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Kultur Kunsthalle Faust und Virtuale Switzerland zeigen digitale Kunst
Nachrichten Kultur Kunsthalle Faust und Virtuale Switzerland zeigen digitale Kunst
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01:15 31.08.2018
Im Kreis um die Kröpcke-Uhr: „Ascension of Cod“ von Will Pappenheimer.
Im Kreis um die Kröpcke-Uhr: „Ascension of Cod“ von Will Pappenheimer. Quelle: Layar
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Hannover

Mitten in Hannover kreisen Fische um die zentrale Lampe auf dem Kröpcke. Die Georgstraße entlang hängen lauter Lampions mit Motiven japanischer Tanzkunst. Und das Steintor ist vor der Kestnergesellschaft von riesigen Pilzskulpturen gefüllt. Noch nicht bemerkt? Nun, diese Kunstexponate sind bestenfalls schöner Schein, sie breiten sich nur virtuell im öffentlichen Raum aus – und werden bloß auf dem Smartphone und auch nur für jene sichtbar, die sich über das dafür nötige Programm Zugang zur Ausstellung „Ijacking“ verschaffen. Die bietet insgesamt zwölf künstlerische Positionen dieser Digital Art, von Kunst der durchweg digitalen Sorte also.

Der Titel der Präsentation lässt es schon ahnen: Denn er erinnert ja an Hijacking, an Entführung also, und an Augen, „eyes“ eben, denn das Auge des Betrachter wird dabei in virtuelle Räume entführt - und so öffentlicher Raum neu besetzt.

Kuratiert und mitgestaltet hat diese Ausstellung der amerikanisch-schweizerische Künstler Arthur Clay, Gründer des auf virtuelle Präsentationen spezialisisierten Netzwerks Virtuale Switzerland. Und er hat dafür als hannoverschen Kokurator Harro Schmidt von der Kunsthalle Faust gefunden.

Die unaufdringliche Schau

Die meisten Teilnehmer sind indes so international wie die Titel ihrer Exponate: Die Fische stammen von dem US-Künstler Will Pappenheimer, der seine Animation „Die Himmelfahrt des Kabeljaus“ genannt hat und als Hommage an die unter Erwärmung und Überfischung leidende Spezies versteht. Die Lampions hat der Japaner Yasuyuki Saegusa entworfen, der sie den Butohtänzern seiner Heimat widmet. Und die Pilze stellt das Schweizer Künstlerduo Monica Studer und Christoph van den Berg unter dem Titel „A Band of Floating Mushrooms“ ans Steintor.

Immerhin, auch einige deutsche Beiträge sind unter den derart virtuell präsentierten Werken – bis hin zu Hannovers einzigem lebenden Gesamtkünstler Timm Ulrichs, der freilich nur mit einer Digitalversion seines Auftritts als Blinder („Ich kann keine Kunst mehr sehen“) vertreten ist. Und immerhin ist dies eine nachhaltige und unaufdringliche Form von Kunst im öffentlichen Raum. Denn diese Exponate brauchen weder Platz noch Pflege, sie rosten und verwittern nicht, und sie werden nur von denen gesehen, die sie sehen wollen. Das kennt man auch von analoger Straßenkunst, doch dabei liegt es daran, dass sich ihr gegenüber irgendwann Gleichmut einstellt und man sozusagen blind wird für alles künstlerische Ringen um Kunst im öffentlichen Raum.

Im digitalen Hier und Jetzt

Zu sehen sein soll „Ijacking“ ab Ende August in der Innenstadt. Wer dort dann also Passanten auf das Smartphone starren sieht, kann gar nicht sicher sein, dass diese Leute nur in ihrer Internet-Blase unterwegs sind. Vielleicht widmen sie sich gerade der Kunst vor Ort, ganz konzentriert aufs Hier und Jetzt. Nur eben in dessen digitaler Variante.

„Ijacking“. 31. August bis 30. September in der Innenstadt. Die App Layar, mit der man die Digitalisate auf dem Smartphone oder Tablet betrachten kann, sowie (großenteils nur englischsprachige) Details zu den Kunstwerken und den Touren, auf denen sie in Hannover dann sichtbar sind, findet man unter www.virtuale-switzerland.org/VirtualeHannover/html_interface/index.html.

Von Daniel Alexander Schacht