Nach anderthalb wie im Fluge vergangenen Stunden ahnen wir: Wenn Musik gesellschaftliche Prozesse steuern könnte, wie gut würde es uns dann allen gehen! Spätestens am Ausgang aber sind wir wieder in der Realität angekommen: Das Sommergewitter mit Starkregen lässt die Zuhörer noch für Minuten im Kircheneingang verweilen.

Von Bernd Schwope