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Netzgeflüster Die hässlichen Seiten von Twitter
Nachrichten Medien & TV Netzgeflüster Die hässlichen Seiten von Twitter
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17:33 10.01.2009
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Langsam verzieht sich das Medieng(t)witter, über das an anderer Stelle auf dieser Seite ja schon ausführlich berichtet wurde. Aber immer noch ist Mumbai das Hauptthema bei Twitter - gefolgt übrigens von „Black Friday“, dem heutigen Tag der Sonderangebote in den USA. Und inzwischen hat nicht nur bei uns eine Diskussion begonnen über Sinn und Verlässlichkeit von Twitter.

Einer der ersten der auf die „hässlichen Seiten“ dieses schnellen und rasant wachsenden Kommunikationsnetzes hinwies, war der amerikanische Blogger Tim Malbon. Unter der Überschrift: „Mumbai: Flashmob oder soziales Medium in Aktion“ kritisiert er am vergangenen Donnerstag nicht nur, dass man oft nur schwer unterscheiden kann zwischen Fakten und puren Gerüchten. (So wurde beispielsweise getwittert, dass es mehr als 1000 Tote gegeben habe.) Sondern Malbon beklagt, dass es bei einem Medium wie Twitter naturgemäß keinen Filter für geschmacklose Nachrichten und Meinungen gebe.

Ja, jeder kann sich eben in diesem Netz äußern – auch durchgeknallte Machos mit Sprüchen wie: „Sie wollen nicht verhandeln. Großartig, dann lasst sie uns alle töten.“ Und dass für einige, wie Malbon schreibt, die aufgeregte Social-Media-Berichterstattung wichtiger war als das eigentliche Ereignis, auch das ist nicht völlig aus der Luft gegriffen. Nicht zuletzt weil Twitter ja einem zumindest ein wenig das Gefühl gibt, Teil des fernen Geschehens zu sein.

In das gleiche Horn wie Malbon stößt heute auch Spiegel-Online mit diesem Text. Ganz anders, ja, absolut euphorisch äußert sich dagegen der „Handelsblatt“-Blogger Thomas Knüwer. Dazu nennt er einige Beispiele, wo über Twitter Leuten vor Ort direkt geholfen wurde: Dina „initiierte einen Blog mit Notfallnummern und Hilfe, twitterte Aufrufe zur Blutspende, und stellte Kontakt zwischen internationalen Medien und Twitterern in der Stadt her.“ Schließlich steht für Knüwer dann fest: „In der vergangenen Nacht wurde aus dem Kopfkonstrukt Bürgerjournalismus schlichte Realität. Das Instrument Twitter wurde zur schnellsten Nachrichtendrehscheibe für Meldungen aus Bombay.“ Und, so der Blogger, bei der nächsten Katastrophe oder dem nächsten Anschlag könnte es schon „Video-Live-Übertragungen von Handys über Dienste wie Qik“ geben.

Ob das wirklich wünschenswert ist, sei einmal dahingestellt. Jedenfalls denkt die „Bild“-Zeitung ganz ähnlich und verkauft demnächst an ihre Leserreporter über eine Supermarktkette günstige digitale Kameras mit einer Software, mit der man ganz einfach Filme auf Bild.de hochladen kann.

Zum Schluss ein paar Links zum Thema:
„Twitter: der Aufstieg zum News-Medium“ von Meedia.de
Fotostream (aus Mumbai) von Vinu
Twitter mal wieder“ – Text aus dem Blog „Irgendwas ist ja immer“
Und „vor Ort Bericht eines Bloggers: Bangkok

Von Ernst Corinth

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