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Nachrichtenticker Tuning für den PC - Wie Casemodder ihre Computer verschönern
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09:28 04.09.2012
Am Anfang ist immer ein langweiliges Gehäuse: Casemodder Benjamin Franz bei der Arbeit in seiner Werkstatt. Quelle: plexmod
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Berlin/Bochum

Doch beim Designen gibt es Tabuzonen.

Tuning ist nicht nur Autobastlern, sondern auch PC-Freaks ein Begriff. Beiden geht es um ein neues Design für ihren Wagen oder ihren Rechner. Das Computerpendant zum Tuning nennt sich Casemodding. Dabei mutieren langweilige PC-Gehäuse mitunter zu beeindruckenden Kunstwerken.

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"Professionelle Casemodder benötigen für ihre Geräte im Schnitt etwa 340 Stunden", sagt Casemodding-Experte Michael Wegner. Es gibt aber auch Bastler, die 2000 Stunden an der PC-Umgestaltung gesessen haben. Die Ergebnisse solcher Mammutbasteleien sind jedes Jahr bei der Deutschen Casemod Meisterschaft auf der Computerspielmesse Gamescom in Köln zu bewundern. Aber auch ein Streifzug durch die zahlreichen Casemodding-Portale im Internet fördert Spektakuläres zutage: Da gibt es zum Beispiel Rechner zu sehen, die in Wasser oder Öl eingelegt sind, solche mit komplett durchsichtigem Gehäuse oder PCs mit farbiger Festbeleuchtung.

Warum machen Casemodder das? "Es geht ganz allgemein darum, Alltagsgegenstände zu individualisieren oder zu verschönern" erklärt Wegner, der Sprecher der Casemod-Meisterschaft ist. Für Casemodder Benjamin Franz stehen gar nicht so sehr die besonders spektakulären Bauten im Vordergrund. "Für Außenstehende ist das natürlich sehr attraktiv", sagt er. "Aber viele Casemodder legen inzwischen Wert auf andere Dinge." Das sind im Grunde die gleichen Grundsätze, auf die auch Industriedesigner achten, zum Beispiel klare Linien und eine individuelle Formensprache.

Kein Wunder, dass viele ehemalige oder aktive Casemodder inzwischen Design studieren oder in diesem Bereich arbeiten. Das Hobby wirklich zum Beruf gemacht hat aber noch keiner, sagt Franz: "Ich kenne keinen Casemodder in Deutschland, der alleine davon leben könnte."

Üblicherweise bauen die Computerbastler alles selbst, Fertigteile sind verpönt. Einsteiger müssen aber nicht ganz so streng mit sich sein, sagt Michael Wegner. "Für Laien spricht nichts dagegen, sich zum Beispiel vorgefertigte Gehäuseteile zu kaufen." Wer seinen Rechner nur ein wenig verschönern will, kann auch ganz klein anfangen und sich zum Beispiel eine Tastatur mit beleuchtetem Unterboden und eine Lichterkette für den Monitor kaufen, rät Wagner. "Das ist dann für unter 100 Euro und in weniger als einer Stunde gemacht."

Richtiges Casemodding ist dagegen weit anspruchsvoller, sagt PC-Bastler Benjamin Franz. Die Kosten hielten sich zwar im Rahmen: "Ich stecke im Schnitt etwa 200 Euro pure Materialkosten in ein Projekt." Zeit und Geduld müssten angehende Casemodder aber reichlich mitbringen. "Neulinge überschätzen sich oft." Einen guten Einstieg bieten die zahlreichen Seiten und Foren im Netz. Hier können Laienbastler nachfragen, wenn sie nicht mehr weiterwissen. Viele erfahrene Casemodder veröffentlichen dort außerdem sogenannte Worklogs, in denen sie ein Projekt von der Idee bis zum fertigen Rechner mit Skizzen und Fotos dokumentieren.

Bei allen Bastelarbeiten am Computer ist Vorsicht die Mutter der Porzellankiste. Jürgen Ripperger vom VDE Prüf- und Zertifizierungsinstitut rät sogar grundsätzlich davon ab. "Die vielen Normen und Vorschriften gibt es nicht ohne Grund. Man muss dafür schon sehr viele Kenntnisse haben." Ahnungsloses Drauflosbasteln sei unter Umständen nicht nur für den Computer gefährlich, sondern auch für den Benutzer - zum Beispiel, wenn die neu eingebaute Beleuchtung plötzlich lebensgefährliche Spannung führe.

Auch Casemodder Franz Neulingen rät zur Vorsicht. "Bei Unsicherheiten kann man immer im Forum nachfragen", sagt er. Casemodder würden zum Beispiel nie am Netzteil des Computers arbeiten. "Da gibt es aber immer wieder Schrauber, die meinen, sie müssten das öffnen. Die werden dann aber auch entsprechend zurückgepfiffen."

Außerdem kann Casemodding den Betrieb des Rechners beeinträchtigen, warnt Jürgen Ripperger. "Es kann sein, dass sich mit dem neuen Gehäuse die thermischen Bedingungen ändern, und die Temperaturkontrolle nicht mehr richtig funktioniert." Die Konsequenz: Der Rechner sieht zwar schön aus, stürzt aber dauernd ab. Aus diesem Grund sind die umgebauten Computer für Benjamin Franz in erster Linie auch Anschauungsobjekte. Zwar steckt im Inneren immer ein lauffähiger Rechner, das Hauptaugenmerk liegt aber auf der Ästhetik. Im Alltag würde er seine Kreationen aber nie benutzen, sagt der Casemodder: "Dafür wären die mir auch viel zu schade."

dpa