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Netzgeflüster Intimes belauscht
Nachrichten Medien & TV Netzgeflüster Intimes belauscht
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15:09 25.08.2010
Von Ernst Corinth
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Dabei droht schon neue Unbill: Street View Premium, das man zwar extra bei Google beantragen muss, das dann aber Blicke und Einblicke auch hinter die Fassaden unserer Wohnhäuser bietet. Wie das genau ausschaut, kann man auf dieser Probeaufnahme sehen.

Wer noch mehr Intimes über seine Mitmenschen wissen möchte, muss ihnen einfach nur zuhören. Überall sind sie am reden auf der Straße, im Café, an der Supermarktkasse, im Bus, meist mit Handy, aber auch ohne. Besprochen wird dabei nahezu alles. Und das wie gesagt ganz öffentlich und unverpixelt! Im besten Fall sind die Geprächsfetzen und –ausschnitte, die man dabei mithört, komisch. Und einige davon landen dann sogar im Internet auf der Seite Belauscht.de, die wir vor Jahren schon mal kurz vorgestellt haben. Die aber immer einen Besuch wert ist und die sich selbst nennt „das Ohr zu Deutschland. Egal ob witzig, weise, skurril oder bewegend - Hauptsache authentisch. Hier ist das Forum für alles Belauschte, Mitgehörte und Aufgeschnappte!“ Und mittlerweile ist auch ein Buch entstanden unter dem Titel "Entschuldigung, sind Sie die Wurst? Deutschland im O-Ton”.

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Na dann mal los mit ein paar Beispielen. Der neuste Eintrag stammt zwar aus Hannover, vom Pfarrlandplatz, aber ist für diese kurze Kolumne leider viel zu lang, daher:

„Aalen. Im McDonalds. Kunde: ,Was ist denn in dem Kinder-Menü?’ Angestellter: ,Kinder.’“

Köln. Hauptbahnhof. In den Arkaden. Ein südländisch aussehender Mann Mitte zwanzig, mit großem Reisekoffer, bestellt sich eine Bratwurst im Brötchen. Verkäufer: ,Senf dazu?’ Mann (mit starkem Dialekt): ,Ja… Entschuldigen Sie, wie ist der Artikel von Senf?’ Verkäufer (im schönsten Asi-Rheinisch): ,Mit oder ohne …Senf!’“.

Und besonders schön: „Landau a.d. Isar. Vor der Marienkirche. Der Pfarrer der Gemeinde wird nach langen Jahren der Seelsorge von der Gemeinde verabschiedet. Eine alte Frau ist sehr traurig über den Weggang des beliebten Seelsorgers. Alte Frau: ,Ich hatte immer gedacht, dass Sie mich noch beerdigen werden.’ Pfarrer (im Seelsorgerton): ,Liebe Frau Arnim, ich bin ja noch 14 Tage hier.’“

Und als kleine Zugabe doch noch Hannover in einem Penny-Markt: „Ein neuer Mitarbeiter kassiert von einer älteren Stammkundin. Kundin: ,Oh, ein neues Gesicht?’ Kassierer: ,Nö, das hab’ ich schon lange.’“

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