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Kultur Yaa Gyasi präsentiert ihr Buch „Heimkehren“ in Hannover
Nachrichten Kultur Yaa Gyasi präsentiert ihr Buch „Heimkehren“ in Hannover
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00:16 31.10.2018
Im Literarischen Salon: Yaa Gyasi mit Charlotte Milsch (links) und Sarah Franke. Quelle: Foto: Samantha Franson
Hannover

Manchmal lassen einen erst äußere Impulse zum Kern des Konflikts vordringen. So ist es der US-Autorin Yaa Gyasi ergangen, die bei einem Studienaufenthalt in Ghana, dem Land ihrer Geburt, dort das Cape Coast Castle erst anlässlich eines Besuchs von Freunden aus den USA betreten hat – und feststellte, dass dieser Ort für schwarze Frauen einst ein Scheideweg war: Einige lebten in der britischen Kolonialzeit als Frauen weißer Soldaten in der stattlichen Festung, die meisten verbrachten die letzten Wochen vor der Verschiffung als Sklavinnen im Verlies darunter.

So ist dies Gebäude zum Ausgangspunkt ihres ersten Buches geworden, in dem sie, ausgehend von zwei Schwestern, die um 1750 beide Wege gehen, deren Schicksale und die ihrer Gefährten und Verwandten beiderseits des Atlantiks verfolgt. „Heimkehren“, heißt Gyasis Debütroman, den die Stipendiatin der American Academy Berlin jetzt in Hannover im Literarischen Salon vorgestellt hat.

Im Fragekorsett

Das über 250 Jahre hinweg entfaltete Panorama von Sklaverei und Unterdrückung lockt viele ins Conti-Foyer, wo man die Lesung der Schauspielerin Sarah Franke, vor allem aber die Autorin im Gespräch erleben will. Doch statt eines Dialogs gibt es ein Frage-und-Antwort-Stakkato, weil Moderatorin Charlotte Milsch fast nur geschlossene Fragen stellt und die 29-jährige Yaa Gyasi zu höflich ist, um sich dazu querzustellen: Ob sie die Zerstörung von Familien durch die Sklaverei schildern wollte? Ob Alex Haleys Sklavereiroman „Roots“, Wurzeln also, sie beeinflusst habe? Ob es auch um die Autonomie starker Frauen gehen sollte? Die Antworten sind jeweils Varianten von „Ja“ oder „Nein“: Ja, sie habe die schwarze Diaspora zeigen wollen, nein, sie habe Haleys Buch nie gelesen, ja, doch weniger als um weibliche Autonomie sei es in der Geschichte schwarzer Frauen lange Zeit nur um die Sehnsucht danach gegangen.

Im Conti-Foyer wächst unterdessen die Sehnsucht nach einem offenen Gespräch. Später sind noch Fragen aus dem Plenum zugelassen. Ob sie mit ihrem „ganz wunderbaren Buch“ auch schon in Ghana auf Lesereise gewesen sei, möchte eine Dame wissen. Nein, sagt Gyasi, aber das habe sie noch vor. Ob sie in Berlin auch Rassismus erlebt habe, fragt ein Herr. „Nur einen mikroaggressiven Typ von Rassismus“, sagt Gyasi, die Absolventin der kalifornischen Eliteuniversität Stanford ist. „Aus Alabama, wo ich aufgewachsen bin, bin ich ganz Anderes gewohnt.“ Zum Gespräch zwischen Yaa Gyasi und dem Publikum kommt es nach der Veranstaltung - mit jenen Fans, die sich in einer langen Warteschlange aufstellen, um sich das Buch (Dumont-Verlag, 416 Seiten, 22 Euro) von der Autorin signieren zu lassen.

Heimat, ganz wurzellos

Immerhin, ein äußerer Impuls der Moderatorin führt auch zu einer wohl für die meisten neuen Einsicht. „Heimkehren“, der Buchtitel, steht für Schwarze in den USA keineswegs für Vergebung oder Versöhnung, wie Charlotte Milsch vorschlägt. „Es ist ein Synonym für das Begräbnis, die Vorstellung, in die Heimat zurückzukehren oder sie als einen Platz in sich zu tragen.“ Die Heimat im Herzen also, diese Vorstellung lässt immerhin Mobilität zu, anders als die von „Wurzeln“.

Um den NSU-Prozess geht es im Literarischen Salon mit den Journalisten Wiebke Ramm und Tanjev Schultz am Montag, 29. Oktober, um 20 Uhr im Conti-Foyer.

Von Daniel Alexander Schacht

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