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Kultur Florian Battermann zeigt „Schindlers Liste“
Nachrichten Kultur Florian Battermann zeigt „Schindlers Liste“
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10:16 25.10.2018
Kopf oder zahlen: Oskar Schindler (Stefan Bockelmann, rechts) und SS-Mann Amon Göth (Armin Riahi) zocken um die Zukunft der jüdischen Mitarbeiter des Fabrikanten.
Kopf oder zahlen: Oskar Schindler (Stefan Bockelmann, rechts) und SS-Mann Amon Göth (Armin Riahi) zocken um die Zukunft der jüdischen Mitarbeiter des Fabrikanten. Quelle: imagemoove
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Wolfenbüttel

Florian Battermann, der Leiter des Neuen Theaters, der Komödie im Aegi und eines weiteren Boulevardtheaters in Braunschweig, ist auch ein umtriebiger Stückeschmied. Seine Lustspiele und Filmadaptionen haben ihn in der vergangenen Spielzeit zu einem der meistgespielten Autoren auf deutschen Bühnen gemacht. Nun wurde das neueste und bislang ambitionierteste Stück des hannoverschen Theatermanns in Wolfenbüttel uraufgeführt: Battermann hat die Geschichte von „Oskar Schindlers Liste“ auf die Bühne des Lessingtheaters gebracht.

Dabei orientiert er sich nicht allein an Steven Spielbergs Erfolgsfilm aus dem Jahr 1993 – Battermann hat damals noch unbekannte historische Aspekte der Figur Schindler in sein Stück integriert. So weist er etwa dem enteigneten jüdischen Direktor von Schindlers Fabrik die zentrale Rolle zu, die ihm nach Stand der Forschung gebührt, und er vergisst auch nicht die regionalen Bezüge: Schindler ist 1974 in Hildesheim gestorben, wo 25 Jahre später auf einem Dachboden wichtige Dokumente aus seinem Nachlass gefunden worden.

Vor allem geht Battermann der Frage nach, wie aus dem Glücksritter und Frauenhelden Schindler der Judenretter werden konnte, der mehr als 1000 Menschen durch hartnäckige Beschäftigung in seiner Fabrik vor den Gaskammern von Auschwitz bewahren konnte. Seine Antwort: Schindler ist sich dabei selbst treu und ein Spieler geblieben. Er hat zumindest auch Freude daran, den SS-Männern seiner Umgebung immer neue Zugeständnisse abzuringen und sie schließlich auszutricksen.

Besonders eindringlich ist das in den Szenen zwischen Schindler und dem Lagerkommandanten Amon Göth zu sehen. Beide Männer wissen, wie brüchig ihre schnapsgetränkte Kumpelei ist: Sie sind Kontrahenten, die sich der Umstände halber verbrüdern – und beide Spaß am Spiel mit hohen Einsätzen haben. Battermann hat mit ihnen zwei interessante, mehrschichtige Figuren auf die Bühne gebracht.

Andere Szenen des Stückes sind weniger raffiniert. Die retardierende Rahmenhandlung auf dem Hildesheimer Dachboden, die allzu pittoresken Schilderungen der jüdischen Gemeinschaft, die überdeutlich verführerischen Sekretärinnen stehen für rustikales Theater ohne doppelten Boden.

Regisseur Lajos Wenzel hat alles temporeich und klar in Szene gesetzt. Stefan Bockelmann, bekannt aus der RTL-Serie „Unter uns“, ist als Titelheld angemessen großspurig und wagemutig: ein Zocker mit Herz. Auch die übrigen elf Mitglieder des großen Ensembles machen ihre Sache recht gut. So ist der Applaus im ausverkauften Haus am Ende groß: „Oskar Schindlers Liste“ wird Battermanns guten Platz in der Aufführungsstatistik sicher festigen.

„Oskar Schindlers Liste“ wird auf einer Tournee in 50 Orten in ganz Deutschland gespielt, am 1. Dezember ist das Stück in Garbsen zu sehen. Weitere Aufführungen in Hannover und der Region folgen im Frühjahr.

Von Stefan Arndt