Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Netzgeflüster Der falsche Anwalt
Nachrichten Medien & TV Netzgeflüster Der falsche Anwalt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:18 28.10.2010
Anzeige

Unser Kaninchen ist schon seit Jahren tot. Doch noch immer wird seine Spaß-E-Mail-Adresse bei Zoonetz.de als Absender für ungewünschte Werbemails (sog. Spam) missbraucht. Und das vermutlich täglich, hundertfach. Aber nicht nur Kaninchen sind das Opfer solcher betrügerischen Mail-Tricksereien, sondern auch ehrenwerte Männer wie beispielsweise Rechtsanwälte. Zuletzt hat es die Kanzlei Giese in Hamburg erwischt.

Zweimal bereits hat uns eine E-Mail mit der nervösen Betreffzeile „Ermittlungsverfahren gegen Sie“ erreicht und als Absender fungierte die schon erwähnte Kanzlei. In ihr heißt es unter anderem: „Gegenstand unserer Beauftragung ist eine von Ihrem Internetanschluss aus im sogenannten Peer-to-Peer-Netzwerk? begangene Urheberrechtsverletzung an Werken unseres Mandanten. Unser Mandant ist Inhaber der ausschliesslichen? Nutzungs- und Verwertungsrechte im Sinne der ...“ Genau 13 Musiktitel sollen von unserem Computer heruntergeladen und 21 hochgeladen worden sein.

Anzeige

Nach ziemlich überzeugend nachgeahmten Juristen-Sprech kommen dann die Betrüger endlich – wie immer ohne Umlaute und „ß“ - zur Sache: „Um weiteren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und anderen offiziellen Unannehmlichkeiten wie Hausdurchsuchungen,? Gerichtsterminen aus dem Weg zu gehen, gestatten wir ihnen den Schadensersatzanspruch unseres Mandanten? aussergerichtlich zu loesen.“ 100 Euro, heißt es dann weiter, solle man zahlen.

Übrigens ein echter Schnäppchenpreis für ein solches Delikt. Normalerweise, das zeigt ein Blick in das Abmahnung-Blog.de, werden nämlich mindestens 400 Euro verlangt.

Am Schluss der Mail verabschiedet sich der vermeintliche Absender mit: „Hochachtungsvoll,? Rechtsanwalt Florian Giese.“ Genau der wusste allerdings von nichts und hat nun den Ärger, den Nerv mit Leuten, die sich wegen dieser E-Mail bei ihm beschweren. Eine entsprechende Warnung und Richtigstellung findet man dann auch auf der Netzadresse des
Anwalts: www.rechtsanwalt-giese.de

Dass die Betrüger eine Rechtsanwaltsadresse als Absender für ihre betrügerische Mail genommen haben, wundert jedoch kaum. Denn von solchen für den Empfänger finanziell teuren Abmahnungen, die massenhaft verschickt werden, scheinen offenbar bundesweit gleich mehrere Kanzleien zu leben. Das hat zwar nicht viel mit Juristerei im eigentlichen Sinne zu tun, aber auch Juristen wollen eben leben.

eco

21.10.2010
Ernst Corinth 14.10.2010
Netzgeflüster Rundfunkänderungsstaatsvertrag - Löschen - Nein, danke!
07.10.2010