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09:01 18.08.2014
Foto: Wer hat die meisten Pixel? Besucher testen auf der Gamescom die neuesten Spiele – und ihr eigenes Können.
Wer hat die meisten Pixel? Besucher testen auf der Gamescom die neuesten Spiele – und ihr eigenes Können. Quelle: dpa
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Köln

Männer in Soldatenuniform auf der Treppe, Zombies in der Warteschlange vor dem Klo, und Jedi-Ritter, die an der Bude Pommes frites essen – lebensgroße Fabelwesen gehören zur Gamescom wie Joysticks und Computerbildschirme. Insgesamt 335.000 Besucher haben nach Veranstalterangaben die am Sonntag zu Ende gegangene Computerspielemesse Gamescom auf dem Messegelände in Köln besucht. Und während das Fachpublikum eher unauffällig auftrat, bevölkerten die privaten Besucher die Computerspielemesse größtenteils in Kostümierung ihrer Lieblingscharaktere – ebenso wie die sogenannten „Booth Babes“: Messehostessen, die in ihrer Verkleidung nicht nur Produktwerbung machen sollten, sondern die Besucher angeblich auch technisch anspruchsvoll beraten konnten.

Vor den Eingängen warteten an den vier Publikumstagen jeweils schon in den frühen Morgenstunden die ersten Gamer, um möglichst als Erste eine der neuesten Versionen von Spielebestsellern wie „Call of Duty“, „Destiny“ oder „The Division“ austesten zu können. Insgesamt waren 700 Aussteller aus 47 Ländern auf dem Messegelände vertreten, teilte der Branchenverband BIU mit.

Ungeachtet des bunten Gewusels in den Hallen bemühte sich die vor allem für Ballerspiele berühmte Branche, einen Zeitenwechsel anzustreben. Weg von Egoshootern und Klassikern wie „World of Warcraft“ und „Super Mario“, hin zu intelligenter Unterhaltung – wenn möglich mit pädagogischem Anspruch. Denn: Die digitale Spielebranche wird nach Einschätzung des Branchenverbandes BIU „erwachsen“. Angeschoben wird diese Entwicklung allerdings nicht unbedingt von den großen Herstellern, sondern vor allem von unabhängigen Entwicklern, die mithilfe frei zugänglicher Technologien eigene Spiele entwickeln.

„Morpheus“ und „Oculus Rift“

Kleine Schirme stecken in den Virtual-Reality-Brillen von Oculus und Sony. Etwa so groß wie eine Skibrille, bringen sie den Bildschirm nah ans Auge heran und vermitteln ein realistisches Spielerlebnis. Auf der Gamescom schlüpften Besucher mithilfe von „Morpheus“ in einen virtuellen Taucherkäfig unter Wasser, der von einem riesigen Hai ins Visier genommen wurde. Bis zur Marktreife dürfte es jedoch noch einige Zeit dauern.

Auch die Datenbrille „Oculus Rift“, die jüngst von Facebook übernommen wurde, war auf der Messe in Köln zu sehen. Besucher konnten damit durch virtuelle Räume streifen. Der IT-Branchenverband Bitkom teilte mit, jeder dritte PC-Spieler ab 14 Jahren könne sich vorstellen, eine solche Brille zu kaufen.

Die Gamescom hat dieser Art von Spielen einen eigenen Bereich gewidmet, der mit einer Reihe von Pappwänden freilich viel spartanischer wirkte als die mit viel Geld und Aufwand präsentierten, großen Werbeflächen der Großen aus der Branche. Was dort zu sehen war, gab einen Ausblick auf das noch weitgehend ungenutzte Potenzial der Branche: Das von Studenten der „Köln International School of Design“ entwickelte Comicspiel „Outcasted“ etwa versetzt den Spieler in die Rolle eines Bettlers – und verfolgt als Ziel allein den Anspruch, dem Spieler das Empfinden als Mitglied einer solchen Gesellschaftsgruppe zu vermitteln. Andere Projekte hingegen widmen sich der Verbindung von Kultur und Unterhaltungsmedien: Schriftsteller wie Wladimir Kaminer etwa engagieren sich für das Projekt „Next Level“ – und erfinden PC-Spiele.

Die Branchenriesen Microsoft und Sony blieben sich treu: Bereits einen Tag vor dem offiziellen Messebeginn am Mittwoch hatten sie neue Spieletitel für ihre Xbox One und Playstation 4 vorgestellt. Microsoft zeigte Titel wie „Ori And the Blind Forest“ oder das neue Abenteuer der Pixelikone Lara Croft, „The Rise of the Tomb Raider“. Trotz des Booms bei Spielen für Handys und Tablets setzten die Hersteller weiter auf Konsolenspiele. Sony verkündete, bereits zehn Millionen Exemplare der Playstation 4 verkauft zu haben, die seit etwa einem halben Jahr auf dem Markt ist. Damit liegt der japanische Konzern im Wettstreit der Konsolen weit vorn: 
Microsoft verkaufte nach eigenen Angaben im etwa gleichen Zeitraum gut fünf Millionen seiner Xbox One.

dpa