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Kultur Vicky Leandros: „Ich war immer europäisch geprägt“
Nachrichten Kultur Vicky Leandros: „Ich war immer europäisch geprägt“
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00:17 20.12.2018
„Es ist schwieriger geworden“: Vicky Leandros. Quelle: Jens Wolf/dpa
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Hannover

Zu Silvester tritt die griechisch-deutsche Sängerin Vicky Leandros im Sendesaal des NDR am Maschsee auf.

Frau Leandros, in mehr als 50 Jahren auf der Bühne haben Sie viele Menschen erreicht. Wie sieht Ihr Publikum heute aus?

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Das ist sehr gemischt, es sind viele Menschen darunter, dich mich seit vielen Jahrzehnten mit meiner Musik begleiten. Es sind aber auch viele Jüngere dazugekommen.

Sie haben über 4000 Stücke in verschiedenen Sprachen aufgenommen. An welchen Liedern hängen die stärksten Erinnerungen?

Da ist zum Beispiel das Lied „Après toi“, mit dem ich 1972 den Grand-Prix in Edinburgh gewonnen habe. Das singe ich auch heute noch. Der Sieg war natürlich etwas ganz Besonderes. Damals war der Grand Prix mit weltweitem Erfolg verbunden. Da haben sich Türen und Tore für das Ausland geöffnet. Oder „Ich liebe das Leben“. Da gibt es so viele Erinnerungen ...

Der Konsum von Musik wird durch ständige Verfügbarkeit immer schnelllebiger. Was macht das jemandem wie Ihnen, die schon so lange im Geschäft ist?

Der Verkauf ist in den letzten 20 Jahren dramatisch zurückgegangen. Die Komponisten, Texter und Verleger der Lieder beschweren sich, weil es nicht mehr so viel Geld von der Gema gibt und die Verkäufe eingebrochen sind. Es ist schwieriger geworden.

Eines Ihrer Lieder heißt „Mama, ich werd’ alt". Wie wichtig ist es Ihnen, musikalisch am Zeitgeist zu bleiben?

Man soll sich ja immer wieder erneuern und dabei auf dem langen Weg – so wie bei mir – sich selbst treu bleiben. Es ist eine Herausforderung, in Konzerten vielseitig zu sein. Ich singe sehr viele Chansons und Balladen, aber auch Schlager. Vor einigen Jahren habe ich ein Album mit Xavier Naidoo aufgenommen. Und auf meinem neuen Album, das ich im nächsten Jahr aufnehmen möchte, wird es auch wieder Neuerungen geben.

Sie sind in Deutschland und Griechenland aufgewachsen, haben ihre Songs in mehreren Sprachen eingesungen – zu Zeiten als die europäischen Grenzen noch sichtbarer waren als heute. Hat sie das beeinflusst?

Musik ist, wie man so schön sagt, ohne Grenzen. Das hatte keine größere Auswirkung auf mich. Da ich auch in Paris und in London gelebt habe, war ich schon immer europäisch geprägt. Ich finde es sehr gut, dass Europa vereint ist.

Machen Ihnen die nationalistischen Bewegungen in einigen europäischen Staaten Angst?

Angst ist kein guter Ratgeber. Ich hoffe, dass sich diese Sichtweisen durch politische Arbeit wieder aufklärt. Aber das ist ein großes Thema und braucht eine längere Diskussion.

Der Grand Prix war als Teil des europäischen Zusammenhalts gedacht und diente zur Völkerverständigung. Wo sehen sie die Veranstaltung heute?

Das beobachte ich nicht mehr so genau. Früher war es eine Veranstaltung der Völkerverständigung. Und es sind auch bekannte Künstler aufgetreten: Cliff Richard oder Nana Mouskouri. Ich glaube, dass es weiterhin ein Anlass für die Verständigung ist.

Vor Auftritten haben sie noch immer Lampenfieber. Was passiert, wenn Sie jemand in so einem Moment auf dem falschen Fuß erwischt?

Das macht ja niemand (lacht). Ich ziehe mich ein bis zwei Stunden vorher zurück, gehe mein Programm durch und singe kurz ein. Das hilft. Auch, wenn das Lampenfieber erst nach ein oder zwei Lieder auf der Bühne verschwindet.

Ihr Konzert in Hannover ist an Silvester. Was kann das Publikum erwarten?

Das wird eine Art Neujahrskonzert mit entsprechenden Liedern aus Griechenland und Irland, die ich sonst nicht im Programm habe. Ich möchte die Leute mit einem guten Gefühl in das neue Jahr bringen. Es soll ja positiv beginnen.

Zur Person

Vicky Leandros hat 50 Millionen Tonträger während ihrer internationalen Karriere verkauft. 1967 nahm sie als 15-Jährige erstmals am Grand Prix de la Chanson teil und belegte den vierten Platz für Luxemburg. Fünf Jahre gewann sie die Auszeichnung mit dem Lied „Après toi“. Ihre Songs nahm Leandros auch auf deutsch, griechisch, englisch, niederländisch, japanisch und spanisch auf. Zwischen 2006 und 2008 bekleidete die Griechin ein politisches Amt in ihrer Heimat: Für die sozialdemokratische Partei Pasok wurde sie Vizebürgermeisterin von Piräus und Stadträtin für Kultur und internationale Beziehungen. Am 31. Dezember singt die inzwischen 66-Jährige ab 17 Uhr im Sendesaal des NDR.

Von Manuel Behrens

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