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Kultur Staatsorchester spielt Konzert im Opernhaus
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11:47 24.09.2018
Kontrollierte Sinnlichkeit: Hannovers Generalmusikdirektor Iván Repusic. Quelle: Jan Philipp Eberstein
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Hannover

Ein klangfarbenreiches Programm, ein bestens aufgelegtes Orchester, das sich von seinem Chef hörbar gerne animieren lässt, da bleiben kaum Wünsche offen. Außer beim Kassenwart, der beim ersten Sinfoniekonzert der neuen Saison im Opernhaus sicher gerne ein paar Karten mehr verkauft hätte.

Lag es am abrupten Wetterumschwung vom Dauersommer ins Garstige? Fehlten den Traditionalisten die großen B's (Bach, Beethoven, Brahms, Bruckner) oder wähnten sie gar zu viel „welschen Tand“, vor dem einst der Meistersinger von Nürnberg warnte?

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Immerhin gibt es Ravel, Saint-Säens und Respighi, doch von „welschem Dunst“ (um noch einmal Richard Wagner zu bemühen) ist nichts zu spüren. Generalmusikdirektor Ivan Repušić präsentiert Maurice Ravels „Rhapsodie espagnole“ als tänzerische Beschwörung der Klangsinnlichkeit, bleibt dabei aber immer kontrolliert. Das ist mehr Pinselstrichanalyse als Klangpostkarte, hat Feuer, das aber unter Kontrolle bleibt.

Etwas lodernder geht es anschließend bei Camille Saint-Säens zweitem Klavierkonzert zu. Das liegt vor allem am kroatischen Pianisten Dejan Lasić, der vollgriffig ans Werk geht und so den französischen Klassizisten näher an Rachmaninow heranrückt, als es der französische Komponist wohl gemeint hat. Saint-Säens wird östlich der Rheins ja gerne unterschätzt, auch wenn des zweite seiner fünf Klavierkonzerte noch am ehesten zu hören ist. Gleich die einleitende Kadenz kostet Lasić mit Nachdruck aus, danach greift er den vorwärtstreibenden Duktus der Musik gerne auf. Das Allegro scherzando hat den nötigen Schwung, das abschließende Presto fegt alle Zweifel weg. Auch wenn das Stück ein paar Dynamikvariationen mehr zu bieten hat, als Lasić und Repušić vorführen, ihr Spielwitz zündet, ihr Elan überzeugt. Dass der Solist auch verspielter und leiser kann, beweist seine pointierte Zugabe: der erste der fünf fantastischen Tänze von Dmitri Schostakowitsch.

Nach der Pause zeigt das Orchester, dass man in Brunnen nicht nur plätschern kann, sondern dass sich in den „Römischen Brunnen“, die Ottorino Respighi beschreibt, auch Geschichte und Geschichten spiegeln. Mit einem verdichteten Drama schließt das pointierte Programm: mit Richard Strauss' Tondichtung „Don Juan“. Man muss wohl ein Genie wie der 24-jährige Strauss sein, um den Aufstieg und Fall des legendären Verführers so effektvollin eine reichliche Viertelstunde Musik packen zu können – und nebenbei auch noch die Kunstfertigkeit der Orchestrierung zu demonstrieren. Die Solisten und die Bläsergruppen des Staatsorchesters haben in dieser Werkauswahl reichlich Gelegenheit, Klangkultur und Intensität vorzuführen: der Oboist Armand Djikoloum sei da stellvertretend genannt.

Große Besetzung, große Gefühle, großes Kino. Und – für hannoversche Verhältnisse – große Begeisterung.

Von Rainer Wagner

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