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Netzgeflüster Das Klatschkritik-Blog
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13:28 08.09.2010
Von Ernst Corinth
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Sie sagt: ,Weil ich Politologie studiert habe'.“, „Rihanna auf Hawaii. – Diese Frau hat einen Schuss!“, „Beckhams Hund trägt Nagellack“ oder „Jessica Alba – schön, aber schusselig“. Ohne Zweifel bedeutende Themen und Fragen, die am vergangenen Mittwoch bei Bild.de entsprechend gewürdigt worden sind. Und die natürlich auch gelesen werden. Denn für Klatsch, Tratsch und anderen Nonsens gibt es immer noch einen großen Markt. Das beweisen nicht nur täglich unsere Boulevardblätter, sondern auch die zahlreichen Klatsch-Magazine und sogenannte Frauenzeitungen, die eben nicht nur beim Friseur oder in den Wartezimmern der Ärzte gelesen werden.

Eigentlich komisch, dass sich kaum einer kritisch mit diesen Presseerzeugnissen auseinandersetzt. Und auch unter Medienkritikern ist die Klatschpresse bestenfalls ein Randthema.

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Aber wozu gibt es das Internet? Dort hat schon vor einigen Monaten das Blog Klatschkritik seine virtuellen Pforten eröffnet. Betreiberin ist die 27-jährige freie Journalistin Antje Tiefenthal, die pro Woche vier, fünf entsprechende Magazin kritisch studiert. „Wenn mir beim Lesen etwas auffällt, dann beginne ich zu recherchieren. Ich habe so ein Gefühl dafür, wenn etwas nicht stimmt", sagte sie der Berliner „taz“, die Tiefenthal kürzlich ausführlich vorgestellt hat. Und meist wird die Klatschbloggerin schnell fündig.

Da gibt es dann haarsträubende Fehler in den Berichten, unglaubliche Widersprüche, offensichtliche Unwahrheiten. Alte Dinge (auch Fotos) werden als sensationelle Neuheiten verkauft. Immer wieder findet Tiefenthal Schleichwerbung. Und wer das Blog liest, der spart sich übrigens auch den Kauf von bunten Blättern und kann dennoch bei Omas Geburtstag mitreden.

Ein besonders schönes Fundstück ist von Mitte August der Text „Traumschiff, ahoi“, der sich mit Heidi Klums Mittelmeerurlaub beschäftigt. Daraus ein paar Ausschnitte: „Heidi Klum schippert mit Kind und Kegel auf einer Luxus-Yacht durch's Mittelmeer. (...) Zuallererst muss geklärt werden, auf welchem Schiff Familie Klum unterwegs ist. Gar nicht so einfach: Das Gros der Klatschblätter (Bunte, Grazia, Ok!, Gala) schreibt, dass Heidi auf der 95 Meter langen ,Indian Empress’ des indischen Milliardärs Vijay Mallya urlaubt. Laut ,In’ allerdings wechselte das Topmodel später auf die kleinere ,Va Bene’ (etwa 48 Meter lang). Glaubt man aber dem britischen Internetportal dailymail.co.uk, dann cruiste Frau Klum ausschließlich auf der ,Va Bene’.“ Auch über den jeweiligen Aufenthaltsort gibt es die unterschiedlichsten Angaben, obwohl dieselben Fotos die Berichte schmücken. Auch die Infos über die Kosten und die Anzahl der Besatzungsmitglieder variieren fröhlich. Und so weiter. - Und wenn man die Berichte wirklich ernst nimmt, dann muss es mehrere Heidi Klums geben, die auf verschiedenen Schiffen im Mittelmeer unterwegs gewesen sind.

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