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Netzgeflüster Die Spaßbremser von Braunschweig
Nachrichten Medien & TV Netzgeflüster Die Spaßbremser von Braunschweig
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14:07 29.07.2009
Quelle: screenshot
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Und wer es bisher noch nicht gewusst hat, der kann es hier fsinfo.noone.org/~abe/mirror /bielefeld.html nachlesen. Im Unterschied zur ostwestfälischen Stadt soll es Braunschweig aber tatsächlich geben, obwohlauch hier leise Zweifel angebracht sind. Zumindest nach einem aktuellen Fall, an dem das Ordnungsamt der Stadt führend beteiligt ist. Und der seit ein paar Tagen im Netz und mittlerweile auch bei den Online-Ausgaben großer Magazine für viel Wirbel sorgt. Siehe beispielsweise: „Party-Angst in Braunschweig“ http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,638616,00.html

Anlass ist ein sogenannter Flashmob, eine blitzartige Versammlung, zu der sich meist junge Menschen übers Netz verabreden, um dann spontan allen möglichen Unsinn oder sinnfreien Spaß anzustellen. So was gab und gibt es in fast jeder größeren Stadt, eben auch in Braunschweig. Dort trafen sich in den letzten Jahren bereits zweimal rund 70 Personen, um auf dem Schlossplatz eine Stunde lang zu picknicken. Und das war auch 2009 für Anfang August geplant.

Jedenfalls rief Dirk Schadt über das Netzwerk studiVZ dazu auf. Und er rechnete bestenfalls mit rund 100 Mitessern. Doch er hatte die Rechnung ohne das Ordnungsamt gemacht, das offenbar über verschlungene Wege von der studiVZ-Flashmob-Gruppe erfuhr und Schadt als Verantwortlichen aufs Amt einlud. Nach seinen Angaben sagte man ihm unter anderem dort http://de.indymedia.org/2009/07/256867.shtml:

„1. Jegliche öffentliche Flashmobs in Braunschweig sind illegal und werden notfalls mit einer Allgemeinverfügung verboten und polizeilich aufgelöst. (…) 3. Der öffentliche Raum in Braunschweig dient ausschließlich dem Verkehr, also dem Transfer von Wohnung a zu Wohnung b, von Wohnung a zu Geschäft b oder von Geschäft a zu Geschäft b.“

Dass der öffentliche Raum in Braunschweig ausschließlich dem Verkehr dient, sollte sich jeder Besucher der Stadt gut merken. Als Schadt damit an die Netzöffentlichkeit ging, machte die Geschichte in Blogs und Foren schnell die Runde unter der spektakulären Überschrift „Flashmobs in Braunschweig verboten“. Die Empörung war groß, viele machten sich über diese Braunschweiger Provinzposse lustig. Und als dann auch noch mehrere Online-Zeitungen die Geschichte aufgriffen, reagierte die Stadt. Schließlich war ihr Image bedroht.

So sagte gegenüber Newsclick.de der Stadtrat Carsten Lehmann: „Wir sind keine Spaßbremser, sondern haben auf einen Einzelfall reagiert.“ Braunschweig verbiete nicht generell öffentliche Flashmobs. Sie seien dort möglich, wo die Sondernutzungssatzung nicht gelte. Und die Sondernutzungssatzung gelte aber trotzdem weiter für den Schlossplatz.

Dirk Schadt plant nun für Ende August auf dem besagten und von Amts wegen picknickfreien Platz ein Picknick als Protest gegen das Picknick-Verbot. Und wenn die Braunschweiger Ordnungshüter weiter dafür so (unfreiwillig) mobilisieren, werden bestimmt mehr als 100 Leute kommen. So etwas nennt man dann wohl Eigentor.


Zum Schluss der Linktipp der Woche:

das Video http://www.youtube.com/watch?v=4-94JhLEiN0& von einer wirklich ungewöhnlichen Hochzeitsfeier

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