Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Netzgeflüster Konfuser Jugendschutz
Nachrichten Medien & TV Netzgeflüster Konfuser Jugendschutz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:57 03.06.2009
Von Ernst Corinth
Verein zur Förderung des Kinder- und Jugendschutzes in den Telemedien Sperrung HAZ.de Websites Bild.de taz.de AK Zensur
Quelle: Screenshot
Anzeige

Im Unterschied zu dem „Verein zur Förderung des Kinder- und Jugendschutzes in den Telemedien“, der kostenlos schon seit längerem ein Filterprogramm anbietet, mit dem Jugendliche und Kinder vor bösen Seiten im Netz bewahrt werden sollen. Und auf der Website dieses Vereins kann jeder überprüfen, ob eine bestimmte Seite bereits in diesem Jugendschutzfilter ist.

Gibt man dort also HAZ.de ein, dann heißt es: „Die Seite HAZ.de ist bereits in unserem Filter enthalten und wird als 'Standard gesperrt' eingestuft. “ Das heißt, Jugendliche, deren Eltern dieses Filterprogramm auf ihren Computer installiert haben, können sich den Online-Auftritt der HAZ nicht anschauen. Aber damit ist HAZ.de keinesfalls in schlechter Gesellschaft. Auch neuepresse.de ist gesperrt, ebenso taz.de und weitere meist eher liberale oder linke Online-Zeitungen und Blogs. Bild.de dagegen ist offenbar harmlos. Die Seite der Partei der Grünen ist erst ab 14 Jahren freigeben, die SPD- und CDU-Seiten werden derzeit noch überprüft. Und der Knüller: Auch bka.de ist nach Ansicht dieser angeblichen Jugendschützer jugendgefährdend. Den Verdacht hatte ich übrigens schon immer.

So richtig Sinn macht solch ein konfuses Filterprogramm also nicht. Obwohl angeblich die gesperrten Seiten zuvor von Jugendschützern des Vereins höchstpersönlich überprüft werden. Und dass dieser Verein unterstützt wird von großen deutschen Schmuddelanbietern im Netz, das gibt auch zu denken. Sollte es zumindest. Weitere Infos hat das Spiegelfechter-Blog.

Gesperrt werden sollen bekanntlich auch Seiten mit kinderpornografischem Inhalt, weil es angeblich oftmals nicht oder nur mit erheblichem Aufwand möglich ist, die Inhalte zu entfernen oder der Urheber habhaft zu werden. Sperren statt Löschen also. Doch der Arbeitskreis gegen Internet-Sperren und Zensur ist nun bei einem Test zu einem ganz anderen Ergebnis gekommen. Innerhalb von nur 12 Stunden gelang es ihm insgesamt 60 kinderpornographische Internet-Angebote löschen zu lassen.

Als erstes wurden dabei die diversen europäischen Sperrlisten ausgewertet. Und anschließend die verantwortlichen Provider angeschrieben, die in vielen Fällen die Seiten nach einer Überprüfung vom Netz nahmen. Löschen statt Sperren ist also durchaus möglich, man muss eben nur wollen. Weitere Infos gibt es hier beim AK Zensur.

Zum Schluss der Linktipp der Woche: das Video Die dümmsten Ganoven des Monats

Netzgeflüster Totgesagte leben länger. - Twitter: Wenn Promis weinen
Ernst Corinth 20.05.2009
Ernst Corinth 13.05.2009
Ernst Corinth 06.05.2009