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Kultur Winnie Böwe im Schauspielhaus
Nachrichten Kultur Winnie Böwe im Schauspielhaus
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14:52 02.01.2019
„Uns geht es ganz schön gut“: Winnie Böwe im Schauspielhaus. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

Das Neujahrskonzert im Schauspielhaus ist unkompliziertes Vergnügen für die Verkaterten – und anspruchsvolle Reise durch überraschende Zusammenhänge für all jene, denen ein genauerer Blick Freude bereitet. Um Spielarten der Liebe geht es der Schauspielerin und Sopranistin Winnie Böwe und den Musikern des Salonorchesters Unter’n Linden: um Perspektiven auf Verliebtsein, Leidenschaft und Zärtlichkeit aus den 100 Jahren zwischen 1840 und 1940, beginnend mit dem Siegeszug des Genres Operette, endend mit der Verstaatlichung der UFA-Studios.

Musikalische Umsetzungen rund um schönste und traurigste Gefühle aus verschiedensten Gesellschaftsentwürfen und musikalischen Traditionen reihen sich unter dem Titel „Haben Sie schon einmal im Dunkeln geküsst?“ in locker assoziierter Folge. Mit den Erinnerungen und Fantasien kommen jedoch auch die Uneindeutigkeiten, Überlagerungen und Brechungen. Jenseits der von Böwe lustvoll zelebrierten Klischees ist die Liebe in ihrer Universalität offenbar schwer zu fassen – und doch alltäglich und intuitiv mitreißend.

Hinter Schwelgen und Schunkeln blitzen die Biografien der Komponisten und Texter auf und verleihen dem Gehörten bei Bedarf Tiefe. Wie nebenbei geht es um Visionen und Ansprüche. Auch die Zusammensetzung des Salonorchesters lässt ahnen, dass sich hier musikalische Erfahrungen und Vorlieben auf hohem Niveau vereinen. Alle Musiker sind Mitglieder der Staatskapelle Berlin und treffen sich in der Neugier auf Kaffeehausmusik im weitesten Sinne. Dass es den Musikern um persönliche Leidenschaften geht, wird unmittelbar spürbar.

Sie spielen subtil und pointiert, jedoch immer entspannt und selbstverständlich, gerade auch in den instrumentalen Stücken von Vittorio Monti, Johann Strauß Junior, Artur Rubinstein oder Paul Lincke. Es bleibt Raum für Lieblingsstücke: Schlagzeuger Andreas Haase beeindruckt am Xylofon mit Aram Chatschaturjans „Säbeltanz“ und Klarinettist Matthias Glander begeistert mit Artie Shaws Jazz-Klarinettenkonzert. Wie nah Jazz, Schlager und Operette sich kommen können, zeigt ein Potpourri aus Ralph Benatzkys „Im Weißen Rößl“ aus dem Jahr 1930. Böwe singt die überdrehten Häppchen mit viel Ironie und macht sie zu einer Collage von Liebesklischees, die von ihren kabarettaffinen Schöpfern wohl nie ganz ernst gemeint waren.

Sie vereint Gesang und Komik auf hohem Niveau, oft nah an der Parodie, mit rollendem R und rollenden Augen, charmant lächelnd und wild grinsend, sei es in Hans-Fritz Beckmanns „Bel Ami“ oder Franz Grothes „Ich träume immer nur von dem einen“. Mit Mischa Spolianskys „Ich bin glücklich“ von 1930 verbindet sie schließlich eine ernst gemeinte Übung fürs kommende Jahr: „Sprechen Sie das ruhig mal mit – uns geht es nämlich ganz schön gut.“

Von Thomas Kaestle

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