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Nachrichtenticker Erstes Date mit einem Pinguin - Linux für Anfänger
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09:19 12.09.2012
Längst kommen auch Laien mit dem Betriebssystem zurecht.
Längst kommen auch Laien mit dem Betriebssystem zurecht. Quelle: Andrea Warnecke
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Berlin

Die Zeiten, als Linux-Nutzer auch Programmierer sein mussten, sind längst vorbei. Es gibt zahlreiche moderne und leicht zu bedienende Distributionen - so nennen sich die in der Regel kostenlosen Pakete aus dem Linux-Betriebssystemkern, einer grafischen Benutzeroberfläche und Anwenderprogrammen. Praktisch daran: Alle installierten Programme und Treiber werden wie das Betriebssystem automatisch aktuell gehalten. Außerdem kann Linux problemlos parallel zu Windows oder Mac OS installiert werden.

Wer wendet sich dem Pinguin zu? "In der Regel sind es Leute, die irgendetwas an Windows stört", sagt Hans-Georg Eßer, Chefredakteur der Zeitschrift "EasyLinux". "Windows ist bekannt für seine vielen Sicherheitsprobleme." In der Welt des Pinguins gibt es dagegen keine Schadsoftware oder Bots. Einen Virenscanner brauchen Linux-User nicht. Außerdem ist das Betriebssystem stark konfigurierbar, die Bedienoberfläche jederzeit austauschbar.

Dem Statistikdienst StatCounter zufolge lief im Juli 2012 aber nur auf gut 2 Prozent aller Rechner in Deutschland ein Linux-Betriebssystem. 88 Prozent hatten dagegen ein Windows-Betriebssystem an Bord und ungefähr 7 Prozent Mac OS X.

Erste Wahl für Anfänger ist die kostenlose Ubuntu-Distribution. "Linux-Einsteiger sind damit sehr zufrieden", sagt Eßer. Die Komponenten im Rechner oder Notebook werden mit Ausnahme von doppelten Laptop-Grafiklösungen problemlos erkannt. Treiber für viele Peripheriegeräte bringen die Distributionen ebenfalls mit. "Wenn ein Gerät nicht erkannt wird, haben Sie ein Problem, dass Sie als Einsteiger wahrscheinlich nicht lösen können", warnt der Experte. Deshalb lohnt sich ein Blick auf Webseiten wie www.fsf.org, die die Kompatibilität von Hardware auflisten.

Die aktuelle Ubuntu-Version heißt 12.04 LTS Precise Pangolin. LTS steht dabei für Long Term Support: Fünf Jahre wird es für diese Version Updates geben. Unter anderem der Firefox-Browser, der Mailclient Thunderbird, Libre Office sowie Musikplayer, Videoplayer, Multimessenger oder ein Dokumentenbetrachter werden mitinstalliert. Verfügbar ist die Distribution in 32 und 64 Bit. Einsteiger sollten die 32-Bit-Version wählen, rät Eßer. Ubuntu kann heruntergeladen werden, liegt als CD aber oft auch Computerzeitschriften bei.

Man kann Ubuntu auch erst einmal ohne Installation als Live-System ausprobieren, bekommt einen ersten Eindruck und sieht, ob bestimmte Hardware nicht unterstützt wird. Wegen der Geschwindigkeitsvorteile bootet man besser von einem USB-Stick als von CD. Einen Stick benötigt man ohnehin, wenn ein Notebook kein optisches Laufwerk besitzt.

Beim Start der Installation neben Windows kann der Nutzer bestimmen, wie viel Platz sich Ubuntu für eine eigene Partition von der Festplatte abknapsen darf. 20 Gigabyte (GB) sind langfristig sinnvoll, sagt Eßer. Im Prinzip kommt man aber auch schon mit weniger als 10 GB aus. Ob die Festplatte mit dem FAT- oder dem NTFS-System formatiert ist, spielt keine Rolle. Beide Systeme können nach der Installation auf der ganzen Harddisk Dateien lesen und schreiben. Bei jedem Start des Rechner kann der Nutzer auswählen, welches System starten soll.

Herzstück von Ubuntu ist der sogenannte Unity-Desktop, eine intuitive Benutzeroberfläche mit Statusleiste und Programm-Menü am oberen Bildrand sowie einer Leiste mit Programmen am linken Seitenrand. Ein Klick auf das Ubuntu-Logo ganz oben in der Leiste führt zum sogenannten Dash. Darüber lassen sich alle Anwendungen suchen und starten, die nicht in der Leiste stehen. Außerdem gibt es dort eine Suchfunktion für alle Anwendungen und Dateien. Mit der ALT-Taste kann man zudem schnell ein Head-Up-Display (HUD) genanntes Suchfenster öffnen, das die Menüs der Anwendungen nach Befehlen und Bookmarks durchforscht. "Das neue HUD bietet eine schnelle Alternative zum traditionellen, menübasierten Weg, dem Computer zu sagen, was er tun soll", heißt es bei der Ubuntu-Stiftung, die die Entwicklung der freien Distribution vorantreibt.

Eine weitere wichtige Ubuntu-Funktion heißt Zeitgeist. Der spukt nicht etwa, sondern loggt im Hintergrund alle vom Nutzer geöffneten Anwendungen und Dateien mit, um sie für den Schnellzugriff auflisten zu können. In den Privatsphäre-Einstellungen lässt sich der Geist aber an die Kette legen. Man kann Geloggtes löschen oder bestimmen, welches Nutzerverhalten mitgeschnitten werden darf und welches nicht.

Über das Ubuntu Software Center, das mit einem Klick im Launcher erreichbar ist, lassen sich Programme einfach installieren, zum Beispiel die Bildbearbeitung Gimp. Unity erleichtert den Linux-Einstieg. "Wenn es einem nicht gefällt, kann man andere Oberflächen wie KDE oder Gnome nachinstallieren", erklärt Eßer. Weitere Informationen gibt es auf im Forum oder der FAQ-Seite des Betriebssystems oder man klinkt sich in einer der lokalen Linux User Groups ein.

dpa