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Netzgeflüster Das Netz trägt Grün
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12:48 17.06.2009
Von Ernst Corinth
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Als Zeichen der Solidarität mit den mutigen Menschen im Iran, die das Wahlergebnis von vergangener Woche aus bekannten Gründen nicht akzeptieren wollen. Unter den grünen Protestanten im Netz sind nicht nur zahlreiche Nutzer des Kurznachrichtendienstes Twitter.com, sondern am Dienstagnachmittag verfärbte sich für einige Stunden sogar die Homepage der BBC grün und inzwischen unterstützen auch die Software-Piraten der schwedischen "Pirate Bay", die kurzerhand in "Persian Bay" umgetauft wurde, die Proteste im Iran.

Aber die Piraten haben nicht nur zum virtuellen Farbtopf gegriffen, sondern mit anderen Online-Gruppen ein Netzforum gestartet mit dem Namen Iran.WhyWeProtest.net. Dort heißt es: „Wir sind keine Regierungsagentur, noch sind wir Iraner. Wir sind einfach das Internet und wir glauben an freie Meinungsäußerung.“ Eine Freiheit, die im Iran ja nicht mehr existiert. Zumindest wird alles versucht, sie zu unterdrücken. In dem besagten Forum kann nun jeder Infos zum Iran veröffentlichen, Suchmeldungen nach vermissten Personen platzieren, und es gibt Tipps, wie Iraner in ihrer Heimat die staatliche Internet-Zensur umgehen können. Unter anderem auf dem gleichen Weg, wie man auch bei uns recht simpel angedrohte Netzsperren austricksen kann.

Die Unterstützung der iranischen Protestbewegung durch ausländische Online-Aktivisten ist jedenfalls enorm. Dazu schreibt, vielleicht eine Spur doch zu euphorisch, der „Handelsblatt“-Blogger Thomas Knüwer: „Wir sehen eine
Revolution. Nein, wir sehen zwei Revolutionen. Der Ausgang der einen, der politischen, ist ungewiss. Die zweite, die technische, wird uns erhalten bleiben. Denn die Welt hat sich nicht nur solidarisiert mit den Protestzügen in Teheran - sie wird Teil der Proteste.“

Ein kleines Beispiel dazu liefert auch Twitter. Weil dieser Kurznachrichtendienst auch von staatlichen Stellen im Iran überwacht wird, haben viele Nutzer inzwischen ihre persönlichen Einstellungen bei diesem Dienst so geändert, dass sie nun angeblich im Iran leben und von dort aus twittern. Das soll dann wiederum die Arbeit der dortigen Polizei erschweren, die bei Twitter angeblich gezielt nach iranischen Nutzern sucht.

Und wer die Tage die althergebrachten Medien nutzt, der hat zuweilen das Gefühl bei Nachrichtensendungen wie den Tagesthemen bei YouTube gelandet zu sein. Wegen des für sie verhängten Büro-Arrestes im Iran greifen nämlich viele Journalisten aus Mangel an eigenen Bildern auf Videos und Fotos zurück, die im Netz veröffentlich wurden. Was manchmal sogar ein wenig komisch ist, wenn man bei Twitter dann liest, was der amerikanische Sender CNN gerade bei Twitter aus dem Iran erfahren hat.

Zum Schluss der Linktipp der Woche: Das Video Hugh Laurie („Dr. House“) interviewt Michael Jackson und der Film „Krieg im Büro“

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