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Kultur Eine kleine Werkschau zu Karl Bohrmann in der Galerie Koch
Nachrichten Kultur Eine kleine Werkschau zu Karl Bohrmann in der Galerie Koch
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15:41 03.12.2018
„Akt im roten Manten von hinten, vor Fenster“ (1995) von Karl Bohrmann in der Galerie Koch Quelle: Galerie Koch
Hannover

Nur mit dem Pinsel gezogene rote Aquarellschlieren lassen den braunen Malgrund als Silhouette eines weiblichen Körpers hervortreten. Der stützt die Arme auf die blaue Bank eines Fensters dahinter. Und das wird in wenigen Ölkreidestrichen angedeutet – so ist es bei diesem „Akt im roten Mantel von hinten, vor Fenster“ zu erleben, dessen Aquarellfläche im Fensterrahmen auch noch einen Blick ins Blaue eröffnet und so zu einem Wechselspiel zwischen sinnlichen Außen- und seelischen Innenräumen einlädt.

Mit wie wenigen Strichen Karl Bohrmann seine malerischen Welten zu erschaffen vermag, das ist schon beeindruckend. Und das ist jetzt in der Galerie Koch zu beobachten, die dem vor 20 Jahren verstorbenen Künstler ihre neue Ausstellung widmet, die drei Dutzend Arbeiten aus mehreren Jahrzehnten zeigt und damit durchaus Dimensionen einer kleinen Werkschau aufweist. Solche roten Umrisse von Frauen, aber auch Silhouetten von Bäumen in Rot, dazu Bilder auf denen man Dampfer oder Landschaften ahnen kann – das scheinen die Themen Bohrmanns zu sein.

Allerdings sind die Figurationen vage genug, um die Frage aufzuwerfen, inwieweit Abbildlichkeit überhaupt das Ziel dieses Künstlers ist. Keine Frage ist es dagegen, dass seine Anfänge nicht in gegenständlichen Entwürfen liegen. Bohrmann, Jahrgang 1928 und nach dem Studium in Saarbrücken sowie in Stuttgart bei Willi Baumeister zunächst auf den zeitgenössischen Stil des Informel orientiert, hat kleine Blätter mit feinen Linien gefüllt und sich erst allmählich zur Figuration vorgetastet. Beides ist in dieser Ausstellung zu beobachten, die auch frühe Arbeiten aus den Sechzigerjahren zeigt.

Der Erfolg kam deutlich später. Seit 1971 hat Bohrmann an der Frankfurter Städelschule unterrichtet, 1977 hat er seine Bilder auf der Documenta gezeigt, 1982 war er Villa-Romana-Preisträger. Und seit den Achtzigerjahren hat er sich medial breiter aufgestellt, hat Collage und Montage verwendet, hat Drucke in seine Bilder integriert, hat vergilbtes Papier, braune Umschläge oder Briefe als Zeichengrund für seine Werke genutzt. Die haben dadurch weitere (Be-)Deutungsdimensionen gewonnen, stets geblieben sind aber ihre Anreize zum Wechselspiel zwischen seelischen Innen- und sinnlichen Außenräumen.

„Karl Bohrmann. Zeichnungen, Collagen, Bilder 1963 – 1998“. Bis 12. Januar in der Galerie Koch, Königstraße 50.

Von Daniel Alexander Schacht

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