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Netzgeflüster Der Blogger
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13:09 17.02.2010
Von Ernst Corinth
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Ja, so ist Berlin. Und genau so aufregend geht es in dem Text noch eine ganze Weile weiter.

Die zitierte Passage stammt aus dem Blog, früher hätte man Homepage gesagt, eines jungen Mannes, den fast alle und besonders die angestellten Mitarbeiter der Feuilletons nur „den Blogger“ nennen, dem das Beste passiert ist, was seinen Texten eigentlich passieren konnte: ein anderer junger Mensch, Helene Hegemann hat bei ihm ein wenig abgeschrieben und ihr Text wiederum wurde tatsächlich ein Bestseller.

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Von diesem kauffördernden Ruhm profitiert nun auch Airen, also unser junger offensichtlich richtig zorniger Blogger, der allerdings so doll nun auch wieder nicht bloggt.

Sein neuester Beitrag in seinem „Live“-Blog stammt zwar vom 14. Februar, darin macht er verständlicherweise ein bisschen Werbung für sein Buch „STROBO“, dem Stein des Anstoßes, und für Lesungen des Autoren-Kollegen Deef Pirmasens, der den vermeintlichen Abschreib-Skandal mit aufgedeckt hat. Davor hat unser Mental-Beserker Airen das letzte Mal jedoch am 20. August 2009 gebloggt, dann am 17.08, 31.07 und 28.05. Also so doll ist das nicht für einen Mann, der nur der Blogger genannt wird. Aber für diese schräge Berufs- oder Zustandsbeschreibung kann Airen wohl selber nichts. Also Schwamm drüber.

Und warten wir lieber auf den nächsten tollen Skandal in unseren vom Internet langsam erweichten Feuilletons. (Motto: Schirrmacher, ick hör dir trapsen.) Doch bis es soweit ist noch ein Lese-Tipp. Wolfgang Michal hat sich der gerade erwähnten Geschichte satirisch genähert, auf der Netzseite „Carta“ mit seinem Text „Ein satirischer Wegweiser durch die Bestseller der kommenden sieben Jahre“, den er folgende Einleitung vorweg geschickt hat: „Sie werden es nicht glauben, aber Charlotte Roches’ ,Feuchtgebiete’ und Helene Hegemanns ,Axolotl Roadkill’ waren erst der Anfang. In unserer Glaskugel erkennen wir bereits die nächsten Debütantinnen. Sie schreiben härter und authentischer als alles bisher Dagewesene. Das Feuilleton ist hingerissen.“ Und danach folgen Textproben aus sensationellen Romanentwürfen wie „Kabul Snuff“ von Antigone Angermeier (16 Jahre) bis „Pussycat Forever“ von Genoveva G. (4). Alle sind absolut lesenswert. Und eine Bereicherung der deutschen Gegenwartsliteratur, das jedenfalls meint ihr Blogger.

Ernst Corinth 03.02.2010
Ernst Corinth 27.01.2010