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Netzgeflüster In den Sumpf
Nachrichten Medien & TV Netzgeflüster In den Sumpf
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21:59 03.06.2009
Von Ernst Corinth
Quelle: Screenshot
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Kennt noch jemand die Band „Geier Sturzflug“? Und ihr Lied: „Jetzt wird in die Hände gespuckt, wir steigern das Bruttosozialprodukt ...“? Und das ist bitternötig, nicht nur wegen der weltweiten Wirtschaftskrise. Sondern ausgerechnet wegen Microsoft.

Das Unternehmen hat bekanntlich Anfang dieser Woche seine neue Internetsuchmaschine Bing.com ins Netz gestellt. Auf den ersten Blick liefert sie – vor allem für deutsche Besucher – keine besonderen Suchergebnisse, doch wenn man ein wenig mit ihr herumspielt und dabei die Einstellungen verändert, dann erlebt man ein echtes Pornowunder. Besonders für Menschen, die in ihren Firmen online gehen.

Damit Angestellte nämlich nicht von allzu vielen nackten Tatsachen abgelenkt werden, haben fast alle großen Unternehmen eine Firewall laufen, die den Zugriff auf Sexseiten verhindern soll. Ein durchaus verständlicher Vorgang, den man jedoch mit Bing.com geschickt umgehen kann.

Den Trick kann man bereits in mehreren Online-Medien ausführlich nachlesen, er ist nicht besonders überraschend: Man muss also als Erstes die Ländereinstellung von Deutschland auf USA ändern. Dann gibt man ein geeignetes Suchwort für die Filmchen ein, sucht nach entsprechenden Videos. Und schon erhält man den Hinweis, dass die „Safer Search“ auf „moderate“ eingestellt ist. Das wiederum ist, schreibt der „Handelsblatt“-Blogger Thomas Knüwer, „so eine Art Kindersicherung für Bing. Und Kindersicherungen heißen ja Kindersicherungen, weil Kinder wesentlich schneller begreifen, wie diese umzustellen sind als ihre Eltern“.

Und genau diese Kindersicherung schalten wir nun mit einem Klick aus. Danach suchen wir erneut nach „Porn“. Und schon kommt man sich bei den angezeigten Ergebnissen vor wie bei dem Sexportal YouPorn. Oder mit den ironisch gemeinten Worten Knüwers: „Somit kann sich nun jeder Angestellte in einem Unternehmen dank Microsoft Bing die Welt der Erotik herunterholen. Porno-jagenden IT-Administratoren bleibt nur eine Chance: Bing sperren.“

Microsoft hat also nun ein „Porno-Problem“ rp-online.de. Und sogar ein recht harmloser Begriff wie „Strumpfhose“ führt, wie 20min.ch schreibt, via Bing.com ziemlich direkt in den Pornosumpf.

Es ist, sagt dazu der Schweizer Sexualpädagoge Bruno Wermuth, „unverantwortlich von Microsoft eine Suchmaschine ins Netz zu stellen, welche den Jugendschutz noch mehr als Google und Yahoo missachtet.“ Das haben jedenfalls Tests von 20min.ch ergeben, die ich an dieser Stelle nur bestätigen kann. Vorausgesetzt natürlich, man ändert bei Bing.com die standardmäßige Einstellung des Kinderschutzfilters. Und wer macht das schon?

Zum Schluss erst der Hinweis auf eine tolle Zeitverschwendung www.papertoilet.com und jetzt der Linktipp der Woche: das Spielportal Sarien.net www.sarien.net

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