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Netzgeflüster Gestern Chaostage, heute Facebook-Partys
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07:50 07.07.2011
Von Ernst Corinth
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Treffen von Punks und anderen Jugendgruppen waren das, die (fast) spontan organisiert wurden über Flugblätter, Fanzines und Mundpropaganda und die oft begleitet wurden von aufgeregten Berichten in Zeitung und Fernsehen, die so dann unfreiwillig für zusätzliche Werbung sorgten. Das Internet, das damals noch in den bekannten Kinderschuhen steckte, spielte dabei noch keine große Rolle. Es sorgte aber zuweilen schon für zusätzliche Verwirrung, wenn darüber gestandene Journalisten, Politiker und Polizisten, die von dem Netz meist rein gar nichts verstanden, böse mit gezielten Falschinformationen veräppelt wurden. Ein Spielchen, das man besonders eindrucksvoll am Beispiel der Chaostage in Hannover 1995 studieren kann.

Das alles ist Geschichte, die nun jedoch dabei ist ihre Fortsetzung zu finden, in den Facebook-Partys, die zwar nicht ganze Städte „in Schutt und Asche“ (Chaostage) legen, sondern die oft in deftigen Saufgelagen enden. Ein recht unfeiner und ziemlich gewöhnungsbedürftiger Jugendspaß, der diesmal aber ausschließlich übers Netz spontan organisiert Journalisten, Politiker und Polizisten erneut so verunsichert, dass sie mit ihren aufgeregten Statements und Berichten unfreiwillig die Werbetrommel dafür rühren. Anschauliche Beispiele für diese mediale Narretei nannte kürzlich das Bildblog, kurzes Zitat vom 27. Juni: „Schon letzten Donnerstag berichtete ‚Bild’ in Hamburg über ‚mehr als 19.000 (!) Facebook-Mitglieder’, die sich schon für eine Party in Hamburger U- und S-Bahnen angemeldet hätten — und nannte natürlich Datum, Uhrzeit und den Titel, unter dem man die Veranstaltung bei Facebook finden kann.“ Den ganzen Artikel gibt es hier.

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Und der größte Witz sind geforderte Verbote von sogenannten Facebook-Partys. Schließlich haben noch nicht einmal arabische Diktaturen es geschafft, übers Netz Demos wirkungsvoll zu unterbinden.

Geschweige denn Partys. Und dass manchmal die Verbote auch dramatisch zu spät kommen, konnte man am Wochenende nachlesen im Nachrichtenblatt „Der Postillon“: „Über 7000 Jugendliche bei Facebook-Party auf Mond erstickt“.

Eine Lektüre, die nachdenklich stimmt.

Zur Entspannung noch ein nettes Spiel und anlässlich des hannoverschen Schützenfestes einen Witz: Wirt nach der gewonnenen und gut begossenen Meisterschaft zu dem Schützenbruder Willi: „Für dich heißt es ja jetzt wohl nur noch: Hände weg vom Steuer!“? Betrunkener Schütze: "Was? Wenn ich blau bin soll ich auch noch freihändig fahren?“

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